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Studie des Kulturministeriums: Serge Tonnar bekanntester Künstler
Kultur 3 Min. 21.06.2016

Studie des Kulturministeriums: Serge Tonnar bekanntester Künstler

Serge Tonnar verzichtet bei seiner aktuellen Tour auf seine Band.

Studie des Kulturministeriums: Serge Tonnar bekanntester Künstler

Serge Tonnar verzichtet bei seiner aktuellen Tour auf seine Band.
Foto: Joaquim Valente
Kultur 3 Min. 21.06.2016

Studie des Kulturministeriums: Serge Tonnar bekanntester Künstler

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Kurz vor den wichtigen "Assises culturelles" gibt das Kulturministerium die Ergebnisse einer umfassenden Umfrage rund um die Kultur bekannt. Ein Ergebnis: Serge Tonnar steht als bekanntester Künstler an der Spitze.

(dco) - Kurz vor den wichtigen "Assises culturelles" gibt das Kulturministerium die Ergebnisse einer umfassenden TNS-Ilres-Umfrage rund um die Kultur bekannt. Ein Ergebnis: Serge Tonnar steht als zentraler Luxemburger Künstler an der Spitze. Die konkrete Frage: "Welche Namen von Künstlern, Musikern, Schauspielern oder anderen Persönlichkeiten der Kulturszene kommen Ihnen in den Sinn, wenn man von Kultur in Luxemburg spricht?"

Neun Prozent der befragten 1022 Personen gaben Tonnar spontan an. Mit jeweils sieben Prozent der befragten Personen können Musiker Fausti und der offenbar selbst nach seinem Tod immer noch in der Bevölkerung stark rezipierte Thierry van Werveke aufwarten. Erst auf Platz vier folgt Désirée Nosbusch. Enttäuschend: 44 Prozent der Befragten konnten bei der Umfrage im Februar allerdings gar keinen Namen nennen.

Erhoben wurden diese Daten zur Vorbereitung der so genannten "Assises culturelles" -  einem breiten Zusammentreffen der Vertreter der Kulturszene mit der Politik, um nach und nach neue politische Weichenstellungen für die Zukunft zu schaffen. Am kommenden 1. und 2. Juli sollen sich 432 Kulturvertreter im hauptstädtischen Theater um vier Fragen austauschen und erste Schlüsse für die Linien der kommenden Kulturpolitik und einen seit Jahren im Raum stehenden Kulturentwicklungsplan ziehen. Die zu erörternden Fragen lauten:

1. Die Schule - ein Ort der Kulturvermittlung?
2. Künstler - ein Beruf wie jeder andere?
3. Die künstlerische Neuschöpfung fördern - welche Strategie?
4. Ist die Kultur mit dem richtigen Wert in der Luxemburger Gesellschaft verankert?

Bereits zuvor hat es in kleineren Runden Vorbereitungen mit den Vertretern einzelner Kultursparten gegeben. Auch Kulturminister Bettel bezog in einem LW-Interview (wort+) bereits Stellung zu seinen Planungen. Um aber dem Blick außerhalb der Szene Rechnung zu tragen, wurde das Meinungsforschungsunternehmen TNS ILRES beauftragt, die in Luxemburg lebende Bevölkerung und ihr Verhältnis zur Kultur in ihrem Alltagsleben zu befragen. Kulturminister Xavier Bettel betonte bei der Vorstellung der Zahlen: "Es war uns wichtig, herauszufinden, wie die Leute die Kulturszene sehen."

Charles Margue, Research Director bei TNS Ilres, betonte gegenüber den Zahlen für Tonnar: "Wir sehen einen großen Unterschied in den Zahlen, wenn wir nach Namen  oder wenn wir nach bekannten Kulturinstitutionen fragen. Im Anbetracht dessen, dass fast die Hälfte der Bevölkerung nicht Luxemburgisch ist, ergibt sich, dass weit mehr Menschen zum Beispiel das Mudam als kulturellen Ort, als einen Namen nennen können." (Anm der Red. aus den Studiendaten: Mudam 40%, Philharmonie 34 %, Grand Théâtre VdL 20%, Rockhal 13 %)

Großes Angebot, wenig persönlicher Profit

Die Kulturhauptstadtjahre 1995 und 2007 aber hätten definitiv eine Akzeptanz für die breite Kultur geschaffen. "Daraus ergibt es sich auch, dass es als legitim erachtet werden kann, Geld in die Kultur zu stecken. Es gibt kein spürbares Bashing für die Investitionen in die Kultur. Es ist natürlich eine andere Frage, in welche Bereiche man welches Geld investiert", so Margue. Die Kultur sei vereinigender "Vektor", eher, als beispielsweise der Luxemburger Arbeitsmarkt.

Die Befragten gaben an, dass das generelle Angebot sehr groß und gut sei, die Kultur die Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt verbessere sowie, dass die Zugänglichkeit nicht nur Eliten vorbehalten sei. Ebenso gebe es definitiv eine spezielle "Luxemburger Kultur", die sich ohne weiteres mit dem vergleichbaren Angebot im Ausland messen könnte.

Allerdings gaben 43 Prozent der Befragten an, dass sie nicht von den Angeboten persönlich profitieren würden. Und 34 Prozent bemängelten, dass die Schulen nicht genügend für die Kultur sensibilisieren würden.  Zwar wird viel Kulturelles konsumiert (Musikhören –  ob zuhause oder im Konzert–, ins Kino gehen oder eine Ausstellung bzw. ein Museum besuchen),  aber 57 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sich nicht in kulturellen Vereinen zu engagieren oder sonst selbst einer kulturellen Aktivität nachzugehen – wie zum Beispiel ein Instrument zu spielen.

Für die Politik stelle sich nun die Herausforderung in Anbetracht dieses Stimmungsbildes die richtige Balance zwischen einem mehr für Spezialisten interessanten Kulturangebot und einer Breitenkultur zu finden.
Die vier in den "Assises" zur Diskussion stehenden Fragen seien schon ein weiterer Teil der Bemühungen -  zum Beispiel inwieweit die Schulen kulturelle Bildung leisten müssen.

Die kompletten Details der Analyse finden Sie hier:


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