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Seit 75 Jahren ein Hit: Von wegen „Vom Winde verweht“
Kultur 1 3 Min. 15.12.2014

Seit 75 Jahren ein Hit: Von wegen „Vom Winde verweht“

Kultur 1 3 Min. 15.12.2014

Seit 75 Jahren ein Hit: Von wegen „Vom Winde verweht“

Meistens stellt sich erst hinterher heraus, dass etwas „Kult“ oder „Legende“ ist. Nicht so im November 1939. Da feierte Amerika schon den Film, der bis heute der erfolgreichste der Kinogeschichte ist.

(dpa) - Wenn zur Premiere eines großes Kinofilms ein paar Tausend Leute kommen, ist das viel. Sind es gar Zehntausende, ist das eine Sensation. Bei „Vom Winde verweht“ waren es eine Million. Vor 75 Jahren feierte ganz Atlanta die Geburt eines Films, der - berücksichtigt man die Kaufkraftentwicklung - noch heute der erfolgreichste der Kinogeschichte ist. Und er läuft noch immer im Kino: Wer ihn sehen will, findet in New York oder Los Angeles weiterhin kleine Kinos, die den Film von 1939 zeigen.

In diesem Haus lebte Margaret Mitchell bis zu ihrem Tod 1949 - heute kann es besichtigt werden.
In diesem Haus lebte Margaret Mitchell bis zu ihrem Tod 1949 - heute kann es besichtigt werden.
Foto: Georgia Department of Economic Development

Buch und Film thematisieren den nordamerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865), in dem mehr Amerikaner starben als in allen anderen Kriegen zusammen. Fünfzig Jahre nach Kriegsende sagte in Atlanta ein Teenager-Mädchen: „Ich möchte einmal berühmt sein. Als Redner, Schriftsteller, Künstler, Kämpfer oder Politiker oder so etwas.“ Es klappte. Margaret Mitchell veröffentlichte zeitlebens nur ein Buch, doch damit verdiente sie Millionen Dollar, gewann den Pulitzerpreis und die Herzen ganzer Generationen.

Nach einem Reitunfall schrieb Mitchell den Roman, immer ein Kapitel nach dem anderen - aber von hinten nach vorn. Erst sollte die Heldin Pansy heißen; aber es war offenbar eine gute Idee, sie in Scarlett umzubenennen. Der Film dreht sich um Scarletts Beziehung zu dem charmanten, aber windigen Rhett. Und am Ende des gut tausend Seiten langen Buches und des fast vierstündigen Films bekommen sich beide endlich - doch nicht. Als sie ihm ihre Liebe gesteht, sagt er: „Meine Liebe, es ist mir gleichgültig.“ Immerhin endet der Roman nicht ohne Optimismus: „Morgen ist ein neuer Tag“ lautet der letzte Satz.

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Das 1936 veröffentlichte Buch wurde Mitchell aus den Händen gerissen, und anfangs gab es jeden Monat mehrere Auflagen. Dabei war es mit drei Dollar, nach heutigem Geldwert mehr als 50 Dollar teuer. Der Film war es auch: 3,85 Millionen Dollar kostete er, einschließlich der 50 000 Dollar für Mitchell. Das wäre heute eine Low-Budget-Produktion, damals verschlug es den Leuten den Atem. Allerdings beeindruckte auch die Farbe zum Ende der Ära des Schwarz-Weiß-Films in den 1930er Jahren. Und natürlich begeisterten die betörend elegante Vivien Leigh und der perfekt besetzte Clark Gable.

Für die Oscarverleihung 1940 konnte „Vom Winde verweht“ 13 Nominierungen verbuchen - mit zehn Oscars ging der Film unter Regie von Victor Fleming aus dem Event heraus.

Am 15. Dezember 1939 feierte der Kinofilm "Vom Winde verweht" in Atlanta groß Premiere - er wurde der erfolgreichste Film aller Zeiten.
Am 15. Dezember 1939 feierte der Kinofilm "Vom Winde verweht" in Atlanta groß Premiere - er wurde der erfolgreichste Film aller Zeiten.
Foto: Georgia Department of Economic Development

Georgias Gouverneur hatte den Premierentag damals zum Feiertag erklärt. Der Film lief jahrelang in den Kinos, trotz der anfangs doppelt so teuren Karten wie damals sonst üblich. Und bis heute ist „Gone with the Wind“ der erfolgreichste Film der Kinogeschichte. Seine 400 Millionen Dollar Einspielergebnis wären noch immer der Traum vieler Kinoproduzenten. Zum Vergleich: Der letzte „Star Trek“-Film und auch das Roboter-Spektakel „Pacific Rim“ spielten genau so viel ein - kosteten aber 50 Mal so viel.

Es gab Filme, die mehr einbrachten, Milliarden gar. Heute kostet eine Kinokarte aber 18, damals nur einen viertel Dollar. So liegt „Gone with the Wind“ immer noch weit vor „Avatar“ oder „Titanic“. „Avatar“ mag weltweit 2,7 Milliarden Dollar eingespielt haben. Für „Vom Winde verweht“ hat das Guinness-Buch aber nach heutiger Kaufkraft ziemlich genau das Doppelte berechnet: 5.362.000.000 Dollar.

Von so hohen Zahlen ahnte man bei der Premiere noch nichts, gejubelt wurde trotzdem. Drei Tage lang wurde in Atlanta gefeiert, die glanzvolle Premiere war der Höhepunkt. Praktisch alle Stars waren da. Das heißt, ein paar nicht: Die schwarzen Schauspieler durften wegen der Rassentrennung nicht ins Kino zur Premiere ihres eigenen Films.


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