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Rätselraten um die Gründe: Mudam-Chef Lunghi zieht sich zurück
Enrico Lunghi ist seit 2009 Direktor des Mudam.

Rätselraten um die Gründe: Mudam-Chef Lunghi zieht sich zurück

Foto: Lex Kleren
Enrico Lunghi ist seit 2009 Direktor des Mudam.
Kultur 04.11.2016

Rätselraten um die Gründe: Mudam-Chef Lunghi zieht sich zurück

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Der Direktor des Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean wird LW-Informationen zufolge seinen Posten räumen. Genaue Hintergründe sind noch nicht bekannt. Das Mudam wollte den Vorgang nicht kommentieren.

(tom/MLR) - Wie Radio 100,7 am Freitagnachmittag als erstes berichtete, hat der Direktor des Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, Enrico Lunghi, demissioniert.

Das Museum kommentierte die Nachricht nicht. Auch Kulturminister Xavier Bettel wollte keine Stellungnahme abgeben. Er habe davon aus den Medien erfahren, so Bettel. Laut LW-Informationen ist Lunghis Entscheidung allerdings bestätigt.

Wie aus dem Museum zu erfahren war, habe Lunghi die Mitarbeiter des Mudam in einer Mail über sein Vorhaben informiert. Genauer wollte sich allerdings vor einer offiziellen Stellungnahme des Museums niemand äußern.

Über die genauen Hintergründe ist demnach offiziell nichts bekannt - auch nicht, ob der Schritt etwas mit der Affäre aus dem September zu tun hat. Lunghi  hatte die RTL-Mitarbeiterin Sophie Schram bei einem Interview vor laufender Kamera verbal und körperlich angegriffen. Schram soll dabei am Arm verletzt worden sein.

Im Nachgang wurde von Kulturminister Bettel ein Disziplinarverfahren gegen den Museumsdirektor eingeleitet. Nachdem er sich erklärt und auch entschuldigt hatte, sprach der Verwaltungsrat des Mudam Lunghi Anfang Oktober das Vertrauen aus.

Persönlich tief getroffen

Eine Verbindung zwischen Lunghis Ankündigung und dem unseligen Vorfall im September liegt allerdings nahe: So hatte der Museumsdirektor am 7. Oktober, einen Tag nach der außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrats in dieser Frage, am Rande einer Pressekonferenz zu einer geplanten Ausstellung im Gespräch mit Pressevertretern keinen Zweifel daran gelassen, dass ihn die Interview-Affäre persönlich sehr tief getroffen habe.

Sowohl Lunghi selbst als auch der Verwaltungsrat des Museums waren am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Einer Kündigung des Direktors müsste zunächst der Verwaltungsrat zustimmen. Unklar ist auch der Zeitraum, in dem Lunghi dass Museum verlassen würde. Zurzeit scheint wahrscheinlich, dass er bis zum Ende des Jahres auf seinem Posten bleiben wird. 

Die folgende Analyse von Gaston Carré erschien am 8. Oktober im Luxemburger Wort: Analyse d'un coming out


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