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Schwarz ist nicht gleich schwarz
Linda Blaise und Joël Rollinger haben jedem Raum 
ein besonderes Ambiente 
geben wollen.

Schwarz ist nicht gleich schwarz

Foto: Chris Karaba
Linda Blaise und Joël Rollinger haben jedem Raum 
ein besonderes Ambiente 
geben wollen.
Kultur 8 2 Min. 14.05.2018

Schwarz ist nicht gleich schwarz

Thierry HICK
Thierry HICK
Dass Joël Rollinger ein Künstler der Farbe ist, weiß man seit seinem „White House“-Projekt in Lorentzweiler. Zwei Jahre später hat der ausgebildete Architekt wieder zugeschlagen.

Dass Joël Rollinger ein Künstler der Farbe ist, weiß man seit seinem „White House“-Projekt in Lorentzweiler. Zwei Jahre später hat der ausgebildete Architekt wieder zugeschlagen.

Autofahrer haben sicherlich die schwarze Fassade in der Route d'Esch schon bemerkt und fragen sich, was sich hinter den geschlossenen Fenstern abspielt. Das Geheimnis um das „Black House“ wird bald gelüftet.

Im imposanten Gebäude wurden einst nicht nur Surfbretter verkauft, ein Fleischhändler mit Räucherkammer und eine Autowerkstatt waren hier zu finden. Heute steht das Haus, mit Zugang in der Rue de la Semois, vor dem Abriss und wird voraussichtlich durch eine Residenz oder Büroräume ersetzt werden. Grund genug für Joël Rollinger, die letzte Gelegenheit noch schnell auszunutzen und die auf vier Stockwerken verteilten Räumlichkeiten ein letztes Mal mit Kunstwerken zu beleben. „Es sollte auf keinen Fall eine Kopie des ,White House‘ sein“, unterstreicht Linda Blaise, Künstlerin und Partnerin von Joël Rollinger, die am Projekt in Lorentzweiler nicht beteiligt war.

  Die Künstler, die wir eingeladen haben, müssen sich mit der Farbe ihres Raumes auseinandersetzen. Linda Blaise und Joël Rollinger

„Ich wollte erneut etwas Besonderes schaffen“, so Rollinger. Drei Monate hat das Paar geräumt, umgebaut, geputzt und angestrichen. „Wir haben schätzungsweise 500 Liter Latexfarbe verarbeitet“, rechnet Rollinger und zählt die gestapelten und leeren Farbeimer, die nun als Sitzgelegenheiten genutzt werden.

Bei Sonnenschein verblendet

Der Keller ist schwarz, in den weiteren Stockwerken wechseln sich die Farben ab. Blau, gelb, violett, rosa, rot, grün... jedes Zimmer hat seine eigene Grundfarbe, die ausgewählten Töne sind meistens grell. Bei Sonnenschein wird der Besucher verblendet. Die Wahrnehmung der Räume wird durch die Farbvielfalt beeinflusst.

Wie in Lorentzweiler beim „White House“ hat Rollinger mit seiner Farbpistole nicht auf einzelne Details achten müssen. Ein Beispiel: Das violette Badezimmer in der Oberetage wurde „von Kopf bis Fuß“ mit Farbe eingekleidet. Zu erkennen sind nur die Formen der Dusche, Mauern, Wasserhähne ... Dieses besondere Ambiente – 35 Räume auf das gesamte Gebäude verteilt – wird in Kürze von einer 50-köpfigen Künstlergruppe in Anspruch genommen. Im „Black House“ wird im Juni die „Colorful Black“-Ausstellung stattfinden.

Keine Vorschriften

Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Video, Graffiti ..., jede Kunstsparte ist willkommen, unterstreicht Linda Blaise. „Wir machen den Künstlern hier keine Vorschriften, ihre Freiheit ist total. Der Grundton des Raumes muss jedoch erkennbar bleiben, der Künstler muss sich mit ihm auseinandersetzen können.“ Mögliche Kandidaten wurden für das „Colorful Black“-Projekt gefragt. Die „Coopérations“-asbl aus Wiltz hat einige Künstler für das Projekt motivieren können. Die Räume wurden nach dem „First come, first served“-Prinzip verteilt. „Unsere Ausstellung soll auch Menschen anlocken, die normalerweise keine Kunstgalerie besuchen“, so Linda Blaise. In Esch/Alzette findet zurzeit die „Lankhelz“-Ausstellung in einer ehemaligen Wirtschaft statt. „Kunst im urbanen Raum kennt seit Jahren eine rasche Entwicklung“, freut sich Joël Rollinger. Am 1. Juni findet im „Black House“ die Vernissage der „Colorful Black“-Ausstellung statt. Die Zeit wird knapp, denn neben der Arbeit der Künstler wird noch die Sicherheitskommission der Stadt Luxemburg die Räumlichkeiten auf Herz und Nieren überprüfen.

„Colorful Black“-Ausstellung vom 1. Juni bis 1. Juli. Donnerstags und freitags, von 16 bis 21 Uhr, samstags und sonntags, von 14 bis 21 Uhr. Der Eingang des „Black House“ liegt auf Nummer 56 der Rue de la Semois. Infos:

www.schwaarzthaus.lu


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