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"Schönheit wird die Welt retten"
Bunt und ausgeflippt: Pedro Amaral (l.) und Ivo BAssini (r.) in ihrem Atelier in Luxemburg.

"Schönheit wird die Welt retten"

Chris Karaba
Bunt und ausgeflippt: Pedro Amaral (l.) und Ivo BAssini (r.) in ihrem Atelier in Luxemburg.
Kultur 3 Min. 08.06.2018

"Schönheit wird die Welt retten"

Sarah ROCK
Sarah ROCK
Das Künstlerduo "Borderlovers" folgt der Einladung des „Instituo de Camões" aus Anlass des portugiesischen Nationalfeiertages.

Wir gestalten Kunst für die Straße. Die Menschen sollen hinausgehen, ihr begegnen und sie auf sich wirken lassen“, erklärt das Künstlerduo. Die „Borderlovers“ planen eine Ausstellung, in der sie Porträts portugiesischer und luxemburgischer Künstler aus dem Bereich Kino, Literatur, Musik und Maler zeigen. „Wir wollen eine Verbindung zwischen den zwei Kulturen herstellen, indem wir uns je eine portugiesische und luxemburgische Figur aus der Kunstszene ausgesucht haben. Vor allem in Luxemburg ist diese Arbeit von Bedeutung, weil es eine große portugiesische Gemeinschaft gibt.“

Die Porträts werden quer durch die Hauptstadt verteilt und sollen Tag für Tag und immer um 19 Uhr an den Mauern der Stadt angebracht werden. In der Rue Notre Dame sollen die Gesichter der Schriftstellerinnen Sophia de Mello und Anise Koltz zu sehen sein, während die Porträts der Musiker Sérgio Godinho und Serge Tonnar vor der Nationalbibliothek hängen werden. Plakate mit Maler Almada Negreiros und Joseph Kutter werden am Fischmarkt gezeigt, und die Bilder der Filmregisseure Pedro Costa und Paul Cruchten können die Besucher in der Montée de Clausen begutachten.

Das Porträt von Filmregisseur Paul Cruchten wartet darauf, an die Mauern der Hauptstadt angebracht zu werden.
Das Porträt von Filmregisseur Paul Cruchten wartet darauf, an die Mauern der Hauptstadt angebracht zu werden.
Matic Zorman

„Unsere Plakate werden nachher weiterverarbeitet“, so die Künstler, „ weil die Arbeiten mit Klebeband angebracht werden, sind sie unkompliziert und in zukünftigen Werken als Teile wieder zu verwenden. Unsere Kunst bleibt in Bewegung und verwandelt sich – Work in Progress sozusagen.“

Das Porträt von dem portugiesischen Filmregisseur Pedro Costa.
Das Porträt von dem portugiesischen Filmregisseur Pedro Costa.
Matic Zorman

Lichtgestalt Anise Koltz

Einladungen zu Kunstprojekten sind für das Duo nichts Neues. Amaral und Bassini reisen viel – von Paris nach Luxemburg, dann wieder nach Lissabon. Von Luxemburg zeigen sich beide positiv überrascht: „Vieles wirkt so anders – gerade weil alles so klein ist, strahlt die Stadt eine angenehme Ruhe aus. Außerdem ist das Land eine Heimat für sehr viele verschiedene Kulturen geworden, und alle scheinen sich wohlzufühlen, sonst wären sie nicht geblieben. Ich sehe Luxemburg als Garten, in dem so einiges gedeihen und aufblühen kann.“

Die luxemburgische Dichterin Anise Koltz, porträtiert von Perdo Amaral und Ivo Bassini.
Die luxemburgische Dichterin Anise Koltz, porträtiert von Perdo Amaral und Ivo Bassini.
Matic Zorman

Die Auswahl der von Amaral und Bassini porträtierten Künstler erfolgt nach persönlichen Kriterien und Vorlieben. Das Duo bewundert vor allem die luxemburgische Dichterin Anise Koltz, Gewinnerin des Robert Sabatier Goncourt-Preises für Poesie: „Eine große Dichterin. Ihre Werke haben mich tief berührt. Außerdem hat sie in einem ihrer Texte den Satz von Dostojewski verarbeitet, dem ich absolut zustimme, Schönheit wird die Welt retten. So lautet auch mein Credo und das ist meiner Meinung nach die wahre Mission der Kunst heute – die Welt durch einen ästhetischen Wert zu verbessern. Ich hege große Sympathie für diese Frau.“

„Mir liegt vor allem die Freiheit im künstlerischen Schaffen am Herzen“, so Bassini, „Heute muss man genau trennen zwischen der Kunst an sich und der Industrie. Das Geschäft gibt Preise vor, verhandelt Kunst als Objekt und schränkt die Kreativität ein, weil gewisse Maßstäbe vorgegeben werden, nach denen man arbeiten soll. Das entspricht keineswegs dem eigentlichen Wesen der Kunst.“

Ivo Bassini (l.) und Pedro Amaral (r.) philosophieren über künstlerische Freiheit.
Ivo Bassini (l.) und Pedro Amaral (r.) philosophieren über künstlerische Freiheit.
Chris Karaba


Künstlerische Freiheit

Um die Freiheit des künstlerischen Schaffens zu ermöglichen, engagiert sich Ivo Bassini als Teilhaber der Kunstgalerie Shiki Miki in Lissabon – eine Stadt, die sich der Straßenkunst und der Kunst für die Straße zunehmend öffnet. Bassini erklärt: „Ich wollte einen Raum erschaffen, der fernab der klassischen Museums – und Galerienwelt und des Mainstreams besteht und Künstlern ermöglicht, Experimente zu wagen, ohne ihre Arbeiten nach den Maßstäben eines Kunstmarktes zu richten. Das ist eine Aufgabe, die Kunstschaffende übernehmen sollen.“ Und lachend fügt er hinzu: „Kunst ist wie Calamari essen“, fügt Bassini lachend hinzu, „es geht um das Genießen, deshalb soll man beides nicht im Überfluss konsumieren.“

Auf die Frage, wie sie auf den Namen „Borderlovers“ gestoßen seien, müssen beide schmunzeln. „Das ist genial – hinter diesem Namen versteckt sich eine lustige Geschichte. Ein gemeinsamer Freund ist Psychoanalytiker und sprach während eines Abendessens dauernd vom Borderline-Syndrom. Im Laufe des Abends wurde dann irgendwann „Borderlovers“ daraus und seither nennen wir uns so.“ Ein passender Name für ein buntes Künstlerduo.


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