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Spanischer Stararchitekt Ricardo Bofill gestorben
Kultur 2 Min. 14.01.2022
Im Alter von 82 Jahren

Spanischer Stararchitekt Ricardo Bofill gestorben

Die Porte de l'Europe hat der katalanische Architekt entworfen, vor allem die beiden Zwillingstürme zu beiden Seiten des Boulevard John F. Kennedy.
Im Alter von 82 Jahren

Spanischer Stararchitekt Ricardo Bofill gestorben

Die Porte de l'Europe hat der katalanische Architekt entworfen, vor allem die beiden Zwillingstürme zu beiden Seiten des Boulevard John F. Kennedy.
Foto: Marc Wilwert
Kultur 2 Min. 14.01.2022
Im Alter von 82 Jahren

Spanischer Stararchitekt Ricardo Bofill gestorben

In Luxemburg hat der Katalane die "Place de l'Europe" und die "Porte de l'Europe" entworfen.

(dpa/AFP/mt) - Der spanische Stararchitekt Ricardo Bofill ist am Freitag im Alter von 82 Jahren  gestorben. Das bestätigte sein Büro in Barcelona auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Katalane Bofill war ein Gegner des rationalistischen und uniformen Baustils. In Barcelona entwarf er unter anderem den Flughafen, das katalanische Nationaltheater und das Barcelona Hotel am Hafen, dessen äußere Form an ein Segel erinnert. Aufsehen erregte er auch mit internationalen Arbeiten wie dem Citadel Center in Chicago sowie mit der Umwandlung einer alten Zementfabrik bei Barcelona in ein einzigartiges Loft und Architekturstudio.

Teile des Kirchbergs tragen seine Handschrift

In Luxemburg hat Riccardo Bofill die „Porte de l'Europe“, bestehend  aus den zwei 70 Meter hohen Zwillingstürmen am Boulevard John F. Kennedy, sowie die Place de l'Europe, auf der sich Philharmonie und Convention Center befinden, entworfen. Die dreieckige Form der Place de l'Europe (die einst ein offener Parkplatz am Fuße des Alcide-De-Gasperi-Turms war), ist umgeben von dunklen, in zurückhaltender Architektur gebauten Gebäuden, das Hauptelement ist dabei die im Zentrum gelegene Philharmonie.

Ricardo Bofill auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2011.
Ricardo Bofill auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2011.
Foto: AFP

„Architektur ist der Sieg des Menschen über das Irrationale“, sagte Bofill und war getrieben von der Besessenheit, eine andere architektonische „Sprache“ zu schaffen, die den Raum um den Menschen herum organisiert.   

Besessen von der Organisation des Raums

Ricardo Bofill Levi wurde am 5. Dezember 1939 in Barcelona als Sohn eines katalanischen Architektenvaters und einer venezianischen Mutter geboren. Er trat 1957 in die Architekturschule der Stadt ein, von der er wegen Anti-Franco-Aktivismus ausgeschlossen wurde, bevor er sein Studium in Genf fortsetzte.

Zurück in seiner Heimatstadt, in einem Spanien, das noch unter der Fuchtel des Diktators Francisco Franco (von 1936 bis 1975) stand, schloss er sich anderen jungen Intellektuellen (Architekten, Ingenieuren, Schriftstellern, Filmemachern, Soziologen und Philosophen) in einer Gruppe an, die er „Göttliche Linke“ nannte und gründete 1963 sein Architekturbüro, das „Ricardo Bofill Taller de Arquitectura“. Diese Werkstatt, die sich in einer alten Zementfabrik am Stadtrand von Barcelona befindet und Niederlassungen in Paris, Montpellier, New York, Tokio, Chicago und Peking hat, hat mehr als tausend Projekte in der ganzen Welt gezeichnet.

Ricardo Bofill, der von der Organisation des Raums besessen war, ließ sich insbesondere von dem italienischen Architekten Andrea Palladio aus der Renaissance oder sogar von den französischen Architekten des 17. und 18. Jahrhunderts, François Mansart und Claude-Nicolas Ledoux, inspirieren. Aber auch von Tuareg-Dörfern, in denen der selbsternannte „Nomade“ zu Beginn seiner Karriere Ideen suchte.