Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Rolling-Stones-Legende Keith Richards wird 75
Kultur 9 3 3 Min. 18.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Rolling-Stones-Legende Keith Richards wird 75

Unverwüstlich: Keith Richards wird tatsächlich 75.

Rolling-Stones-Legende Keith Richards wird 75

Unverwüstlich: Keith Richards wird tatsächlich 75.
AFP
Kultur 9 3 3 Min. 18.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Rolling-Stones-Legende Keith Richards wird 75

Schon in den Anfangstagen haben sie ihm gelegentlich den Verstärker abgedreht. Auch heute mag Keith Richards, Gitarrist der Rolling Stones, nicht jeden Ton perfekt treffen - doch er bleibt die Seele der Band.

(KNA) - Vor zwei Jahren, nachdem zuvor viele berühmte Musiker verstorben waren, kursierte im Internet ein Foto. Es zeigte Keith Richards, breit lächelnd mit einer Zigarre im Mundwinkel, der ein Schild in der Hand hielt. Als Text hatte jemand darauf eingefügt: "I survived 2016" ("Ich habe 2016 überlebt"). Am Dienstag wird der Rolling-Stones-Gitarrist 75 Jahre alt. 

Geboren im südenglischen Dartford, wuchs Richards in einfachen Verhältnissen auf. Die Liebe zur Musik entdeckte er im Knabenchor, mit dem er einmal in Westminster Abbey vor der Queen auftrat. Sein Großvater weckte sein Interesse für das Gitarrenspiel - darüber veröffentlichte der Weltstar vor vier Jahren das charmante Kinderbuch "Gus & ich". Den Nachbarsjungen Mick Jagger verlor Keith nach dessen Umzug aus den Augen, bis sich eine der wohl bekanntesten Anekdoten der Popkultur zutrug. Ein zufälliges Treffen am Bahnhof, Blues-Schallplatten unter Jaggers Arm, ein Wortwechsel - der Rest ist Musikgeschichte. 


TO GO WITH AFP STORY BY JAMES PHEBY
(FILES) A file picture taken in New York on May 10, 2005, shows Rolling Stones members Mick Jagger (L) and Keith Richards. Most London shoppers rush by 165 Oxford Street without a second glance -- but it was here 50 years ago that The Rolling Stones played their first gig and changed the landscape of pop music forever. Mick Jagger, Keith Richards and Brian Jones played The Marquee Club on July 12, 1962 with three others, the first time they performed under the band name which would become synomymous worldwide with excess and muscial flair.   AFP PHOTO / TIMOTHY A. CLARY/FILES
"Wiessel mol d'Scheif": Mit der Museumsbahn zurück nach Dartford
Die Rolling Stones feiern auf "Blue & Lonesome" ihren Gründungsmythos - und den Chicago Blues. Das ist angemessen, kompetent umgesetzt, und legitim ist es auch. Aber brauchen wir diese Platte?

In London lernten beide Brian Jones kennen und gründeten gemeinsam jene Band, die eine der erfolgreichsten aller Zeiten werden sollte. Jones - manche sagen, der talentierteste, andere sagen, nur der exzentrischste der Stones - starb mit 27 Jahren. Das Songwriter-Duo Jagger/Richards sorgt noch über 50 Jahre später für volle Konzertarenen, gemeinsam mit Charlie Watts und Ron Wood. Dabei hätte Richards selbst es wohl kaum für möglich gehalten, dass er so lange auf Erden weilen würde. 1971, da war er 28 Jahre alt, erklärte er, niemand müsse das "biblische Alter" von 70 erreichen. Später sagte er, er hätte nie geglaubt, dass er älter als 50 werden würde, "schon gar nicht mit den Stones". 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Mitverantwortlich für Songs wie "Satisfaction", "Angie" oder "Gimme Shelter", trat der Gitarrist auch immer wieder als Sänger in Erscheinung. Sein erstes Solo auf einem Stones-Album sang er 1969. Wenn er heute auf Konzerten ans Mikrofon tritt, wird der Jubel immer noch ein bisschen lauter. Wer einwendet, er könne doch gar nicht singen, stellt ganz offensichtlich die falsche Frage. Scherze über die Zähigkeit dieses Musikers gibt es wie Sand am Meer. Mindestens genauso sehr lieben ihn seine Fans für die selten gewordene Leichtigkeit, die er ausstrahlt, für seine Fähigkeit, über sich selbst zu schmunzeln, auf entwaffnend jungenhafte Art. 

Zu den wunderbarsten Momenten des ohnehin phänomenalen Stones-Konzerts 2013 im Londoner Hyde Park gehörte der allererste Akkord beim Intro von "Start Me Up", den Richards, nun ja, nicht ganz traf. Der Mann an der Gitarre ist kein Virtuose; er bezeichnet sein Musizieren als eher intuitiv. Er ist so etwas wie die lebende Definition von Rock'n'Roll, aber ohne die schwere, bisweilen bräsige Ernsthaftigkeit, die manche seiner Musikerkollegen im Alter entwickeln. 


360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Er scheint alles mit einem Augenzwinkern zu tun. Wer ihn spielen hört und seine Freude auf der Bühne erlebt, der spürt zugleich seine Liebe zur Musik. Wenn Richards während einer Show in die Knie geht, dann ist das keine Rockstar-Pose, sondern ein regelrechtes Hineinknien in die Musik.   

Sänger Jagger bezeichnen viele als Kopf der Stones. Nicht nur, weil er der Frontmann ist, sondern auch, weil er nach schlechten Erfahrungen in den Anfangsjahren die wirtschaftlichen Zügel in die Hand nahm. Trotz manch öffentlich ausgetragen Hahnenkampfs ergänzen sich die Musiker perfekt: Wenn Mick Jagger der Kopf der Stones ist, ist Keith Richards ihre Seele. 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Wobei er immer wieder für Verzögerungen im Betriebsablauf sorgt. 1998 startete eine Tournee später, weil er von einer Bibliotheksleiter stürzte, 2006 fiel er von einer Palme. Im Folgejahr war er erstmals im Kino zu sehen: als Vater des Piratenkapitäns Jack Sparrow, gespielt von Johnny Depp, der sich nach eigenen Worten vom Stones-Gitarristen für seine Paraderolle inspirieren ließ. Auch jenseits der Bühne scheint Richards das Spiel mit der Legendenbildung Spaß zu machen. Er wolle nicht analysieren, wie er alles überlebt habe, erklärte er einmal. Das Geheimnis sei, nicht zu hinterfragen, warum es laufe - solange es laufe.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Rockgeschichte in Bonneweg: Deep Purple auf dem "Unions-Terrain"
Das Deep-Purple-Konzert am 6. Juni 1971 im Bonneweger “Stade Achille Hammerel” war das erste Rockfestival des Landes überhaupt. Vor dem mutmaßlich letzten Gastspiel der Briten in Luxemburg am Samstag sprechen Zeitzeugen 46 Jahre danach über “das erste Mal”.