Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Sexy Beasts“ - außen pfui, innen hui
Kultur 1 2 Min. 01.08.2021
Zapping, die Serienkritik

„Sexy Beasts“ - außen pfui, innen hui

Wer soll Emmas Herzblatt sein? Eine Statue? Ein Affe? Eine Maus?
Zapping, die Serienkritik

„Sexy Beasts“ - außen pfui, innen hui

Wer soll Emmas Herzblatt sein? Eine Statue? Ein Affe? Eine Maus?
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 01.08.2021
Zapping, die Serienkritik

„Sexy Beasts“ - außen pfui, innen hui

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Trotz Fell, großer Nasen und widerlicher Warzen: Ein neues Netflix-Datingformat beweist, dass in Sachen Liebe nicht allein die Optik zählt.

Manche Serienformate sind einfach nicht totzukriegen. Neben Kochshows sind es vor allem Datingformate, die seit Jahrzehnten die Bildschirme füllen. Doch mit den früheren Straßenfegern wie „Herzblatt“ oder MTVs „Next“ haben die TV- und Streaming-Shows der Gegenwart nur wenig gemein: Die Suche nach der großen Liebe ist dem Streben nach digitaler Reichweite gewichen. Datingshows sind das Sprungbrett für eine Karriere als Social-Media-Star, der Zugewinn von Followern ist das eigentliche Ziel.

Netflix versucht schon seit geraumer Zeit, dem allgegenwärtigen Trash ein wenig Qualität entgegenzusetzen. „Love is blind“ – eine Show, die vom echten Blind Date zur Hochzeit führt – ist eines der Formate, das etwas mehr Glanz als der „Bachelor“ (RTL) oder „Love Island“ (RTL2) versprüht. Sauer stößt lediglich die ständig aufkommende Frage nach der passenden Hautfarbe und Herkunft auf, die diesseits des großen Teichs wohl für weniger Probleme sorgen würde. Immerhin: Welche Rolle diese Themen in den USA spielen, wird beim Streamen unweigerlich bewusst.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Monster auf Partnersuche

Weitaus weniger ernst als „Love is blind“ nimmt sich dagegen der jüngste Netflix-Datingspross namens „Sexy Beasts“. Die Idee ist nicht neu: Ein Single lernt drei potenzielle Partnerinnen oder Partner bei einem Drink kennen, zwei dürfen anschließend auf ein echtes Date hoffen. Schlussendlich bleibt ein Paar übrig – der großen Liebe oder einer aufregenden Nacht steht nichts mehr im Wege. Wenig Innovation, könnte man meinen. Aber nein: Hier geht es tatsächlich nicht um das Aussehen, denn lediglich der Körper ist – anders als bei „Naked Attraction“ (RTL2): in verhüllter Form – erkennbar. Das Gesicht versteckt sich, nomen est omen, hinter einer aufwendig gestalteten Tier- oder Monstermaske.


 Der charmante Gentleman-Verbrecher Assane Diop (Omar Sy) ist wieder im Einsatz.
Lupin 2 und der schwere Spannungsbogen
Die Fortsetzung der Erfolgsserie um das Verbrechergenie mit vielen Gesichtern versucht die Spannung des ersten Teils zu halten.

Einen Partner fürs Leben zu finden, ist auch hier nicht das oberste Ziel. Dafür sprechen etwa die gewaltigen Distanzen, die zwischen den Wohnorten der Kandidatinnen und Kandidaten liegen: Los Angeles und London sind nicht die besten Orte für eine funktionierende Fernbeziehung. Spaß steht hier an vorderster Stelle, Hautfarbe und Ethnie sind unwichtig, kommen nicht einmal zur Sprache. Kurzum: Ein venezianischer Maskenball für die Generation Netflix, bei dem nur das gute Gespräch und die Charaktereigenschaften des Gegenübers zählen.

Spannende Demaskierung

Auch wenn hier keine Nobelpreisträger auf Brautschau gehen: Die rund 22 Minuten langen Folgen sind äußerst unterhaltsam, nicht zuletzt auch aufgrund der herausragenden Arbeit der Maskenbildner, die die Kandidatinnen und Kandidaten in echte Monster verwandeln. Die attraktiven Singles sind unter Silikon und Pelz nicht wiederzuerkennen – die vier Demaskierungsmomente sind die wahren Highlights einer jeden Folge.

Die Teufelin aka Emma sucht das große Glück in Folge 1.
Die Teufelin aka Emma sucht das große Glück in Folge 1.
Foto: Netflix

An „Dating around“, die bislang beste und diverseste Dating-Show des Streamingdienstes, kommt „Sexy Beasts“ leider nicht heran: Auch hier trifft ein äußerst sympathischer und attraktiver Single auf drei nicht minder ansehnliche und zugleich liebenswürdige Blind Dates, durchlebt mit jeder beziehungsweise jedem einen Abend. Wer wirklich Gefühle in ihr oder ihm weckt, erfahren die Zuschauer erst am Ende jeder Folge. Zwei US-Staffeln und ein brasilianischer Ableger sind abrufbar. Eine dritte Staffel wird hoffentlich bald folgen.

Die sechs Folgen der ersten Staffel von „Sexy Beasts“ sind auf Netflix abrufbar. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kritik zur Netflixdoku „Sons of Sam“
Die Netflix True-Crime-Doku über „The Sons of Sam“-Morde verliert sich in spekulativem Labyrinth.
Maury Terry lässt eine Mordserie Ende der 1970er- Jahre in New York bis heute nicht los – und wird zum tragischen Helden dieser Dokuserie.