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Serie „Northern Rescue“ verpasst ihre Chance
Taylor (Taylor Thorne), Scout (Spencer Macpherson), John (Billy Baldwin) und Tante Charlie (Kathleen Robertson) versuchen nach einem Schicksalsschlag Normalität zu leben.

Serie „Northern Rescue“ verpasst ihre Chance

Foto: CBC
Taylor (Taylor Thorne), Scout (Spencer Macpherson), John (Billy Baldwin) und Tante Charlie (Kathleen Robertson) versuchen nach einem Schicksalsschlag Normalität zu leben.
Kultur 1 3 Min. 31.03.2019

Serie „Northern Rescue“ verpasst ihre Chance

Die kanadische Seenlandschaft stellt die Kulisse, dahinter drohen Schicksalsschläge und Klischees. Die Serie „Northern Rescue“ krankt ganz offensichtlich am Fehlen eines thematischen Konzepts und scheitert am Bestreben, möglichst vieles unter einen Hut zu bekommen

Von Marcel Kieffer - Kein Neuland, aber doch das viel Potenzial offenbarende Themengebiet der Familiendramen hat Netflix mit der Serie „Northern Rescue“ betreten und sich dabei Zugang zum kanadischen Serienpublikum verschafft. 

Nach zuletzt auch auf Afrika und Asien zugeschnittene Themen und Produktionen geht die Ausbreitung des US-amerikanischen Streaminggiganten weiter, auch wenn zwischen wirtschaftlichem Anspruch und qualitativer Wirklichkeit zuweilen Welten klaffen.

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Die in Kooperation mit der kanadischen CBC und Don Carmody Television produzierte und in die kanadische Seenlandschaft versetzte Serie visiert zudem ein auf besinnlichere Themen ausgerichtetes Publikum, wozu die von Marc Bacci, David Cormican und Dwayne Hill geschriebene Geschichte genau richtig kam. So wie sich hinter jeder Familie eine für den interessierten Zuschauer wenn auch nicht spektakuläre so doch spannende Alltagswelt auftun kann, hat jene der kanadischen Familie West ihre eigene Tragik. 

Schwerer Schicksalsschlag 

Als „eine Version von Familie“ präsentiert sie sich eingangs, und auch mit alldem, was sie in der Folge durchlebt, könnte sie bis zu einem gewissen Grad stellvertretend für viele andere stehen. Das gilt auch für den Tod der Mutter gleich in der ersten Folge, der die Wests – Vater John (William Baldwin) mit seinen beiden Töchtern Maddie (Amalia Williamson) und Taylor (Taylor Thorne) sowie Sohn Scout (Spencer McPherson) – wie einen schweren Schicksalsschlag trifft und mit ungeahnten persönlichen und existenziellen Fragen und Problemen konfrontiert.


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Als der in seiner Vaterrolle überforderte John den Entschluss trifft, mit seinen Kindern in seinen kleinen kanadischen Heimatort zurück zu kehren, wo er als Rettungsoffizier eine neue Arbeit annehmen und zudem bei seiner dort lebenden Schwägerin Charlie (Kathleen Robertson) auf Unterstützung zählen kann, nehmen die Ereignisse ihren Lauf, und es kommt Familiengeschichte in Gang, die bald mit jener einer „normalen“ Version von Familie nur noch sehr wenig zu tun hat.

Familiensoap und barer Kitsch

Nicht nur, dass sie in ein stillgelegtes Delfinaquarium einziehen; neben den Problemen jedes einzelnen Familienmitglieds, mit der neuen Situation und vor allem der schmerzlichen Abwesenheit der Mutter zurechtzukommen, tut sich auch noch ein dunkles Geheimnis auf, das das Bild der verlorenen Familienidylle nachträglich zu erschüttern droht. Die Abkehr von Gunfire- und Thriller-Atmosphäre könnte im Seriengeschäft ein durchaus gangbares Alternativmodell abgeben, doch dann müssen Drehbuch und Casting stimmen.


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Das ist bei „Northern Rescue” allerdings nicht der Fall. Was anfänglich als durchaus willkommene Idee erscheint, familiäre und persönliche Themen in den Mittelpunkt einer sensiblen Dramaserie zu rücken, entpuppt sich bald als ein wohl unterhaltsamer, aber doch zunehmend nervender, jeglichen Tiefgang vermissen lassender Ausflug in die seichte Welt der Trivialitäten.

Klischees und Rollenstereotypen

Die Serie krankt ganz offensichtlich am Fehlen eines thematischen Konzepts und scheitert am Bestreben, möglichst vieles unter einen Hut zu bekommen, was unter dem Begriff „Familie“ auf dem weiten Feld der Klischees und Rollenstereotypen zur freien Verfügung steht: die immer wieder hochkommende Erinnerung an die tote Mutter, die Selbstzweifel der Kinder, die Rettungseinsätze des Vaters (einer pro Folge), die Beziehungsprobleme der Tante, kleine und große Alltagssorgen vom Ladendiebstahl, über Stress auf der Arbeit und in der Schule bis zur Aufregung um Geburtstagsfeiern, Kissenschlachten und Liebeskummer …


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Die Grenze zwischen Familiensoap und barem Kitsch ist fließend, und das Resultat ist letztlich eine ebenso sprunghafte, wie in ihrer Gesamtheit allzu oberflächliche Produktion, die in keinem Moment dem Prädikat „anspruchsvoll“ wirklich gerecht werden kann.

Das ist insofern schade, weil das Thema Familie in dem zu qualitätsbetonten Produktionen fähigen Serienkino durchaus Raum bietet für einen ausgewogenen und tiefgründigen thematischen Ansatz. Mit „Northern Rescue“ allerdings wurde eine gute Chance dazu leider verpasst.
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„Northern Rescue“ ist als zehnteilige Staffel auf Netflix abrufbar.  


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