Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Reset": der Clash der Jazztalente
Kultur 8 4 Min. 15.01.2019

"Reset": der Clash der Jazztalente

Yule Campiche spielt Jazz-Harfe

"Reset": der Clash der Jazztalente

Yule Campiche spielt Jazz-Harfe
Grafik: Antoine Grimée / Neimënster
Kultur 8 4 Min. 15.01.2019

"Reset": der Clash der Jazztalente

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Das „Reset“-Jazz-Treffen des Kulturzentrums Neimënster geht in seine zweite Ausgabe.

Die junge Luxemburger Jazzsängerin Claire Parsons, sieben weitere außergewöhnliche Talente aus ganz Europa und eine Harfe als Jazzinstrument: Bei der zweiten Auflage des „Reset“-Festivals stehen in Neimënster wieder einige spannende musikalische Neuerfahrungen an. Was als Nische im Kulturangebot Luxemburgs funktioniert, wird fortgesetzt; und fordert aber auch neues Engagement: Das Duo aus der Neimënster-Direktorin Ainoa Achutegui und dem eigens für das Konzept verantwortlichen und zum künstlerischen Leiter erhobenen Musiker Pascal Schumacher setzt einen drauf. Auch wenn es zum Beispiel keine detaillierten Zahlen zu Zuschauern der ersten Auflage gibt, hätten sich das Konzept, die Qualität und der Nachgang 2018 als so tragfähig erwiesen, dass das Jazztreffen „Reset“ 2019 wieder aufgenommen wird, so die Veranstalter.

Vier Jazzerinnen und vier Jazzer, die sich so noch nie künstlerisch begegnet sind und doch schon in der europäischen Szene – ob als Solisten, Arrangeure, Komponisten oder Masterminds von Combos – auf sich aufmerksam machen konnten, sind zu einem Clash der Ideen eingeladen. Der Rahmen: eine Woche Residenz unter den Fittichen der Abtei; erst Kennenlernen, dann Proben und zum Abschluss gemeinsame Auftritte vor Publikum. Das Ziel: die Musiker in ganz neue Bezüge einführen, Brückenschläge über die Grenzen des sonstigen Betätigungsfelds hinweg wagen, neue Ideen austauschen, Netzwerke spinnen. „Doch ist es gar nicht so einfach, eine musikalisch schlüssige, aber auch ungewöhnliche und charakterlich harmonische Mannschaft zusammenzustellen – und das dann noch terminlich aufeinander abzustimmen“, sagt Schumacher.

Von Jazz-Harfen bis Soundtüftlern

Und zudem ist es auch gar nicht so einfach, Jazzerinnen zu finden – denn „Reset“ soll geschlechterparitätisch besetzt sein. Doch ist es dem Vibrafonisten als künstlerischem Leiter über seine Kontakte in die Szene quer durch Europa abermals gelungen, zum Beispiel mit der Schweizer Jazz-Harfenistin Julie Campiche, der französischen Jazz-Bratschistin Séverine Morfin und der Trompeterin Yazz Ahmed aus dem Vereinigten Königreich (mit familiären Wurzeln in Bahrain) künstlerisch spannende Persönlichkeiten und echte Wegbereiterinnen für die Neuauflage des Treffens aufzutun.

Das Damen-Quartett macht Claire Parsons vollständig. Wer als Szene-Insider die Luxemburgerin wirklich noch nicht gehört hat, muss das letzte halbe Jahr verpennt haben. „Shootingstar“ nennt Schumacher sie durchaus zu Recht. Kaum aus dem Studium heraus, hat sich die Sängerin in den Jazzkreisen zwischen Brüssel und Luxemburg mehr als einen guten Namen gemacht.

Hohe Erwartungen

Für sie ist die Einladung in den Kreis der acht eine weitere offene Tür, ihr Netzwerk auszubauen und sich einer noch breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Sie war beim Einstand des Festivals 2018 im Publikum und hat genau auf die damals teilnehmende Sängerin Veronika Harcsa geachtet. „Ich bin ein sehr großer Fan von ihr und das war schon beeindruckend.“ Gleichzeitig baut das Druck auf: „Die Erwartungen sind sehr hoch, aber sie sind für mich eine hohe Motivation, mich beweisen zu können. Ich bin so dankbar, zu diesem Projekt eingeladen zu sein.“

Parsons bereitet sich parallel auf die Aufnahmen ihres ersten Albums vor, das unter anderem bei einem der bekanntesten Produzenten im Großherzogtum, Charles Stoltz, aufgenommen wird. „Ich bin da sehr perfektionistisch und möchte 100-prozentig dahinterstehen stehen können. Noch weiß ich nicht genau, wann es rauskommen soll.“ Klar ist: Unter anderem die Luxemburger Jazzer Pol Belardi, Niels Engel und Jérôme Klein werden sie musikalisch dabei unterstützen. „Es ist toll, dass ich nach meinen Studien wieder mit offenen Armen in Luxemburg empfangen wurde.“ Doch für die Arbeit beim „Reset“-Treffen stehen erst einmal andere Herren als musikalische Wegbegleiter bereit – allesamt auffällig in dem, was sie tun. Sven Helbig? Ein deutscher Sounddesigner mit Leidenschaft für zeitgenössische Musik und Hang zum Komponieren. Diese Leidenschaft teilen auch der belgische Pianist Jef Neve, der mit 14 Jahren schon an seinen ersten Kompositionen tüftelte, und der dänische Kontrabassist Jasper Høiby.

Nicht zu vergessen der österreichische Drummer Alfred Vogel, der quer durch die Stilarten und Genres tauchen kann. Allein diese Mischung verspricht schon ungewohnte Klangbilder und Lust an der musikalischen Initiative.

„Intensive Tage“

Das Kulturzentrum packt bei solch illustren Gästen alles für die Residenz heraus. Wohnen, individuelles Arbeiten, gemeinsames Proben – die Möglichkeiten sind ideal in Neimënster. Dazu gibt es jederzeit Betreuung, und Schumacher als künstlerischer Leiter will nachhaken, wie es um die zusammengerufenen Schäfchen und ihr Aufeinandertreffen bestellt ist – ohne sich „in den Prozess zu sehr einzumischen“.

Das soll sich auszahlen. Schumacher berichtet von den Brückenschlägen nach der ersten Auflage und den Ergebnissen der „intensiven Tage“ 2018. Ein Beispiel: „Pit Dahm, der für Luxemburg im letzten Jahr mit dabei war, hat sich in Berlin mit Jan Brauer, dem deutschen Teilnehmer, noch einmal getroffen und ausgetauscht. Auch unter den anderen Teilnehmern gab und gibt es noch Kontakte und gegenseitige Einladungen. Und das ist genau das, was wir uns erhofft hatten.“

______

Termine

Drei musikalische Abende laden dazu ein, die acht Talente zu entdecken: am Donnerstag, dem 17.1., startet ab 19.30 Uhr eine Tour durch vier Locations der Altstadt, in denen jeweils ein Duo aus dem Reset-Kreis 30 Minuten spielen wird: Julie Campiche/Sven Helbig (Kreuzgang Neimënster), Yazz Ahmed/Jasper Høiby (Vins Fins), Séverine Morfin/Claire Parsons (Mesa Verde), Jef Neve/Alfred Vogel (Café des Artistes); der Eintritt auf der Tour ist frei, ein Platz hängt von der Verfügbarkeit in den Locations ab. Am Freitag, dem 18.1., folgt um 20 Uhr ein gemeinsames Konzert aller „Resetter“ in der Salle Krieps, und schließlich endet das Festival am Samstag, dem 19.1., mit einer Jam-Session in der Brasserie Wenzel ab 20 Uhr.
Abendtickets am 18. und 19.1. gibt es jeweils für 22 Euro bzw. 9 Euro erm. (Festivalpass 30 Euro) unter Tel. 26 20 52-444.

www.neimenster.lu 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Luxemburger Jazztrio in China: "Weg mit den Strukturen"
„Dock in Absolute“ haben die übliche Entwicklung von Luxemburger Musikacts auf dem Kopf gestellt. Mit ihren Auslandsauftritten setzte das Jazz-Trio bereits Ausrufezeichen; noch bevor sie im Großherzogtum überhaupt breiter bemerkt wurden.
Jean-Philippe Koch (Mitte, Klavier), Michel Meis (l., Percussion) und David Kintziger (r., Bass) sind als Trio noch nicht allzu lange unterwegs. Und doch haben sie als „Dock in Absolute“ sich schon einen Namen im Ausland gemacht.