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Rock'n'Roll in Trauer: Eddie Van Halen ist tot
Kultur 6 6 Min. 06.10.2020

Rock'n'Roll in Trauer: Eddie Van Halen ist tot

Eddie Van Halen (r.) mit dem langjährigen Van-Halen-Sänger David Lee Roth im Jahr 2012.

Rock'n'Roll in Trauer: Eddie Van Halen ist tot

Eddie Van Halen (r.) mit dem langjährigen Van-Halen-Sänger David Lee Roth im Jahr 2012.
Foto: AFP
Kultur 6 6 Min. 06.10.2020

Rock'n'Roll in Trauer: Eddie Van Halen ist tot

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Die US-Rocklegende starb nach einem Krebsleiden im Alter von 65 Jahren. Die Musikszene trauert, denn Eddie Van Halen war ein im besten Sinne stilprägender Musiker. Ein Rückblick auf einen einzigartigen Gitarrenstil.

(mit dpa) - Die Gitarren-Legende Eddie Van Halen ist tot. Der 65-Jährige sei am Dienstag an Krebs gestorben, schrieb sein Sohn Wolfgang auf Twitter. Er bestätigte damit einen Bericht der Promi-Plattform „TMZ“. „Ich kann nicht glauben, dass ich das schreiben muss, aber mein Vater, Edward Lodewijk Van Halen, hat heute Morgen seinen langen und harten Kampf gegen Krebs verloren.“

Die nach Eddie und seinem Bruder Alex benannte Band Van Halen feierte Welterfolge. Van Halen galt als bestbezahlte Liveband und setzte mit ihren gigantischen Shows Standards im aufkommenden „Stadionrock“. Der Song „Jump“ wurde 1984 zum internationalen Chart-Hit und ist bis heute ein Partyklassiker.

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Eddie Van Halen sei der beste Vater gewesen, den er sich hätte wünschen können, schrieb der 29-jährige Wolfgang van Halen, der mittlerweile als Bassist bei Van Halen eingestiegen war. Jeder Moment auf der Bühne mit ihm sei ein Geschenk gewesen. „Mein Herz ist gebrochen und ich glaube nicht, dass ich mich jemals vollständig von diesem Verlust erholen werde.“

Eddie Van Halen selbst hatte in einem seiner seltenen Interviews einmal dem Magazin „Esquire“ gesagt: „Die meisten Menschen wollen nach Hollywood. Sie wollen Stars sein, sie wollen Rockstars sein. Diesen Gedanken hatten wir in der Van-Halen-Familie nie.“


(GERMANY OUT)   Hendrix, Jimi *27.11.1942-18.09.1970+
Gitarrist, Rockmusiker, USA

- waehrend eines Konzertes in Hamburg

- 17.03.1967   (Photo by Peter Timm\ullstein bild via Getty Images)
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Die Brüder wurden im niederländischen Amsterdam geboren und wanderten als Kinder mit ihren Eltern nach Kalifornien aus. Schon früh begannen sie, Gitarre und Schlagzeug zu spielen, erhielten eine klassische Musikausbildung, gewannen Musikwettbewerbe und gründeten schließlich schon zu Schulzeiten die Band Van Halen.

Ihr Debütalbum „Van Halen“ war 1978 gleich ein Kassenschlager, es verkauft sich über 10 Millionen Mal und machte Eddie zum Star. Über die nächsten Jahre hatten die Brüder mit Hits wie „Eruption“, „Runnin' with the Devil“, „Mean Street“, „Jump“ und „Hot For Teacher“ Erfolg. 2007 wurde die Band in die Rock 'n' Roll Hall of Fame aufgenommen. Als letztes ihrer zwölf Studioalben veröffentlichten sie 2012 „A Different Kind of Truth“.  

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Musikalisch blieben sie über Jahrzehnte erfolgreich, privat aber lief es für Eddie Van Halen schwieriger. Von seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Valerie Bertinelli, ließ er sich 2007 scheiden. 2009 heiratete er Janie Liszewski. Immer wieder sprach er offen über seine Alkohol- und Drogensucht. Diese und andere Exzesse hinterließen ihre Spuren: 1999 bekam er eine neue Hüfte, ein Jahr später erkrankte der langjährige Kettenraucher Van Halen an Zungenkrebs. Später kehrte der Krebs, diesmal am Kehlkopf, zurück.  

Tapping und Tremolo - Eddie Van Halens einzigartiger Stil

Das „Rolling Stone Magazine“ setzte ihn auf Platz 8 der besten Gitarristen der Welt, die Leser des Fachblatts „Guitar World“ wählten ihn 2012 in derselben Frage  gleich auf Platz 1, ebenso wie die des einflussreichen „Guitar Player“. Das hat Gründe: Eddie Van Halen revolutionierte mit seiner atemberaubenden Technik die Art und Weise, wie die Rockgitarre gespielt werden konnte - und wie sie daraufhin als Instrument in einem Bandgefüge wahrgenommen wurde. Es ist nicht weit hergeholt, ihn in Sachen Einfluss mit Jimi Hendrix zu vergleichen, der das gleiche bereits rund zehn Jahre vorher getan hatte. 

Er selbst könne gar keine Noten lesen, so Van Halen in einem Interview, schon im Klavierunterricht als Kind habe er sich lieber auf sein Gehör verlassen und improvisiert, wenn er nicht mehr weiter wusste. Trotzdem gewann er bereits als Neunjähriger Klavierwettbewerbe, bevor er nach einem Umweg übers Schlagzeug zur Gitarre wechselte, als Autodidakt beeinflusst von Eric Clapton und Jimmy Page.

Tapping

Mit dem Instrumentalstück „Eruption“ vom ersten Van Halen-Album betrat  Eddie 1978 die große Bühne der Gitarren-Fachpresse.   

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Hier zeigte der 23-Jährige erstmals die „Tapping“-Technik, bei der beide Hände auf dem Gitarrenhals Töne erzeugen (anstatt dass die rechte Hand die Saiten anschlägt und die linke Akkorde oder einzelne Noten greift). Tapping war im Flamenco verbreitet, in der Rockmusik hatte es die Technik bisher zwar schon vereinzelt gegeben, allerdings noch nicht so ausführlich, so spektakulär und so virtuos wie bei Van Halen. 

Das Demo von „Eruption“ stellte die Redakteure des „Guitar Player“ 1977 vor ein Rätsel, sie hielten das Stück in seiner Schnelligkeit und Präzision für nicht spielbar und vermuteten Studiotricks. Eddie Van Halen befeuerte die Spekulationen, indem er sich bei Liveauftritten vom Publikum wegdrehte, wenn er seine prägnanten Soli spielte. Die Neugier und der Ehrgeiz seiner zeitgenössischen Kollegen wie Randy Rhoads (Ozzy Osbourne) oder Steve Vai war geweckt: Wer wissen wollte, wie das ging, musste genau hinhören. Erst 1982 lüftete Van Halen das Geheimnis im „Guitar Player“ Magazine - heute ist schnelles Tapping ein Standard in der härteren Rockmusik.   

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Tremolo

Der Tremolohebel an einer E-Gitarre erlaubt es, Tonhöhen fließend zu modulieren, indem die Spannung aller sechs Saiten mechanisch verringert oder erhöht wird - die Saiten werden länger oder kürzer, der Ton entsprechend tiefer oder höher. Das Problem daran störte schon Jimi Hendrix - die Gitarre verstimmt sich durch heftigen Tremoloeinsatz sehr leicht und muss ständig nachgestimmt werden. 

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Eddie Van Halen fand die Lösung: Er modifizierte seine Gitarre mit einer selbstgebastelten Blockierung vor der Stimmmechanik am Gitarrenkopf - eine Technik, die später von vielen Herstellern kopiert wurde, und die es vor allem dem jungen Gitarristen erlaubte, das Tremolo ausgiebig zu nutzen, ohne danach direkt die Gitarre wechseln oder stimmen zu müssen. Dadurch wurde sein Solostil komplett unberechenbar - er hatte schon vor allen Kollegen ein extrem effizientes  Werkzeug im Repertoire. Zu hören ist das unter anderem auf dem Solo von Michael Jacksons „Beat it“, das Van Halen zwar nicht an einem Stück einspielte, das aber vom Einsatz des Tremolohebels lebt. 

Rhythmus

Eine weitere Parallele zu Jimi Hendrix zeigt sich an der Art, wie fließend Van Halen zwischen Rhythmusarbeit und Solosound, zwei völlig konträren Ansätzen des Gitarrenspiels, hin und her springen kann: Wie Hendrix war er als einzelner Gitarrist in seiner Band für beides verantwortlich - und beherrschte daher auch beides perfekt. Sein technisches Repertoire ermöglichte ihm, alle Lücken nach Bedarf zu füllen, sodass er auf den ersten beiden Alben ohne mehrspurige Gitarrenaufnahmen auskam.     

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Trauer in der ganzen Branche

Branchenkollegen bekundeten ihre Trauer und würdigten Van Halen - kein Zufall, denn Eddie van Halen war im besten Sinne stilprägend für mehr als eine ganze Generation von Gitarristen. „Eddie war nicht nur ein Gitarren-Gott, er war auch eine wirklich gute Seele“, schrieb Rocker Gene Simmons von der Band Kiss auf Twitter. 

John Mayer, selbst ein ausgezeichneter Gitarrist, würdigte ihn auf Instagram als „Superhelden“ an der Gitarre: „Ein wahrer Virtuose. Ein fantastisch guter Musiker und Komponist.“ Als Kind habe er ihn schon bewundert und als Vorbild angesehen. 

Tommy Lee (Mötley Crüe) postete Fotos mit Van Halen auf Instagram und würdigte ihn als Mann, „der das Gitarrespielen für ewig verändert hat“.  

Country-Star Keith Urban lobte ihn als „Meister komplizierter Solos“, mit denen Van Halen viele Zuhörer begeistern konnte, weil er eine „hervorragende Melodie in seinem Herzen“ und Freude beim Spielen hatte. „Er machte Sachen mit der Elektro-Gitarre wie sonst niemand“, sagte Lenny Kravitz laut „People.com“. „Er ist ein Pionier, und seine Musik ist einfach unglaublich“, schrieb Kravitz auf Instagram. 

Auch Branchengrößen wie Aerosmith, Ozzy Osbourne, Nickelback und Duran Duran zollten Tribut.

Er sei sprachlos und ihm zerreiße es das Herz, schrieb Sammy Hagar, der in den 1980er/1990er Jahren Sänger der Band war. David Lee Roth, der sich 1985 von der Band getrennt hatte, aber 2007 zu Van Halen zurückkehrte, postete auf Twitter ein Foto von sich und Eddie und beschrieb die gemeinsame Zeit als „langen, großartigen Trip“.

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What a Long Great Trip It’s Been..

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