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Saison 2016-17 im TNL: Ein buntes Frage-und-Antwort-Spiel
Kultur 3 Min. 14.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Saison 2016-17 im TNL: Ein buntes Frage-und-Antwort-Spiel

Mit der Kreation von „Dosenfleisch“ will TNL-Regisseurin Anne Simon Missstände unserer Gesellschaft beobachten.

Saison 2016-17 im TNL: Ein buntes Frage-und-Antwort-Spiel

Mit der Kreation von „Dosenfleisch“ will TNL-Regisseurin Anne Simon Missstände unserer Gesellschaft beobachten.
Foto: TNL
Kultur 3 Min. 14.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Saison 2016-17 im TNL: Ein buntes Frage-und-Antwort-Spiel

Thierry HICK
Thierry HICK
Der Reigen der Saisonpräsentationen unserer Theaterhäuser geht weiter: Frank Hoffmann hat die Menükarte der kommenden Monate seines „Théâtre national du Luxembourg“ vorgestellt.

von Thierry Hick

„Du hast Angst. Angst vor morgen. Du zögerst. Du weiß nicht mehr ein noch aus. Geh nicht ins TNL“. Die Einleitungsworte der Jahresbroschüre von Frank Hoffmann sind bewusst provozierend ausgewählt.

„Wir leben in einer Zeit von großer Angst und Unsicherheit. Die Probleme, die wir heute kenne, sind alltäglich geworden. Sollen wir ein positives Bild unserer Welt vortäuschen? Brauchen wir Kunst? Kann Theater nicht als Gegenpol zur dramatischen Wirklichkeit wirken?“ Der TNL-Intendant greift mit seinem neuen Jahresprogramm viele Themen auf und stellt die dazu passenden Fragen. Antworten soll es in den kommenden Monaten auf der Theaterbühne der Route de Longwy geben.

Die Absurdität des Lebens

Guy Arendt, Staatssekretär für Kultur, wohnte der TNL-Presskonferenz bei und betonte: „Das Theater ist ein Ort, wo die Absurdität des Lebens gezeigt werden kann. Hier kann versucht werden, die Welt zu verbessern. Das TNL stellt die richtigen Fragen und gibt die richtigen Antworten. In einer von Unsicherheit geprägten Epoche sucht das Haus nach neuen Perspektiven.“

Die kommende Saison 2016-17 wird erneut mit verschiedenen Sprachen jonglieren. „Und die Rolle eines Vermittlers zwischen der deutschen und französischen Kultur übernehmen, ganz im Zeichen der Multikulturalität Luxemburgs“, so das Regierungsmitglied.

Eine Neuheit vorweg: ein Theaterstück in portugiesischer Sprache. In „Neva“ beschäftigt sich der chilenische Autor Guillermo Calderón mit dem Aufstand des Volkes in Sankt Petersburg im Jahre 1905. Die Parallelen mit der Lage in Syrien sind nicht zu übersehen, unterstreicht Frank Hoffmann, der mit dieser Premiere einen Schritt zu einer besseren Integration der portugiesischen Gemeinschaft wagt.

Mit "Neva" wird erstmals ein Stück in portugiesischer Sprache vorgestellt.
Mit "Neva" wird erstmals ein Stück in portugiesischer Sprache vorgestellt.
Foto: TNL

Leben und Überleben

Ums Leben oder sogar Überleben geht es in weiteren Produktionen der neuen Saison. Mit der Kreation von „Dosenfleisch“, von Ferdinand Schmalz, will TNL-Regisseurin Anne Simon weitere Missstände unserer Gesellschaft beobachten. Mit dem Beispiel des rezenten und dramatischen Verkehrsunfals in Esch-Raemerich – zwei Jugendliche starben im Kreisverkehr wegen überhöhter Geschwindigkeit – rückt der Kick nach Geschwindigkeit und starken Sensationen in den Mittelpunkt. „Wir leben oft in einer künstlichen Welt“, bedauert Anne Simon.

"Out in Africa" mit Steve Karier.
"Out in Africa" mit Steve Karier.
Foto: TNL

Die Vergangenheit und deren Verständnis stehen ebenfalls auf dem Jahresprogramm.

In seinem Stück „Sechs Personen suchen einen Komponisten“ stellt der Luxemburger Komponist Claude Lenners Personen vor, die von der Wirklichkeit eingefangen sind und mit allen Mitteln versuchen werden, ihre Existenz und ihre Vergangenheit zu verstehen.

In „Codename Ashcan“ belichtet Anne Simon die Einquartierung von überlebenden Nazioffizieren durch die US-Armee nach Bad Mondorf.

Träume und Glaube

Im TNL wird dennoch in den nächsten Wochen geträumt. In dem Musical „E Living an Amerika“ wird einer Existenz voller Grausamkeit ein Traum von einem besseren Leben in Amerika gegenübergestellt.

Was bedeutet Religion? Welche Rolle spielt die Moral? Diese Fragen werden in „Credo. Die Redner“ beantwortet.

Nach Pierre Joris 2015 ist dieses Jahr mit Olivier Garofalo ein junger Künstler „auteur en résidence“. Im TNL hat er seine ersten Erfahrungen sammeln können. Ab 2013-14 ist er Chefdramaturg an der Badischen Landesbühne. „Ein Autor zu sein, war noch nie mein Ziel, obschon ich schon immer geschrieben habe“, verrät Olivier Garofalo. Da seine Einladung ins TNL mit der Präsentation eines Stückes verbunden ist, hat er den großen Schritt gewagt. In „Heimat ist kein Ort“ kommt die Wohnungsnot in Luxemburg ans Tageslicht.

"Heimat ist kein Ort“  von Olivier Garofalo.
"Heimat ist kein Ort“ von Olivier Garofalo.
Foto: TNL

Weitere Termine

Der „Printemps des poètes Luxemburg“ wird im April 2017 sein zehnjähriges Bestehen unter anderem im TNL feiern.

Die Künstler und Workshop-Teilnehmer des „Hariko“-Projekts werden das Stück „The Tempest“ von Shakespeare in mehreren Sprachen neu interpretieren.

Der bekannte französische Schauspieler Pierre Richard wird im Januar mit „Petite éloge de la nuit“ erwartet.

Die anstehende Saison vom „Théâtre national du Luxembourg“ gibt sowohl Luxemburger als ausländischen Autoren, Regisseuren und Schauspielern das Wort. Neben der Sprachvielfalt wird auch die Diversität in den Gestaltungsformen und Programmangeboten gepflegt.

Frank Hoffmann fragt sich in diesen „schwierigen“ Zeiten, ob unsere Gesellschaft Kunst und Theater braucht. Mit der Programmvorstellung sollte die Antwort deutlich lauten: „Geht doch ins TNL“.

www.tnl.lu

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