Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Schutzmaßnahmen in der Kulturszene: Betrieb trotz Absagen
Kultur 4 Min. 15.03.2020

Schutzmaßnahmen in der Kulturszene: Betrieb trotz Absagen

Rockhal-Direktor Olivier Toth hatte sich mit seinem Team schon vor Tagen auf mögliche Einschnitte durch Präventionsmaßnahmen gerechnet.

Schutzmaßnahmen in der Kulturszene: Betrieb trotz Absagen

Rockhal-Direktor Olivier Toth hatte sich mit seinem Team schon vor Tagen auf mögliche Einschnitte durch Präventionsmaßnahmen gerechnet.
Foto: Guy Jallay
Kultur 4 Min. 15.03.2020

Schutzmaßnahmen in der Kulturszene: Betrieb trotz Absagen

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Wie Luxemburgs Kulturmanager in den Kulissen auf die Regierungsmaßnahmen reagieren.

Einerseits Support für die Künstler und die Branche, andererseits Schutz der Konzert- und Theaterbesucher: Auf dem Papier sind die Präventions- und Schutzmaßnahmen erst einmal nur eine komplette Absage oder Verschiebung der Daten. Doch hinter den Kulissen bedeutet das großen Aufwand, neue Fragen und Probleme, für die es Lösungen braucht – intern und extern.

Der Kinneksbond und die Sorge um die Künstler

Jérôme Konen, Direktor des regionalen Kulturzentrums Kinneksbond Mamer, macht sich mit seinem Team auch Gedanken um die Künstler, die auch einen Einkommensverlust befürchten müssten. „Wir schauen, dass wir die Termine umplanen können. Wichtig erscheint uns, in aller Flexibilität und mit Solidarität für die Künstler zu reagieren. Das heißt vielleicht auch, in Einzelfällen auch in Vorleistung für Honorare zu gehen, damit die Künstler eine Lebensgrundlage haben, und dann später ihre Auftritte nachholen.“ 

Jérôme Konen spricht sich für Solidarität mit den Künstlern aus.
Jérôme Konen spricht sich für Solidarität mit den Künstlern aus.
Foto: Pierre Matgé

Eine solche Situation, so Konen, sei für den gesamten Sektor eine Herausforderung. „Wir hoffen, dass es da auch vonseiten der Gemeinde und des Kulturministeriums Möglichkeiten geben wird, der Szene finanziell unter die Arme zu greifen.“ 

„Aktuell sind wir ein Stück weit überrumpelt worden. Noch haben wir uns im Netzwerk der regionalen Kulturzentren nicht näher auf eine gemeinsame Strategie verständigen können, aber zum Beispiel die Theaterfederatioun arbeitet an Vorschlägen und Lösungsansätzen, wie wir mit den Problemen, die mit den Konzertabsagen entstehen könnten, umgehen könnten“, so Konen.

Und das eigene Kinneksbond-Team? „Die Proben von den Residenzensembles wie der Harmonie Mamer werden wohl ausfallen“ – und damit wird auch weniger Betrieb im Kinneksbond sein. „Noch geht es allen Mitarbeitern gut, aber mit einem Team von sechs Leuten wäre jeder Ausfall natürlich ein schwerer Einschnitt.“ 

Die Rockhal und die Tourneen

Olivier Toth, Direktor der Rockhal, hatte sich mit seinem Team schon vorbereitet. „Die meisten Termine bei uns sind ja Teile von Tourneen, und seit Tagen zeichnete sich ab, dass es Lösungen brauchen würde. Spätestens, als die Schweiz und Frankreich mit Begrenzungen der Zuschauerzahlen begannen, war klar, dass auch wir uns zumindest darauf einrichten müssten. In aller Offenheit und proaktiv haben wir dann mit unseren Partnern, Agenturen und Künstlern den Dialog gesucht. Wir sitzen ja letztlich in einem Boot“, sagt Toth. 

Rockhal-Direktor Olivier Toth hatte sich mit seinem Team schon vor Tagen auf mögliche Einschnitte durch Präventionsmaßnahmen gerechnet.
Rockhal-Direktor Olivier Toth hatte sich mit seinem Team schon vor Tagen auf mögliche Einschnitte durch Präventionsmaßnahmen gerechnet.
Foto: Guy Jallay

Das Ziel sei erst einmal, es als Durststrecke zu überbrücken und Ersatztermine zu suchen. „Aber es wird auch nicht so einfach werden, in den im Jahr noch verfügbaren Daten die ausgefallenen Konzerte nachzuholen. Neue Tourneen suchen wir jetzt auch erst einmal nicht, sondern kümmern uns ganz um die Nachholtermine. Diese Tage sind einfach sehr intensiv, und innerhalb von 24 Stunden kann sich schon wieder etwas verändern. Und wie dann wirklich der Programmplan aussehen wird, muss sich zeigen. Wichtig war auch, dass die internationalen großen Player des Business sich schon an einem Tisch verständigt haben, und so schon quasi Leitlinien vorgegeben haben.“ 

Kleine Mannschaft in der Philharmonie

In der Philharmonie fährt man die Aktivitäten zurück. „Wir versuchen, in allen Bereichen den Betrieb so zu regeln, dass wir mit möglichst wenig Personal vor Ort auskommen können. Auch wenn wir unser ,Produkt‘ quasi aktuell nicht anbieten können, können wir den Betrieb nicht auf null herunterfahren. Aber Homeoffice und Verschiebungen in den Dienstplänen wie zum Beispiel für die Bühnentechniker und andere Möglichkeiten nutzen wir aus – damit wollen wir möglichst den Betrieb ganz nach den staatlichen Vorgaben zwar aufrechterhalten, aber auch unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Direktor Stephan Gehmacher auf Nachfrage.

Stephan Gehmacher fährt den Betrieb in der Philharmonie herunter.
Stephan Gehmacher fährt den Betrieb in der Philharmonie herunter.
Foto: Pierre Matgé

Aktivposten im Konzerthaus würden definitiv die für das Ticketing und die Rückerstattung zuständigen Mitarbeiter bleiben. „Wenn dann mal eine Bearbeitung etwas dauert, bitten wir um Geduld“, sagt Gehmacher. Das sonst in der Philharmonie probende und spielende Orchestre philharmonique du Luxembourg sei vorerst freigestellt – auch weil durch die Einstellung des Konzertbetriebs quasi überall in Europa Auftritte ja eh nicht mehr möglich seien, so Gehmacher. Eine Lohnfortzahlung gebe es für die fest angestellten Musiker. 

Schwer werde die Arbeit für die Projektmanager, die sich um die Arbeit mit den Künstlern und deren Agenturen kümmern. „Im Prinzip muss jetzt jedes zeitnahe Konzertprojekt abgeklopft werden, wie wir reagieren. In der klassischen Musik, gerade bei Orchestern, wird sehr langfristig geplant. Das heißt, wenn wir jetzt die Konzerte absagen, wird es oft nicht möglich sein, diese nachzuholen. Aber wir versuchen dann, zum Beispiel Anne-Sophie Mutter in einer anderen Konstellation nach Luxemburg zu holen.“ 

Proben in den Hauptstadtbühnen laufen weiter

„Selbst, wenn aktuell oder vielleicht auch später keine Aufführungen mehr stattfinden können, läuft die Probenarbeit schon weiter. Auch um die Künstler zu unterstützen, die in dieser Zeit unter Druck geraten. Auch da werden wir sicher Nachholtermine für die Aufführungen generell finden, auch wenn der Programmkalender schon prall gefüllt ist“, sagt der Direktor der hauptstädtischen Bühnen, Tom Leick-Burns. Die Probleme seien ähnlich wie die der anderen Veranstalter, allerdings ist der logistische Aufwand bei Theaterproduktionen oft größer als bei einfachen Konzerten.

Tom Leick-Burns lässt die Proben weiterlaufen
Tom Leick-Burns lässt die Proben weiterlaufen
Foto: Chris Karaba

„Wir versuchen, die Kette an notwendigen Lösungen intern wie extern komplett zu durchdenken. Es ist ein Rattenschwanz; zum Beispiel auch die Auswirkungen auf die Gastronomie zu überprüfen und dann unsere Partner zu informieren“, so Leick-Burns. Weitestgehend läuft die Arbeit der Verwaltung und Technik im Hintergrund auch ohne den Spielbetrieb weiter: „ Auch wir prüfen natürlich, was zum Beispiel im Bereich Homeoffice möglich ist. Aber es gibt dann auch die Möglichkeit, Arbeiten, die wir sonst verschieben müssen, nachzuholen.“

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.