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Releasekonzert von Ernie Hammes: Zeit für die Eigenbilanz
Kultur 3 Min. 29.11.2017

Releasekonzert von Ernie Hammes: Zeit für die Eigenbilanz

Einspielen geht fast überall: Ernie Hammes ist Profi und stimmt sich zur Not auch im Fahrstuhl auf ein Konzert ein.

Releasekonzert von Ernie Hammes: Zeit für die Eigenbilanz

Einspielen geht fast überall: Ernie Hammes ist Profi und stimmt sich zur Not auch im Fahrstuhl auf ein Konzert ein.
Foto: Lex Kleren
Kultur 3 Min. 29.11.2017

Releasekonzert von Ernie Hammes: Zeit für die Eigenbilanz

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Zu gefällig? Trompeter Ernie Hammes schwört aber nun einmal auf schmeichelnde Melodien - auch auf seinem neuem Album "Evolution", das er am 29. November im opderschmelz vorstellt.

Von Daniel Conrad

Zu gefällig? Trompeter Ernie Hammes schwört aber nun einmal auf schmeichelnde Melodien und ganz generell einen einladenden Sound. Doch wer in die Feinheiten seines neuen Albums hineinhört, merkt, dass Hammes hinter der Fassade weit mehr bietet.

Ein neues Label („Endlich eins, bei dem ich mich darauf verlassen kann, dass es seine Arbeit richtig macht“), eine neue Website und natürlich das gute Gefühl, auch als Komponist endlich seine in Musik gegossenen Erfahrungen auch unter eigenem Namen veröffentlichen zu können: Ernie Hammes, den viele aus der Militärmusek kennen, legt in der kommenden Woche seine neue CD vor.

„Es sind meine ganz eigenen Stücke – gespickt mit dem, was ich in den letzten Jahren so alles rund um den Globus aufgeschnappt habe. Schon die Stücktitel weisen auf die Erinnerungen an Reisen hin“, verrät Hammes zu seinen Einflüssen. „Nirgendwo gibt es so leckere Tuna-Melt-Sandwiches wie in New York – und beim Schreiben hab ich mich gerne einen Tag mit einem Tuna Melt auf einer Parkbank in der Metropole erinnert.“ Der Track Nummer sechs des neuen Albums „Evolution“ hat nun diesen ungewöhnlichen Titel.

Foto: Ernie Hammes / Vegas Records

Die ersten Rohaufnahmen, die im April 2017 von Mike Butcher im Düdelinger opderschmelz (dort findet nun auch das Releasekonzert am Mittwoch statt) gemacht wurden, haben beim Luxemburger Tonmeister Marco Battistella in dessen Wiener Studio den letzten Feinschliff erhalten und nun lange genug gereift. „Ich bin froh über diese Bedingungen rund um das Projekt. Nirgendwo anders im Land bekommt man solche Möglichkeiten und ein freundliches Entgegenkommen für den Jazz wie im opderschmelz – und Marco macht beim Mixing einfach einen guten Job“, hält er knapp fest.

Natürlich hat er den Prozess eng begleitet. Ergänzt in Wien wurden die Rohaufnahmen der Streicher, die Hammes in einige seiner neuen Stücke komponiert hat. „Auch beim Releasekonzert werden wir diese Stücke mit Live-Streichern aus den Reihen des Estro Armonico spielen können“, freut er sich schon im Voraus.

Aufbruch nach der Bilanz

Weich klingt das – aber eben nur in einigen Stücken. „Es wird für jeden etwas dabei sein“, umreißt Hammes. Das Album soll abwechslungsreich sein und gefallen – was ihm und seiner Musik dann auch eher Kritik einbringt. Wie geht er damit um, als zu gefällig abgeurteilt zu werden? „Ich stehe dazu. Ich liebe gute Melodien, und ich habe so viele Möglichkeiten zum Beispiel mit den Bläsersätzen, dass ich das eben auch ausnutze. Ich hasse Free Jazz, und bin auch kein Typ für ein Trio. Das, was ich da zeige, macht mich eben aus.“

Apropos Mitmusiker: Auf der CD wie im Konzert vertraut er, der Trompete und Flügelhorn spielt, auf bekannte Namen an seiner Seite. David Ascani übernimmt die Saxofon-Parts, Pierre-Alain Goualch Piano, Boris Schmidt Bass und Niels Engel Schlagzeug. Die Special Guests des Releaseabends – soviel sei schon verraten – sind Greg Lamy (Gitarre) und Wayne Escoffery (Saxofon). Diese Truppe aus engen Wegbegleitern und von ihm geförderten Talenten zeigt schon, wie verankert Hammes in der nationalen Szene ist – auch wenn das nicht immer so hervorscheint.

Im Studio (Bild unten) berät er sich mit dem Tonmeister Marco Battistella (stehend), Bassist Boris Schmidt (Mitte) und Pianist Pierre-Alain Goualch (rechts), um das beste Ergebnis zu erzielen.
Im Studio (Bild unten) berät er sich mit dem Tonmeister Marco Battistella (stehend), Bassist Boris Schmidt (Mitte) und Pianist Pierre-Alain Goualch (rechts), um das beste Ergebnis zu erzielen.
Foto: Steve Eastwood

Fast wirkt es, als sei Hammes daran, sich verstärkt in den Spot der Öffentlichkeit zu rücken. Sollten es Selbstzweifel sein, weil er nicht so stark wie andere im Fokus der letzten Jahre stand und die Jüngeren plötzlich die Fans erobern? Er hat schon vielen auf die Beine geholfen, lange bevor es ein Musik-Exportbüro gab. Wer ihn fragt, bekommt keine direkte Antwort, ob er sich unterbewertet fühlt, aber klar wird, dass er sich mit dem Album deutlicher positionieren will.

Störend ist eher ein Vorwurf sein, er habe ja kaum mehr vorzuweisen – dabei ist kaum ein Jazzer im Land öfter zu Konzerten unterwegs als Hammes; eben aber offenbar nicht oft genug unter seinem Namen.

Natürlich ist und bleibt seine Arbeit als Mitglied der Militärmusek und Bandleader zentral. „Ich habe zum Beispiel der Militärmusek ungemein viel zu verdanken. Ich hätte ohne deren Unterstützung nie nach New York gehen können“, sagt Hammes. Noch heute gehen viele seiner Kontakte und Entwicklungslinien auf diese Studienzeiten zurück. Und die gilt es jetzt zu nutzen.

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Releasekonzert am Mittwoch, dem 29. November um 20 Uhr im Düdelinger opderschmelz, Tickets (20 Euro Abendkasse, 15 Euro VVK) gibt es über Tel. 47 08 95-1 oder unter www.luxembourgticket.lu.


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