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Südafrikanischer Rockmusiker Johnny Clegg verstorben
Kultur 7 2 2 Min. 16.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Südafrikanischer Rockmusiker Johnny Clegg verstorben

Johnny Clegg im Jahr 2014.

Südafrikanischer Rockmusiker Johnny Clegg verstorben

Johnny Clegg im Jahr 2014.
AFP
Kultur 7 2 2 Min. 16.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Südafrikanischer Rockmusiker Johnny Clegg verstorben

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Der Singer-Songwriter und ausgesprochene Gegner des Apartheid-Regimes starb am Dienstag im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Der südafrikanische Singer-Songwriter Johnny Clegg ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 66 Jahren. 2015 war bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Cleggs Manager bestätigte erste Medienberichte. "Johnny hat uns gezeigt, was es bedeutet, andere Kulturen zu akzeptieren, ohne seine eigene Identität zu verlieren", heißt es in der Mitteilung weiter. 

Brückenbauer gegen Apartheid

In der Tat ist Cleggs Rolle als interkultureller Brückenbauer im südafrikanischen Apartheidsregime bis 1994 und darüberhinaus nicht hoch genug einzuschätzen. Der gebürtige Brite mit jüdischen und rhodesischen Wurzeln war im Alter von sechs Jahren aus England über Zimbabwe nach Südafrika gekommen. In den Vorstädten von Johannesburg lernte er als Heranwachsender die Halbwelt der Zulu-Wanderarbeiter kennen - ihre Musik, ihre Sprache und ihre Tanzkultur. Dieses Eintauchen in die "schwarze Szene" war nicht ungefährlich - denn Clegg war weiß und in Südafrika herrschte Rassentrennung. Mit 15 saß er deswegen zum ersten Mal hinter Gittern, mit 17 begann er seine erste musikalische Kooperation namens Juluka mit Sipho Mchunu, einem Zulu.   

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Die Band, bestehend aus drei weißen und drei schwarzen Musikern, veröffentlichte 1979 ihr erstes Album "Universal Men". In Südafrika hatten sie offiziell Auftrittsverbot - doch Clegg und Mchunu testeten die Grenzen des Machbaren mit Auftritten in Universitäten, Kirchen oder Privathäusern, unter dem Radar des Regimes. In den mehrsprachigen Songtexten, Englisch und isiZulu, versteckten sich mehr oder weniger codierte politische Botschaften - auch dafür mussten sie regelmäßig ins Gefängnis. Dabei sollte Juluka eigentlich kein politisches Projekt sein, überhaupt hielt Clegg sich auch später nicht für einen politischen Aktivisten. "Ich stehe für Menschenrechte", sagte er 1989 in einem Interview. 

International kam der Erfolg - und die Aufmerksamkeit für die politische Situation: Zwei Platin- und fünf Goldalben, weltweite Tourneen, bis Mchunu aus familiären Gründen 1985 aufhörte. 

Cleggs zweite interkulturelle Band hieß Savuka, zusammen mit dem schwarzen Musiker und Tänzer Dudu Zulu mixte er afrikanische Musik mit europäischen Einflüssen. Und das mit noch größerem Erfolg. Das erste Album "Third World Child" sprengte in diversen europäischen Ländern die Verkaufsrekorde, für "Heat Dust and Dreams" gab es eine Grammy-Nominierung. 1992 geriet Dudu Zulu zwischen die Fronten eines Bandenkrieges und wurde unter ungeklärten Umständen erschossen.

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Ab 1996 war Clegg als Solokünstler erfolreich - und gastierte dabei mehrmals auch in Luxemburg. Das "Luxemburger Wort" notierte zu seinem Auftritt bei "Rock um Knuedler" 2007: "Einen ersten Höhepunkt erreichte die Stimmung beim Auftritt von Johnny Clegg. Mit seinem unverkennbaren Sound zauberte er Afrikas Sonne auf die Bühne des „Rock um Knuedler“ und in die Gemüter des tanzenden Publikums."    


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Im Juli 2015 wurde bei Clegg Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, im Oktober 2018 spielte er auf Mauritius sein letztes Konzert - wohlwissend, dass er die Diagnose nicht überleben würde.

Südafrika trauert

Der südafrikanische Minister für Sport, Kunst und Kultur, Nathi Mthethwa, nannte Clegg auf Twitter einen "Giganten" und einen "Fackelträger unseres Kampfes für die Freiheit". Auf dem offiziellen Twitter-Account der Regierung stand zu lesen: "Er hat tiefe Fußspuren in unseren Herzen hinterlassen."

Die Nelson-Mandela-Stiftung twitterte: "Wir werden weiter für das Land seiner Träume arbeiten." Clegg hatte 1987 mit dem Song "Asimbonanga (Mandela)" einen der bekanntesten Anti-Apartheid-Songs geschrieben, der zur inoffiziellen Hymne der Bewegung von Nelson Mandela wurde. 1999 traten beide gemeinsam auf. 



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