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Sommerserie „Visite d'atelier“: Rafael Springers Zimmer mit Aussicht
Kultur 14 2 Min. 28.07.2014

Sommerserie „Visite d'atelier“: Rafael Springers Zimmer mit Aussicht

Kultur 14 2 Min. 28.07.2014

Sommerserie „Visite d'atelier“: Rafael Springers Zimmer mit Aussicht

Das Wort „Freiheit“ hat sich Rafael Springer nicht nur aufs Banner geschrieben, sondern er lebt es tagtäglich. Das Atelier in den Schläifmillen hat es wahrlich in sich: unter ihm grüne Wälder, über ihm nur das Blaue vom Himmel. Ein Besuch.

Von Vesna Andonovic

Strahlend blauer Himmel, hier und da mit einem flauschig-weißen Wölkchen kontrapunktiert, eine leichte Brise, 32 Grad im Schatten – auch wenn draußen vor der Tür der Sommer definitiv Einzug gehalten hat, läuft in der obersten Etage der ehemaligen Tuchfabrik in der Rue de Godchaux die Heizung auf Hochtouren. „Damit die Bilder schneller trocknen“, erklärt Rafael Springer und zündet sich vor dem offenen Fenster eine Zigarette an.

Das fast schon pittoresk anmutende Vogelgezwitscher wird nur dann und wann vom ohrenbetäubenden Lärm eines Flugzeugs im Landeanflug übertönt. Das muss man der Kulisse der „Schläifmillen“ lassen: Sie hat das gewisse Etwas. Seit 1987 beherbergt das Gebäude im Grünen Künstlerateliers: Rafael Springer ist ganz oben eingezogen. „Den Geruch der Ölfarben rieche ich hier komischerweise überhaupt nicht mehr“, erklärt der Künstler, „aber wenn eines meiner Werke bei jemandem an der Wand hängt, dort umso mehr.“

Karriere jenseits der klassischen Wege

Den klassischen Werdegang des Kunststudiums ist Springer, 1958 in Zürich geboren und seit 1965 in Luxemburg ansässig, nicht gegangen: „Auch wenn ich mir alles selbst beibringen musste, so blieb mir zumindest erspart – wie ,klassische‘ Kunststudenten – zuerst alles, was ich gelernt habe, vergessen zu müssen, um meinen eigenen Weg zu finden.“ Letzteren geht und wünscht sich der Künstler denn auch nicht gradlinig: „Es sind doch die kleinen Abzweigungen, die die Reise spannend machen – auch wenn sie mal in eine Sackgasse führen“, so Springer.

Dass er ein grundlegender Optimist ist, spiegelt sich irgendwie auch in den Farbexplosionen auf der Leinwand. Als Ausgangspunkt nimmt Springer Bilder aus Zeitschriften, spielt mit deren Skala, übermalt sie oder setzt sie zu Kollagen zusammen. „Malen ist wie Sport, man braucht eine Aufwärmphase“, erklärt er. Und wenn er dann mal erst eine Richtung ausgeschöpft hat, hat er keinerlei Trennungsschmerzen, sich Neuem zuzuwenden.

Auch soziale Medien gehörten heutzutage einfach dazu, selbst wenn sie Zeit in Anspruch nähmen, und dies auf Kosten der Malerei gehe, meint der Künstler und fügt hinzu: „Durch sie erreicht man Menschen, die man ansonsten nicht einfach so erreicht.“

Noch bis zum 31. August läuft Rafael Springers Ausstellung „Reductions“ in der Galerie Urbengsschlass in Hesperingen. Geöffnet montags bis freitags von 7.45 bis 11.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr.

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