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Schräge Töne zum Echo-Neustart : "Gigantische Ehre" und ein Schimpansen-Popsong
Kultur 20 1 3 Min. 06.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Schräge Töne zum Echo-Neustart : "Gigantische Ehre" und ein Schimpansen-Popsong

Kultur 20 1 3 Min. 06.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Schräge Töne zum Echo-Neustart : "Gigantische Ehre" und ein Schimpansen-Popsong

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Auf der Bühne bei der Echo-Gala herrscht Freude bei den ersten Preisträgern. Aber auch die elaborierte Kritik von TV-Satiriker Jan Böhmermann bleibt nicht unkommentiert.

(dpa) - Ina Müller, Udo Lindenberg, Andrea Berg und das Hip-Hop-Trio Beginner sind die ersten Gewinner der diesjährigen Echo-Verleihung. Lindenberg („Stärker als die Zeit“) bekam am Donnerstagabend in Berlin ganze 25 Jahre nach seinem ersten Echo den Preis in der Kategorie Künstler Pop national.

„Eine gigantische Ehre“ sei das, sagte der Panikrocker. „Andere Leute gehen in Rente und wir pushen immer weiter.“ Den Preis in der Kategorie „Hip Hop/Urban national“ räumte das Hamburger Trio Beginner ab. Mit vier Nominierungen waren die Rapper die Favoriten des Abends. Andrea Berg bekam den Echo in der Kategorie Schlager. „Ich bin sehr, sehr stolz und sehr, sehr dankbar für diesen Preis“, sagte Berg auf der Bühne. Ina Müller wurde als Künstlerin Pop national geehrt.

Allerdings waren nicht alle restlos glücklich: Nach der Kritik von TV-Satiriker Jan Böhmermann schoss der Toten-Hosen-Sänger Campino auf der Bühne heftig zurück: „Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann“, sagte Campino. Er sprach auch von „Böhmermannschem Zeitgeistgeplapper“.

Böhmermann und fünf Schimpansen

Jan Böhmermann hatte wenige Stunden vor der Gala für schräge Töne gesorgt. In seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ witzelte Böhmermann von der „seelenlosen Kommerzkacke“, die beim Echo gepriesen werde. „Gefühle abklappern, Trost spenden, Tiefe vorgaukeln“, beschreibt das Lästermaul dort die deutsche Popmusik.

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Dann zeigt er ein Musikvideo: „Menschen Leben Tanzen Welt“, heißt der Titel. Den Text haben angeblich fünf Schimpansen aus dem Zoo in Gelsenkirchen aus Schnipseln deutscher Poptexte und Tweets von Prominenten zusammengestellt, der Song und das Video wurden laut Böhmermann mit einfachsten Mitteln innerhalb weniger Stunden produziert. Sein Kalkül, dass die Affen im kommenden Jahr für einen Echo nominiert werden, könnte aufgehen. Nach wenigen Stunden klettert der Böhmermann-Act in die Top 20 der iTunes-Charts, bei den Amazon-Downloads schafft er es an die Spitze.

Bei Campino saß der Stachel offensichtlich besonders tief: Bereits 2014 hatte Böhmermann sich über dessen „Band Aid“-Projekt lustig gemacht.

Für musikalische Unterhaltung war allerdings auch ohne Böhmermanns Anwesenheit gesorgt: Beth Ditto sang ebenso wie Udo Lindenberg gemeinsam mit Wolfgang Niedecken, Johannes Oerding, Henning Wehland und Daniel Wirtz. Sie performten den Song „Einer muss den Job ja machen“. Und auch die Sänger Tim Bendzko, Wincent Weiss und Max Giesinger standen zusammen auf der Bühne.

Im TV nur eine Zusammenfassung

In Abwesenheit geehrt wurden Rapper Drake feat. WizKid & Kyla für den Hit des Jahres („One Dance“) und Andreas Gabalier in der Kategorie Volkstümliche Musik.

Die Sänger Sascha und Xavier Naidoo moderierten die Show in den Berliner Messehallen. Gezeigt wird die Gala allerdings erst am Freitagabend um 20.15 Uhr im Privatsender Vox. Bisher hatte die ARD die Show im Ersten live übertragen, war aber nach mageren Zuschauerquoten ausgestiegen.

Die Zahl der Preiskategorien wurde in diesem Jahr von 31 auf 22 gekürzt, auch die Auswertungsbasis hat sich geändert. Zwar waren für die Nominierung die Verkaufszahlen entscheidend, die Jury bekam bei der Preisvergabe aber mehr Gewicht, ihr Votum floss neben dem kommerziellen Erfolg zu 50 Prozent in das Ergebnis ein. Zu den rund 500 Juroren gehörten Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

Die Preisträger in den einzelnen Kategorien:

  • Album des Jahres: Udo Lindenberg („Stärker als die Zeit“)
  • Hit des Jahres: Drake feat. WizKid & Kyla („One Dance“)
  • Künstler Pop national: Udo Lindenberg („Stärker als die Zeit“
  • Künstlerin Pop national: Ina Müller („Ich bin die“)
  • Band Pop national: AnnenMayKantereit („Alles Nix Konkretes“)
  • Schlager: Andrea Berg („Seelenbeben“)
  • Volkstümliche Musik: Andreas Gabalier („MTV Unplugged“)
  • Hip-Hop/Urban national: Beginner („Advanced Chemistry“)
  • Dance national: Alle Farben („Music Is My Best Friend“)
  • Rock national: Broilers („sic!“)
  • Band international: Metallica („Hardwired... To Self-Destruct“)
  • Künstlerin international: Sia („This Is Acting“)
  • Künstler international: Rag 'n' Bone Man („Human“)
  • Newcomer national: AnnenMayKantereit („Alles Nix Konkretes“)
  • Newcomer international: Rag 'n' Bone Man („Human“)
  • Produzent national: Herbig/Menzel/Seifert für Udo Lindenberg („Stärker als die Zeit“)
  • Bestes Video national: Sophie Lakow/Doz Zschäbitz für Von Wegen Lisbeth („Bitch“)
  • Kritikerpreis national: Beginner („Advanced Chemistry“)
  • Lebenswerk: Marius Müller-Westernhagen

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