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Studie der Uni Luxemburg: Eine unschätzbare Fundgrube
Laurent Menager und Familie.

Studie der Uni Luxemburg: Eine unschätzbare Fundgrube

Foto: CNA
Laurent Menager und Familie.
Kultur 2 Min. 30.07.2016

Studie der Uni Luxemburg: Eine unschätzbare Fundgrube

Thierry HICK
Thierry HICK
Luxemburg konnte ab 1815 nach dem Wiener Vertrag eine eigene und vielseitige Musikszene entwickeln. 417 Musiker oder Interpreten wurden bis 1950 gezählt. Eine neue musikwissenschaftliche Studie der Uni Luxemburg widmet sich dieser spannenden Zeit.

von Thierry Hick

Luxemburg konnte ab 1815 nach dem Wiener Vertrag eine eigene und vielseitige Musikszene entwickeln. 417 Musiker oder Interpreten wurden bis 1950 gezählt. Eine neue musikwissenschaftliche Studie der Uni Luxemburg widmet sich dieser spannenden Zeit.

Die Musikprofessoren der Uni Luxemburg Damien Sagrillo und Alain Nitschké, und die zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Ursula Anders-Malvetti und Caroline Reuter haben vier Jahre lang auf der Suche nach Luxemburger Musikern in einheimischen Archiven und Privatkollektionen gestöbert und in der Tagespresse nachgeschlagen. Das Resultat ihrer akribischen Recherchen ist beeindruckend.                                                                                  

Edmond de la Fontaine (Dicks) in 
jungen Jahren in Remich.
Edmond de la Fontaine (Dicks) in 
jungen Jahren in Remich.
Foto: LW-Archiv

Geburtsjahrgänge 1773 bis 1914

Die Wissenschaftler haben sich auf die Geburtsjahrgänge 1773 bis 1914 konzentriert. Der umfängliche erste Band des Lexikons rezensiert 417 Musiker oder Interpreten und 6 810 Kompositionen. Für etwa 176 Musiker wurde ein breit angelegter Artikel verfasst. Weitere Musiker, für die keine Daten und Dokumente gesammelt werden konnten, sind in einem Anhang zusammengefasst.

Nachdem bereits Léon Blasen und Guy Wagner in der Vergangenheit erste erfolgreiche Ansätze eines Musikerlexikons veröffentlicht hatten, sticht diese neue Publikation der Uni Luxemburg und der „Luxembourg Society for Music Education“ durch eine strenge wissenschaftliche Methodologie hervor.

Startjahr 1815

Warum das Lexikon mit dem Jahr 1815 starten lassen? Professor Damien Sagrillo hat die Antwort: „1815 entstand durch den Wiener Vertrag das Land Luxemburg und somit auch die Luxemburger Gesellschaft und das Musikleben“. Vom Komponisten Jean-Baptiste Tresch (1773-1821) bis zur Pianistin und Klavierlehrerin Florette Tytgat-Guilmot (1914-?) durchstreift das Lexikon über ein Jahrhundert Luxemburger Musikgeschichte.

Für jeden katalogisierten Komponisten oder Interpreten steht dem Leser eine Fülle von Informationen zur Verfügung. Persönliche Daten, Berufe und Tätigkeitsfelder, Persönlichkeit, Biografie, Rezeption (mit Konzertprogrammen, Zitaten und Rezensionen), Werkverzeichnis oder Repertoire kommen zur Geltung. Da viele Beiträge auch soziale und gesellschaftliche Komponenten von Zeitzeugen beinhalten, ist „beim Lesen eine kritische Distanz zu beachten“, warnt Damien Sagrillo.

Das Grab und Denkmal von Jean-Antoine Zinnen auf dem Liebfrauenfriedhof.
Das Grab und Denkmal von Jean-Antoine Zinnen auf dem Liebfrauenfriedhof.
Foto: LW-Archiv

Das Beispiel Jean-Antoine Zinnen

Ein Beispiel aus dem Fundus des ersten Bandes: Jean-Antoine Zinnen, der Komponist der Nationalhymne „Ons Hémecht“. Der Hornist, Dirigent, Komponist, Musiklehrer, Repetitor, Autor von Musiklehrbüchern „war ein vielseitiger Musiker ... Er wusste Bescheid auf allen Instrumenten ...“ steht im Nachruf geschrieben.

Weiterhin erfährt der Leser, dass Zinnen nicht nur in Luxemburg weilte, sondern auch in Neuerburg und Neuilly-sur-Seine, wo er am 16 Mai 1898 verstarb. Wer weiß noch heute, dass Zinnen neben dem „Feierwôn“ etliche weltliche und geistliche Vokalwerke, Klavierlieder/Melodien, Klavierwerke, Kammermusik, Orchester-, Blasorchester-, Bühnenwerke verfasst hat? Die lange Werkliste zieht sich über fünf Seiten des Lexikons hin. Eine detaillierte Biografie – mit zahlreichen Stationen seines Lebens –, Rezensionen über seine Konzertauftritte vervollständigen diesen Zinnen-Beitrag.

Lou Koster und ihr Ensemble „Onst Lidd“.
Lou Koster und ihr Ensemble „Onst Lidd“.
Foto: LW-Archiv

Ein zweiter Band des Musikerlexikons für die Jahre 1950 bis 2000 (Jahrgänge 1915-1985) ist bereits in Planung. Da dabei zum Teil noch lebende Künstler vorgestellt werden, muss die Arbeitsmethode der Wissenschaftler angepasst werden, so Musikprofessor Alain Nitschké.

Ursula Anders-Malvetti Alain Nitschké Caroline Reuter Damien Sagrillo „Luxemburger Musikerlexikon Komponisten und Interpreten Band I: 1815-1950“ Universität Luxemburg Magraf Publishers 1244 Seiten, 85,60 Euro ISBN: 978-3-8236-1728-0


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