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Probenbesuch vor der Blues'n Jazz-Rallye: Jazz, richtig guter Jazz
Kultur 3 Min. 23.07.2016

Probenbesuch vor der Blues'n Jazz-Rallye: Jazz, richtig guter Jazz

Was für ein Klang: wenn Gast Waltzing den ersten Schlag setzt, startet das ONJL durch.

Probenbesuch vor der Blues'n Jazz-Rallye: Jazz, richtig guter Jazz

Was für ein Klang: wenn Gast Waltzing den ersten Schlag setzt, startet das ONJL durch.
Foto: Chris Karaba
Kultur 3 Min. 23.07.2016

Probenbesuch vor der Blues'n Jazz-Rallye: Jazz, richtig guter Jazz

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
„YEEEAH!“-der Groove sitzt: Bei der diesjährigen Blues'n Jazz-Rallye steht das Orchestre National de Jazz Luxembourg mit an forderster Front. Vor dem Auftritt auf dem Parvis der Abtei Neumünster haben wir der Big Band einen Probenbesuch abgestattet.

Von Daniel Conrad

„YEEEAH!“- das kollektive Aufseufzen der 15 Musiker nach dem Schlussakkord macht klar: selbst die versiertesten Profis im Orchestre National de Jazz Luxembourg (ONJL) können dem Sound ihrer Truppe nicht widerstehen.

Zeige- und Mittelfinger gespreizt: Gast Waltzing zählt die Takte bis zum nächsten Arrangementteil ein.
Zeige- und Mittelfinger gespreizt: Gast Waltzing zählt die Takte bis zum nächsten Arrangementteil ein.
Foto: Chris Karaba

In dem gedrungenen Studio des hauptstädtischen Konservatoriums bricht an dem heißen Freitagnachmittag der musikalische Sturm los. Die tonale Woge aus Saxofonen, Posaunen, Trompeten und der Rhythmus-Sektion aus Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre überflutet den Raum. Ohrenbetäubend – aber so kraftvoll, dass die Musik ins Mark fährt.

Dirigent Gast Waltzing brauchte scheinbar kurz zuvor nur noch ein paar Ansagen zum Ablauf und ein „One, Two, One, Two Three Four“ einzuzählen. Disziplin gehört – bei aller Lockerheit, die die Jazzer noch kurz vor Probenbeginn ausstrahlten – dann aber dazu: Handschlag und Scherze vorher, Konzentration und Absprachen mit wenigen Zeichen in der Probe.

David Laborier ist nicht nur Manager und Gitarrist des Ensembles, sondern schreibt für das ONJL auch Arrangements.
David Laborier ist nicht nur Manager und Gitarrist des Ensembles, sondern schreibt für das ONJL auch Arrangements.
Chris Karaba

Die Notenmappen hat jeder auf seinem Platz – schon Wochen zuvor verschickte Manager und Gitarrist David Laborier das mögliche Programm, Noten und Anweisungen für den Auftritt bei der Blues'n Jazz-Rallye digital an die Mitmusiker – insbesondere für die Neuen, die Teile der Stückauswahl aus den letzten drei CD-Projekten nicht kennen und sich vorbereiten mussten.

Das große „Wir-Gefühl“

In der Probe geht es eben ums Feintuning, Wellen, Betonungen, Klangausbauten, die die Zuhörer beeindrucken werden. Wer im ONJL spielen will, kann sich kaum einen Durchhänger oder mangelnde Präsenz leisten. Man wird hier eingeladen, um spielen zu dürfen. Nicht nur Musiker aus Luxemburg, sondern auch der Großregion spielen mit. Empfehlungen aus der Jazzszene sind quasi Vorausbedingung.

Wer es schafft, kann sich dem Rückhalt in den Reihen der 15-köpfigen Big Band sicher sein, trifft große internationale Solisten und kommt zu großen Jazz-Festivals. Junge Neueinsteiger dürfen sich behaupten, erfahrene Profis treten für die Gemeinschaft zurück. Das Ergebnis „Happiness is ..“ ist dann nicht nur ein auf dem Programm stehendes Arrangement von Laborier, sondern fast schon Stimmungsbericht.

Schlagzeuger Niels Engel fühlt sich im Team „absolut wohl“. Seit einem Jahr ist er dabei.
Schlagzeuger Niels Engel fühlt sich im Team „absolut wohl“. Seit einem Jahr ist er dabei.
Foto: Chris Karaba

Was als Dirigentenanweisung erst barsch klingt, ist eigentlich ein Vertrauensbeweis: „Muss ich dir's noch schön reden, oder spielst du das Solo?“ – der Altsaxofonist lässt sich die Chance für eine Improvisation nicht entgehen. Wer musikalisch überzeugt, erwirbt sich Respekt – weit über das 2005 gegründete ONJL hinaus. „Dass man sich kennenlernt, neue Verbindungen in Szene bekommt, ist Teil des Ensemblekonzepts“, erklärt Gitarrist Laborier. An Trompeter Antoine Colin sei die weltweit renommierte WDR-Big-Band interessiert, wird hinter den Kulissen gemunkelt.

Sein Bestes geben

Vom noch vergleichsweise neuen Schlagzeuger Niels Engel fordert Waltzing ein „Fill-In“, ein musikalisches Bonbon, das das Arrangements abrundet. Für den Militärmusiker ist das ONJL ein weiteres Schlüsselensemble. „Schon mit meinem ersten Auftritt mit dem ONJL bei einem Festival in Frankreich habe ich gespürt, wie gut die Truppe ist. Das macht einfach Spaß, weil alle an einem Strang ziehen“, schwärmt er und setzt in der Probe alles daran, sein Bestes abzuliefern.

Aber obwohl Engel alles gibt, muss „,Manteca‘sterben“. Das Arrangement zu Dizzy Gillespies berühmtem Klassiker macht sich in der Besetzung nicht gut. Congas fehlen – und auch die Routine. Und selbst Gast Waltzings eigenes Werk „Weird & High“ wird nicht verschont: „Zerstört es“, fordert er, um mehr Platz für die Soli einzubauen.

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Die Blues'n Jazz-Rallye in Kürze

Locations

Die Musikveranstaltung wächst: Statt sich, wie früher, nur über zwei Kilometern in Clausen und Grund zu erstrecken, verlängert sie sich um weitere fünf Kilometer und geht nunmehr bis ins Pfaffenthal. Drei Open-Air-Bühnen werden allein dort installiert und lassen auch die Zahl der Bühnen auf zwölf ansteigen. Der gestern eröffnete Pescatore-Pfaffenthal-Aufzug erleichtert Besuchern zudem aus dem Stadtzentrum dorthin zu gelangen.

Die Programm-Highlights

Grund : Orchestre National de Jazz (19.30 Uhr), Caro José Quartet (21 Uhr), Palo (23 Uhr)
Clausen: Jitz Jeitz Project (20.30 Uhr) Archie Lee Hooker (21 Uhr), Eliana Burki Trio (22 Uhr)
Pfaffenthal: Street Rats (20 Uhr), Saxitude (22 Uhr)

Anfahrt und Parkplätze

Um einen stressfreien Abend zu genießen, sollten Besucher auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Ein Bus- und Shuttleservice ist vorgesehen. Der Konrad-Adenauer-Parkplatz auf Kirchberg (hinter der Coque) wird speziell Besuchern der Blues'n Jazz Rallye zur Verfügung gestellt. Wann ist Schluss? Die letzten Konzerte gehen um 1 Uhr zu Ende, doch Abfeiern ist in den Bars, Restaurants und Nightclubs noch bis 3 Uhr morgens möglich. (ACa)

www.lcto.lu

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