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Spieglein, Spieglein an der (Lein)Wand... und eine Überraschungs-Berlinale-Kamera
Kultur 12.02.2013

Spieglein, Spieglein an der (Lein)Wand... und eine Überraschungs-Berlinale-Kamera

Julie Delpy und Ethan Hawke schlüpfen bereits zum dritten Mal in die Rollen von Céline und Jesse.

Spieglein, Spieglein an der (Lein)Wand... und eine Überraschungs-Berlinale-Kamera

Julie Delpy und Ethan Hawke schlüpfen bereits zum dritten Mal in die Rollen von Céline und Jesse.
Foto: Castle Rock Entertainment
Kultur 12.02.2013

Spieglein, Spieglein an der (Lein)Wand... und eine Überraschungs-Berlinale-Kamera

Richard Linklaters „Before Midnight", ein wundervoll unterhaltsamer und heilsamer Spiegel, der einem auf der Leinwand vorgehalten wurde.

(vac) - Der Film setzt Julie Delpy und Ethan Hawke in eine klassische Beziehungskisten-Situation und wartet dann mit einem Wort-Tsunami auf, der den Zuschauer förmlich erschlägt so, dass er das Gefühlt hat, einen französischer Film in englischer Sprache gesehen zu haben. „Much ado about... something“ – um Shakespeare zu bemühen...

So ungefähr fühlt sich dann wohl ein Waschmaschinen-Schleudergang bei 1600 Umdrehungen an, wenn man nach der Vorführung von „Before Midnight“ den Kinosaal verlässt. Denn was der Zuschauer miterlebt, ist die emotionale Berg- und Talfahrt eines Paares, das in einem verbalen Schlagabtausch gipfelt. 108 Minuten hat man über sie – oder genauer gesagt durch sie über sich selbst – geschmunzelt, gelacht und fast ein Tränchen verdrückt.

"Before..." zum Dritten

Nach „...Sunrise“ (1995) und „...Sunset“ (2004), ist „...Midnight“ das dritte Zusammentreffen des Regisseurs mit seinen beiden Figuren, Darstellern und nun auch Drehbuch-Ko-Autoren Julie Delpy (Céline) und Ethan Hawke (Erfolgsautor Jesse) in seiner „Before...“-Reihe. Überaus unterhaltsam – zwar nur dann, wenn man nicht selbst gerade Beziehungsstress hat, und das Ganze aus einer heilsamen Distanz beobachten kann - analysiert der Film wie unterschiedlich und zugleich vorhersehbar die Kommunikation zwischen Geschlechtern abläuft. Visuell gepflegt und zurückhaltend – mit einigen wundervoll langen Sequenzen, bei denen das Publikum als unsichtbarer Dritter kopfüber und vom Regisseur überaus wirkungsvoll orchestriert wieder in das Leben von Céline und Jesse eintaucht – überlässt Linklater es ganz dem sehr ausgewogen Spiel seiner beiden Schauspieler, der Geschichte den notwendigen Auftrieb zu geben. Denn worum es an sich geht, dürften die Meisten im echten Leben so zu genüge haben, um es sich nicht noch im Kino ansehen zu müssen: Beziehungsstress klassischster Faktur, scheinbar harmlose Diskussionen deren kleine Giftpfeile das Fass zum Überlaufen bringen. Und was hier so leicht daher kommt, bezeugt vor allem eines: Das Können, mit dem alle ans Werk gehen.Kein Wunder also, dass der amerikanische Filmregisseur Richard Linklater zudem mit einer Überraschungs-Berlinale-Kamera geehrt.

Ein wundervoll unterhaltsamer und heilsamer Spiegel, der einem auf der Leinwand vorgehalten wurde!

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