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Summer Orchestra Luxembourg : Harmonische Jugend
Kultur 3 Min. 26.12.2015

Summer Orchestra Luxembourg : Harmonische Jugend

Tuttiprobe im Mierscher Kulturhaus.

Summer Orchestra Luxembourg : Harmonische Jugend

Tuttiprobe im Mierscher Kulturhaus.
Foto: Pierre Matgé
Kultur 3 Min. 26.12.2015

Summer Orchestra Luxembourg : Harmonische Jugend

Sie sind um die 20 Jahre alt, und viele träumen von einem Job in einem Sinfonieorchester: Seit knapp zwei Jahren treffen sich Musikstudenten in regelmäßigen Abständen zum gemeinsamen Musizieren. Nach einer Woche harter Proben treten sie am Sonntag als Summer Orchestra Luxemburg in der Eglise Saint-Michel auf.

von Thierry Hick

Sie sind um die 20 Jahre alt, und viele träumen von einem Job in einem Sinfonieorchester: Seit knapp zwei Jahren treffen sich Musikstudenten in regelmäßigen Abständen zum gemeinsamen Musizieren. Nach einer Woche harter Proben treten sie am Sonntag als Summer Orchestra Luxemburg in der Eglise Saint-Michel auf.

 Im Proberaum der Mierscher Musek: Der Dirigent Pit Brosius empfängt die jungen Musiker des Summer Orchester Luxembourg (SOL). Die erste Tuttiprobe beginnt mit „A Somerset Rhapsody“ von G. Holst. Der erste Einsatz der Blechbläser ist zahm, die Streicher wagen sich zögernd an die Partitur. Ein paar Takte später klingt das Ensemble bereits homogener, farbiger. Das Orchester findet schnell die passende Harmonie.


Foto: Pierre Matgé

Für das kommende Konzert am Sonntag hat Pit Brosius, in Absprache mit den Musikern, ein anspruchsvolles Programm mit Werken von Sibelius, Holst, Busoni, Bartók und Hindemith zusammengestellt. „Auch wenn die Komponisten bekannt sind, haben wir Werke ausgewählt, die selten im Konzert gespielt werden und die Musikschüler noch nie gespielt haben“, so der Dirigent, der genau weiß, dass er sich auf zuverlässige Musiker verlassen kann.

Die Besetzung der Orchesters wird je nach der Programmgestaltung angepasst. Für das vierte Konzert des SOL wurden rund 40 Musiker verpflichtet. Sie alle studieren Musik, in einem Luxemburger Konservatorium oder an einer ausländischen Musikhochschule. Kollegen aus der Großregion können gegebenenfalls aushelfen. Die aus Merzig im Saarland stammende Geigerin Pauline Kopp ist begeistert: „Orchesterspielen macht einfach nur Spaß, zudem lerne ich hier ein neues Repertoire und treffe nette Menschen.“

Foto: Pierre Matgé

Das SOL wurde 2014 von Clara Igisch, Pit Brosius und Pit Ewen gegründet. Ziel war es, Studenten zusammenzubringen und ihnen die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren auf höchstem Niveau zu geben. „Das Potenzial an Musikern ist enorm, nur ist es nicht immer einfach, die nötigen Kräfte zu bündeln. Da wir nur während der Schulferien üben können, sind viele Musiker nicht immer verfügbar“, unterstreicht die Geigerin Anne-Catherine Feltgen, zum Teil zuständig für das Zusammenstellen des Orchesters. „Mehr noch als die Diplome, ist für uns eine gewisse Orchestererfahrung wichtig, wenn neue Musiker dazu kommen“, betont der Dirigent.

Unentgeltliches Musizieren

Beim SOL spielt das Geld für die Musiker keine Rolle. „Bei uns werden sie nicht bezahlt. Der Musiker, der mit uns spielt, macht es ausschließlich wegen der Freude an der Musik“.

Eingeladene, oft hochkarätige, Solisten, die mit dem Orchester auftreten, bekommen ebenfalls keine Gage. „Es ist schon überraschen, dass sie alle zusagen“, so der Dirigent. Nach dem Besuch von Alena Baeva oder Nikita Gerkusov, Solo-Bratschist der Münchener Symphoniker, wurde für das Konzert am kommenden Sonntag Sébastien Duguet, erster Klarinettist des Orchestre de Chambre du Luxembourg, eingeladen.

Eine große Herausforderung

Für Pit Brosius stellt die Arbeit mit dem SOL eine große Herausforderung dar. Trotz eines „premier prix de direction“ im hauptstädtischen Konservatorium muss der junge Dirigent stets „bestens vorbereitet“ sein. Als Musikstudent im Fach Fagott in Amsterdam besucht er regelmäßig Orchesterproben im Concertgebouw oder beim Luxemburger OPL und hat an Master-classes von David Reiland mit dem OCL teilgenommen. Sowohl der Dirigent als andere Mitglieder des SOL haben des Weiteren am „Side by Side“-Projekt des Luxemburger Orchesters teilgenommen. „Eine wertvolle Erfahrung“ für Kontrabassist Pit Ewen, der Orchestermanagement studieren will. „Eine gute Gelegenheit, sich selber zu pushen“, für den Perkussionist Sven Hoscheit.

Foto: Pierre Matgé

2016 wollen die Träger des SOL einen gemeinnützigen Verein gründen. „Unsere Statuten stehen. Nur so können wir Subventionen beim Kulturministerium beantragen oder bei den Sponsoren Hilfe bekommen“, so Pit Ewen. Heute muss das Jugendorchester noch ohne finanzielle Hilfe über die Runden kommen. Die Spenden nach den Auftritten reichen knapp aus, um die Kosten zu decken oder um gekaufte oder ausgeliehene Partituren zu bezahlen.

Diese ganze Woche wird täglich bis zu vier Stunden geprobt, am Samstag wird man sich jedoch eine Glühweinpause gönnen. Am Sonntag wollen die Musiker mit dem Publikum ihre Leidenschaft für Harmonie teilen.

Konzert des Summer Orchestra Luxembourg am Sonntag, 27. Dezember, um 17 Uhr in der Eglise St-Michel. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.


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