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Ruhe war für ihn ein Fremdwort - Krzysztof Penderecki ist tot
Kultur 1 3 Min. 29.03.2020

Ruhe war für ihn ein Fremdwort - Krzysztof Penderecki ist tot

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki dirigiert 2011 das chinesische Symphonieorchester.

Ruhe war für ihn ein Fremdwort - Krzysztof Penderecki ist tot

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki dirigiert 2011 das chinesische Symphonieorchester.
Foto: Diego Azubel/EPA/dpa
Kultur 1 3 Min. 29.03.2020

Ruhe war für ihn ein Fremdwort - Krzysztof Penderecki ist tot

Dass er sich Ruhe wünsche, sei wohl ein Scherz, sagte Krzysztof Penderecki vor seinem 85. Geburtstag im November 2018, den er mit einem einwöchigen Musikfestival in Warschau feierte. Nun ist Polens berühmtester Komponist im Alter von 86 Jahren verstorben

(dpa) - Bis ins hohe Alter sprudelten in seinem Kopf die Ideen für Musik. „Ich habe noch Arbeit für die nächsten 20 Jahre“, versicherte der Komponist Krzysztof Penderecki vor gar nicht allzu langer Zeit. 

Doch nun ist Polens prominentester Tondichter der Gegenwart im Alter von 86 Jahren in Krakau (Krakow) gestorben, wie die Agentur PAP am Sonntag, dem 29. März, unter Berufung auf seine Ehefrau meldete.

Der Komponist spricht über sein Leben und Schaffen

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„Ich liebe es, unbekannte Wege zu gehen“, sagte er einmal über seine Arbeitsweise. Seine Musik hatte eine große Bandbreite, einen Favoriten herauszupicken, fiel ihm schwer. 

„Ich muss, nicht besonders bescheiden, zugeben, dass ich alle meine Werke liebe“, sagte er. „Es sind Stücke, die ich akzeptiert habe und die mir nahe sind“. Unwichtige Musik hingegen - die würde er gar nicht erst zu Ende schreiben.

Ich liebe es, unbekannte Wege zu gehen.

Seine Werke widmete er den Opfern des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz, des Atombombenangriffs auf Hiroshima und der Terroranschläge des 11. September 2001. 

Er schrieb für befreundete Star-Musiker, wie die Geigerin Anne-Sophie Mutter, den Violinisten Isaac Stern und den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch. Auch in Filmen von Regisseuren wie Stanley Kubrick und Andrzej Wajda tauchen seine Kompositionen auf. 

Zu internationaler Bekanntheit in der Musikwelt kam der 1933 im südpolnischen Debica geborene Penderecki schon in jungen Jahren: Seine Komposition für die Opfer von Hiroshima aus dem Jahr 1959 wurde mit dem Preis der Weltkulturorganisation Unesco ausgezeichnet und gehört bis heute zu seinen meistgespielten Werken. 

Während er mit seinen frühen Arbeiten als Vertreter der Avantgarde galt, wandte sich Penderecki in späteren Jahren wieder mehr traditionellen Musik- und Klangmustern zu. Einen Schwerpunkt legte er auf Kammermusik und sakrale Musik.

Was kann man sich mehr wünschen? Meine Musik wird in meiner Heimat gespielt und geschätzt.

Lehraufträge und zahlreiche Auszeichnungen

Penderecki lehrte an der Krakauer Musikhochschule, der Folkwangschule in Essen und der Yale-Universität in den USA. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 

Selbst Pendereckis Partituren wurden bereits wie Kunstwerke ausgestellt: Der Musiker machte verschiedene Klänge in verschiedenen Farben kenntlich, dadurch waren die Handschriften ganz bunt.

Sein Landgut in der Nähe von Krakau mit seinem ausgedehnten Park genoss der umtriebige Komponist und Dirigent nur selten, obwohl Bäume neben der Musik als seine große Leidenschaft galten. 

Der ausgebuchte Terminkalender und die vielen Reisen ließen keine Rast zu. Nach dieser sehnte er sich selbst im hohen Alter nicht. 

Dass er sich Ruhe wünsche, sei wohl ein Scherz, sagte Penderecki vor seinem 85. Geburtstag im November 2018, den er mit einem einwöchigen Musikfestival in Warschau feierte.

Dort kamen ihm zu Ehren Weggefährten der internationalen Musikszene zusammen wie die Dirigenten Juri Baschmet und Christoph Eschenbach. Nicht fehlen durfte Anne-Sophie Mutter, mit der Penderecki eine lange und intensive Künstlerfreundschaft verband.

Gebannt lauschte das Publikum in den vornehmsten Konzertsälen Warschaus Pendereckis Musik. „Was kann man sich mehr wünschen?“, sagte der Komponist, der sich vor allem aus einem Grund besonders glücklich schätzte: „Meine Musik wird in meiner Heimat gespielt und geschätzt.“


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