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Rocklabsession: Feuchtes Instrumentarium
Kultur 1 3 Min. 18.06.2019

Rocklabsession: Feuchtes Instrumentarium

Brüder im Geiste: Pit Dahm (l.) und Mudaze schätzen das gemeinsame Tüfteln an Klängen.

Rocklabsession: Feuchtes Instrumentarium

Brüder im Geiste: Pit Dahm (l.) und Mudaze schätzen das gemeinsame Tüfteln an Klängen.
Foto: Saskia Becker
Kultur 1 3 Min. 18.06.2019

Rocklabsession: Feuchtes Instrumentarium

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Pit Dahm und Mudaze bringen für ihre Performance „Deep Water“ ein Aquarium zum Klingen.

Ein Aquarium verwandelt sich in ein Instrument; präpariert natürlich mit einigen Hilfsmitteln – Steine werden zum Beispiel unter Wasser aneinandergeschlagen und erzeugen so einen sehr speziellen Sound. „Den würden Menschen – weil sie sich die Ohren unter Wasser verstopfen – so gar nicht hören. Wir arbeiten unter anderem mit einem Hydro-Mikrofon, das die Klänge unter Wasser aufzeichnen kann. Wir jagen sie dann durch die elektronische Klangbearbeitung, spezielle Filter und Effekte. Abgemischt werden sie dann mit vorprogrammiertem Sound und improvisierten Klängen“, erklärt der Perkussionist Pit Dahm zu dem Hingucker des Projekts „Deep Water“, das er sich zusammen mit dem Elektroklangtüftler Mudaze, alias Damiano Picci, ausgedacht hat.

Am 19. Juni feiert die gemeinsame Soundarbeit, die auf diesem ungewöhnlichen Set-up entstanden ist, im Rockhalstudio Premiere. Ursprünglich sei das Projekt um das Thema Wasser für die Escher „Nuit de la Culture“ geplant gewesen. Die fiel allerdings wegen der Staatstrauer um Grand-Duc Jean aus. Doch das bedeutete nicht das Aus für die von der Rockhal gestiftete Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern, die explizit danach ausgewählt wurden, dass sie noch nicht zusammengearbeitet und ganz unterschiedliche Hintergründe haben. 

Monate an Arbeit für eine Stunde Aufführung

„Rocklab Session“ heißt die Reihe, in der Pascal Schumacher, Chook, Napoleon Gold, Maxime Bender, DAS RADIAL, André Mergenthaler, Lisa Berg und Sun Glitters schon als Protagonisten zu Gast waren. Nun trifft eben der Jazzer Dahm auf den Elektronikspezialisten Mudaze, der als eine seiner kreativen Wurzeln den Komponisten Pierre Boulez angibt. 

Was die beiden Luxemburger Künstler bei allen Unterschieden jedoch vereint: die Neugier auf Klangerweiterungen und kreative Weiterentwicklung. Ob sie sich als Soundrevolutionäre fühlen? „Zumindest machen wir etwas, das in Luxemburg so sicher noch niemand versucht hat und was uns wieder neue Wege aufzeigt“, so Mudaze. „Versuchen“ – das bedeutet im Klartext langes musikalisches Experimentieren. Ohne die finanzielle und technische Unterstützung durch das Rocklab, den Förderbereich der Rockhal, wäre die mehrmonatige Tüftlerarbeit für die beiden so kaum machbar.

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„Der Zuhörer wird das in der etwa einstündigen Performance sicher nicht alles hören, was wir über die Zeit zusammengetragen haben“, so Dahm. Was ihnen ungemeinen Spaß macht, ist die scheinbare Unendlichkeit der Möglichkeiten des Klangschichtens, die der Computer erlaubt. „Wenn nachher das Konstrukt zusammenkommt, werden einzelne Elemente davon gar nicht so herausstrahlen. Aber sie tun ihre Wirkung – wenn sie fehlen würden, würde eben der Klang auch nicht so strahlen. Das fasziniert mich“, sagt Dahm. „Es ist wie beim Kochen; wir versuchen, die Zutaten zu finden, die perfekt zueinander passen.“

 „Wir haben dabei irgendwie ganz das Zeitgefühl verloren. Bei den Proben war schnell eine halbe Stunde weg. Wir sind beide ähnlich verrückt; und das macht das Projekt und die Zusammenarbeit so gut. Der Zufall spielt dabei eine Rolle; Dinge, die sich durch das gemeinsame Arbeiten ergeben“, betont Mudaze. Was sich so spielerisch anhört, wird beim Austesten akribisch notiert, Einstellungen des Set-ups, dessen Aufbau rund eineinhalb Stunden benötigt, festgehalten. 

Und Pit Dahm muss seine Spieltechniken an das Set anpassen. „Zum Beispiel musste ich – weil ich sowohl im Wasser als auch am elektronischen Schlagzeug spiele – überlegen, wie ich meine Hände schnell trocken bekomme.“ Um ihre Kreation bühnentauglich zu machen, braucht es noch Arbeit. Picci gestaltet gleichzeitig auch die Lichtshow.

Und die Koordination auf der Bühne? Als Profis braucht es da offenbar kaum Verständigung. „Wir merken, wenn wir den nächsten Teil beginnen. Es gibt ein grobes Gerüst. Aber nach Takten oder Partitur funktioniert das eben nicht. Einige Elemente sind vorprogrammiert – aber viele Sachen bleiben zur Improvisation offen“, sagt Mudaze. Genau das mache auch den Reiz für den Zuhörer aus: sich in den Moment fallen zu lassen. 

Und die Zukunft? Bleibt es nur bei einem Abend? „Das ist einfach geil, das muss einfach weitergehen“, sagt Mudaze. Pit Dahm pflichtet ihm bei: „Wir haben so viel Material aufgenommen und Felder aufgetan, die sich noch breit weiterentwickeln könnten. Das sollte nicht verloren gehen.“

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Die Performance „Deep Water“ von Mudaze und Pit Dahm findet am 19. Juni um 20 Uhr  im Rockhalstudio statt (Eintritt ab 19.30 Uhr). Die Veranstaltung im Rahmen der „Fête de la musique“ ist kostenfrei; um Reservierung wird gebeten: www.rocklab.lu