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Serie "Beat" steigt in Berliner Abgründe herab
Kultur 1 16.12.2018

Serie "Beat" steigt in Berliner Abgründe herab

Jannis Niewöhner, eines der jungen Vorzeigegesichter des deutschen Films, spielt den Techno-„Promoter“ Beat.

Serie "Beat" steigt in Berliner Abgründe herab

Jannis Niewöhner, eines der jungen Vorzeigegesichter des deutschen Films, spielt den Techno-„Promoter“ Beat.
(Foto: Amazon Studios)
Kultur 1 16.12.2018

Serie "Beat" steigt in Berliner Abgründe herab

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Unsere Zapping-Kritik der Woche: Mit der Serie "Beat" taucht Amazon in die Exzesse der Berliner Technoszene und den Organhandel ab. Die Serie von Regisseur und Ideengeber Marco Kreuzpaintner erzählt alles mit vielen Extremen - und einem guten Hauptdarsteller.

Also bei dem Drogenkonsum noch so fit zu sein, wäre in der Realität echt bewundernswert. Vielleicht liegt genau da die Crux von „Beat“. Nicht, dass Jannis Niewöhner diesen Berliner Szeneclub-Mitbegründer, Dauerjunkie und sensiblen Beschützer seines Freundeskreises und Familienersatzes schlecht spielen würde.

Aber wie eines der weiteren am Projekt beteiligten Vorzeigegesichter des deutschen Films und Fernsehens, Christian Berkel, in einem Interview zur aktuellen Amazon-Neuproduktion betont: „,Beat‘ ist schon sehr wuchtig. Es geht um die Techno-Szene, organisiertes Verbrechen, Geheimdienst, internationale kriminelle Verflechtungen. Das knallt schon sehr intensiv aufeinander. [...] Ich würde sagen, wir vermischen ein relativ klassisches Genre, den Spionagefilm, mit dem Porträt einer modernen, aggressiven, sexuell stark aufgeladenen Subkultur – der Technoszene.“ Das trifft es genau.

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Die Serie von Regisseur und Ideengeber Marco Kreuzpaintner erzählt alles mit vielen Extremen – bis hin zum Maß an zur Schau gestellter Brutalität, den Figuren, ihren Lebensstilen, ihren Selbstbegründungen und ihren Handlungen. Wer damit klarkommt, wird durchaus gefesselt und fragt sich, wie es diesem scheinbar naiven Techno-Utopisten und Held wider Willen über sieben Folgen ergeht.

Warum? Die Schauspielleistung ist einfach gut – selbst wenn die Story und manche Situationszeichnung dick aufgetragen daherkommen. Zum groben Inhalt: Auf einmal hängen in dem Technoclub, einem Bunker, zwei Frauenleichen an der Decke. Für den Mitbegründer „Beat“ ein erster Schlag. Als sein Geschäftspartner und Freund Paul den undurchsichtigen Geschäftsmann Vossberg als Investor mit ins Boot nimmt, kommt noch einer dazu.

Fieslinge als Hingucker

Und dann auch noch ein dritter: Die Ermittler, die Vossberg unter anderem wegen seiner Machenschaften mit der Mafia drankriegen wollen, versprechen „Beat“ gegen sein Insiderwissen Informationen zu seiner Familie, die die Waise nie kennengelernt hat. Doch plötzlich verweben sich die Fäden: Vergangenheitsbewältigung trifft auf Menschen- und Organhandel, gestörte Ermittler auf die Mafia, Berliner Großstadt- und ländliche Provinzabgründe.

Ein Hingucker sind die Bösewichte: Andreas Fehling als kühl-berechnender Oberfiesling Vossberg, Kostja Ullmann als Schlager liebender Psycho mit Leichentick und Karl Markovics als Dr. Brandt.
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Sieben Episoden, verfügbar auf Amazon Prime.


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