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"Star Wars Episode VIII: The Last Jedi": Der Anfang vom Ende
Kultur 4 Min. 15.12.2017

"Star Wars Episode VIII: The Last Jedi": Der Anfang vom Ende

Rey (Daisy Ridley) sucht und findet Luke Skywalker (Mark Hamill) - jedoch keine Antworten auf ihre Fragen.

"Star Wars Episode VIII: The Last Jedi": Der Anfang vom Ende

Rey (Daisy Ridley) sucht und findet Luke Skywalker (Mark Hamill) - jedoch keine Antworten auf ihre Fragen.
Jonathan Olley/ILM/© 2017 Lucasfilm Ltd.
Kultur 4 Min. 15.12.2017

"Star Wars Episode VIII: The Last Jedi": Der Anfang vom Ende

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
„I only know one truth: It's time for the Jedi ...to end“, verkündete der wiederauferstandene Luke Skywalker im Trailer. Läutet der achte und vorletzte Teil der Sage also wirklich das Ende der Weltraumritter ein?

Von Vesna Andonovic  

„I only know one truth: It's time for the Jedi ...to end“, verkündete der wiederauferstandene Luke Skywalker im Trailer. Läutet der achte und vorletzte Teil der Sage also wirklich das Ende der Weltraumritter ein? Sicher ist eines: Schriftsteller Salman Rushdie ist derzeit der traurigste Star Wars-Fan der Welt.

„Carrie Fisher war eine krasse Prinzessin. Eine knallharte Kinoheldin“, erklärte Rushdie der „Welt am Sonntag“ im Interview. „Carrie spielte Prinzessin Leia als Anführerin. Sie ist keine, die anderen hinterherrennt. Sie ist es, die die Armee der Rebellen anführt.“ Nicht allein ihre Figur, die Schauspielerin selbst, die am 27. Dezember 2016 völlig unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts starb, war der Grund, weshalb er so ein großer Fan der Weltraum-Saga ist – sie sie eine seiner besten Freundinnen gewesen, so Rushdie.

Abschied mit Trostpflastern

In der Episode VIII „Star Wars: The Last Jedi“, heißt es aber nun Abschied nehmen von Leia – und zwar für immer. Einer digitalen Wiederauferstehung dürfte zwar nichts im Wege stehen – den Wundern der modernen CGI-Technik sei dank –, jedoch kommt sie, wie bereits bei Peter Cushing in „Rogue One: A Star Wars Story“, natürlich niemals an das Original heran.

Trostpflaster gibt es trotzdem gleich mehrere – unter anderem ein Wiedersehen mit guten, alten Bekannten: ohne zu spoilern ist der im Trailer gezeigte Luke Skywalker nicht der einzige Jedi, der den Weg zurück auf die große Leinwand findet.

Immerhin fiel auch keine der mit Carrie Fisher für den neuen Film gedrehten Szenen dem Schnitt zum Opfer. So hat der Zuschauer ganze 153 Minuten, um sich auf die Trennung vorzubereiten. Zudem hat Leia, seit der Episode VII „The Force Awakens“ (dem ersten Teil der dritten, und letzten auf dem Original von 1977 fußenden Trilogie), bekanntlich mit Rey, gespielt von Daisy Ridley, eine würdige Nachfolgerin gefunden – was diese spannend weibliche Mischung aus Stärke und Schwäche, aber auch ihr Charisma anbelangt.

Puzzleteile entwickeln
nun eine Dynamik

Nachdem sie, wie Puzzleteile, im vergangenen Teil ein- und zusammengeführt wurden, beginnen die neuen Charaktere sich auf dem Spielbrett der Weltensaga zu positionieren und ihre eigenen Dynamiken zu entwickeln: Waise Ray, die die Macht in sich erwachen spürt; Kyle Reno (Adam Driver), Sohn von Prinzessin Leia und Han Solo und neue Vader-Figur, der hitzköpfige Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) oder noch Finn (John Boyega), der aufständische Stormtrooper.

Diese Neupositionierung gelingt mit der von Disney bekannten Wirksamkeit auch nunmehr da Rey, die sich aufmachte, den Rebellion-Retter Luke Skywalker ausfindig zu machen, ihre Mission erfüllt – und dennoch längst nicht die Antworten findet, die sie sucht.

Dass die neue Trilogie schnell ihren schlüssigen Platz in der Galaxie des Sternenkrieges und den Herzen der Fans gefunden hat, ist nicht nur dem "Einmal Fan, immer Fan"-Phänomen zu verdanken.

Es ist vor allem der Attraktivität des neuen Duos Rey/Kyle Reno sprich den jungen, talentierten und „unverbrauchten“ Schauspielern Daisy Ridley und Adam Driver, sowie einer geglückten Modernisierung des alten Stoffes geschuldet.

Traditionell mit neuem Witz

Nach J. J. Abrams übernimmt nun Rian Johnson das Kommando und stellt sich ganz in den Dienst der Tradition, die er erneut ein stückweit abstaubt. Drehbucherfahren aus seinen vorherigen Filmprojekten zeichnet er sich ebenfalls für die Geschichte von „Star Wars: The Last Jedi“ verantwortlich – und vereint in ihr (als Jahrgang 1973) die eigene, solide Fanbasis mit frischen, vom Zeitgeist geprägten Einflüssen (z. B. einen schrägen, an die Avengers erinnernden Humor.)

Mit 66 kehrt Mark Hamill zu seiner Paraderolle als Luke Skywalker zurück.
Mit 66 kehrt Mark Hamill zu seiner Paraderolle als Luke Skywalker zurück.
Lukas Films Lmt.

Ebenfalls durchaus „in“ ist die weibliche Übernahme diverser Führungspositionen: Die Frauen haben auf der Leinwand immer öfter die Hosen an, auch wenn das Luxemburger Premierenpublikum der ersten Vorführung (um 10 Uhr früh!) noch immer sehr stark männlich geprägt ist. Das erklärt sich wohl durch diese latente Peter-Pan-Syndrom-Färbung der Saga, bei der alle Heldenfiguren stets die größte Schlacht mit den eigenen Eltern ausfechten müssen.

Dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der hellen und dunklen Seite der Macht, versucht Johnson – mit Selbstzweifel und Seitenwechsel der Charaktere – so viele Grauschattierungen wie nur möglich abzugewinnen. Das unterfüttert die Spannung, steht aber gleichzeitig im Gegensatz zur Entwicklung, dass das Jedi-Rittertum mit seinen heiligen Schriften, Tempeln und Priester-Kriegern immer stärker einer Religion ähnelt. Passenderweise wird diese auf dem irischen Skellig Michael, Weltkulturerbe seit 1996, angesiedelt: Auf diese atemberaubende und zugleich unwirklich anmutende Insel zogen sich (richtige) Mönche schon im 7. Jahrhundert zurück.

"Daddy issues" hoch Zwei

Die erzählerische Grundlage des Spannungsbogens bleibt einerseits traditionell (fesselnde Weltraumkämpfe und Effekte), andererseits finden ebenfalls Einflüsse, wie das klassische Western-Duellmotiv, oder eine tiefgründigere psychologische Dimension des Generationskonflikts und der Suche nach dem eigenen Platz. „Daddy issues“ empfinden hier nicht nur (verlassene) Töchter, sondern auch (vernachlässigte) Söhne!

Rey behauptet sich als Hoffnung der Rebellion.
Rey behauptet sich als Hoffnung der Rebellion.
Lucas Films Ltd.

John Williams sorgt als Komponist erneut für geradezu pavlovsche Wirksamkeit der schmissigen Melodien. Ein perfekt orchestrierter, in seiner Aufmachung zwischen Action, Geschichte und Humor ausgewogener Star Wars-Film – der bei (alten) Fans trotzdem eine gewisse Beunruhigung auslösen dürfte, dass hoffentlich nicht irgendwann noch der Esoterik-Feel-Good-Bestsellerautor Paulo Coelho damit beauftragt wird am Drehbuch mitzuwirken.

Und im Dezember 2019 erfahren wir dann das endgültige Ende des Sternenkrieges, wie wir ihn bislang kannten. Star Wars ist tot, lang lebe Star Wars ...


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