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Der Wegbereiter
Kultur 4 Min. 23.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Prix Batty Weber 2017

Der Wegbereiter

Hausemer erhielt den Preis von Staatssekretär Guy Arendt überreicht.
Prix Batty Weber 2017

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Hausemer erhielt den Preis von Staatssekretär Guy Arendt überreicht.
Lex Kleren
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Prix Batty Weber 2017

Der Wegbereiter

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Überrascht hat es ihn dann doch: Georges Hausemer erhielt am Montag den „Prix Batty Weber“ – und damit eine der wichtigsten Kulturauszeichnungen des Landes, die nur alle drei Jahre vergeben wird.

Von Daniel Conrad

Überrascht hat es ihn dann doch: Georges Hausemer erhielt am Montag den „Prix Batty Weber“ – und damit eine der wichtigsten Kulturauszeichnungen des Landes, die nur alle drei Jahre vergeben wird. Der Autor mit 40 Jahren Erfahrung in der Szene musste erst den Schock verdauen. Es war Montagabend der 8. Mai 2017: „Als ich es am Abend noch direkt vom Jurypräsidenten Claude D. Conter erfuhr, lag ich erst einmal noch eine halbe Nacht wach“, gibt Georges Hausemer zu. Die Information, „das Verdikt der Jury“, über ihn und sein Werk habe ihn schon beschäftigt. Was würde er sagen, weshalb er den Prix Batty Weber wohl verdient habe?

Zumal noch am Dienstagabend darauf die gemeinsame Lesung mit dem deutschen Autor David Wagner im „Centre national de littérature“ (CNL) in Mersch anstand – ausgerechnet zum Thema „Krankheit und ihre Verarbeitung in der Literatur“, was ihn im letzten Jahr stark beschäftigt hatte. In der Öffentlichkeit würde er also doppelt Stellung beziehen müssen. Aber dann überwog doch die Freude – insbesondere darüber, „dass offenbar nicht alles vergebens war“.

Am heutigen Abend ist es soweit: Um 19.30 Uhr beginnt –  fast ein halbes Jahr später – die Verleihungszeremonie im Merscher Centre National de littérature;  Jean-Marc Lantz wird die Laudatio halten.

Was macht Hausemer aus?

Lex Kleren

Wie kaum ein anderer steht Georges Hausemer neben seiner Autorenkarriere für drei Dinge: den kulturellen Brückenbau ins Ausland, als Mittler zwischen den nationalen Autoren und als Triebfeder hinter Institutionen und literarischen Foren wie dem Schriftstellerverband oder dem eigenen Verlag – das hebt auch die Begründung der Jury ausführlich hervor.

Die Quintessenz: Er war und ist ein Wegbereiter. Auch wenn einige seiner Initiativen heute nicht mehr bestehen, so seien sie doch entscheidende Wegmarken für die Luxemburger Literaturszene gewesen – so schwingt es zwischen den Zeilen der Begründung mit. „Wir Initiatoren haben wohl das Feld bereitet, dass heute die Jüngeren unter ganz veränderten Rahmenbedingungen bestellen müssen“, sagt er und formuliert damit fast einen Auftrag.

Doch ist es richtig, den 60-Jährigen so technisch als Funktionär zu schildern? Wer auch nur einen Teil seiner Arbeiten gelesen hat, weiß, wie sehr Hausemer selbst von den Menschen zehrt, die ihn beschäftigen – und die er in den Reisereportagen und Romanen so beeindruckend vielschichtig und sprachmächtig zu schildern vermag.

"Das literarische Konzept des ,Transits‘ "

Natürlich urteilt er selbst; nicht nur über die Gegenden, die er bereist; er äußert sich auch im selbstironischen Ton als Luxemburger über Luxemburg. Dabei ist er aber kein polemischer Nestbeschmutzer. CNL-Direktor Claude D. Conter bemerkt zur Frage um diese Seite des Schriftstellers: „Für Hausemer ist das literarische Konzept des ,Transits‘ entscheidend. Und so wie er andere Länder bereist, bereist er eben auch Luxemburg. Die selbstironische und ironisierende Art und Weise, in der er das tut, ist aber niemals bösartig.“ Vielleicht drückt sich darin, die besondere Wertschätzung für dieses Land aus, aus dem – und dessen Literaturbetrieb – er sich in den letzten Jahren eher zurückgezogen hat. Heute lebt er in der Eifel oder im spanischen San Sébastian; und habe aus der „gesunden Distanz“ wieder Neues zu Luxemburg gewonnen.

Und was will er noch sagen; zu diesem Preis? „Ich brauche vielleicht noch einen Moment“, sagt er; der nächste Aufenthalt in San Sébastian ist schon geplant. Ruhe braucht es offenbar, wenn selbst die deutsche Nachrichtenagentur DPA über die Auszeichnung seiner Person berichtet.

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Die Begründung der Jury

(C./vac) - Die Jury, bestehend aus Franck Colotte, Frank Feitler, Jeanne E. Glesener, Jean-Claude Henkes, Nathalie Jacoby, Elise Schmit und unter der Präsidentschaft von Claude D. Conter, Direktor des CNL in Mersch, begründete die Vergabe des Batty-Weber-Preises 2017 (dotiert mit 10 000 Euro) an Georges Hausemer wie folgt:

„Der Prix Batty Weber geht in diesem Jahr an Georges Hausemer für sein langjähriges, exemplarisches Engagement im Luxemburger Literaturbetrieb. Seit der Gründung des Luxemburger Schriftstellerverbandes setzt er sich erfolgreich für die gesellschaftliche Anerkennung und die Professionalisierung der schriftstellerischen Tätigkeit im Großherzogtum ein. Als Herausgeber von Anthologien seit den 1980er-Jahren, von den Editions Guy Binsfeld bis hin zu den Walfer Anthologien, als Mitbegründer des Verlages capybarabooks sowie als Organisator von literarischen Veranstaltungen hat er der luxemburgischen Literatur im In- und Ausland zu mehr Aufmerksamkeit verholfen. Darüber hinaus hat sich Georges Hausemer als Reiseschriftsteller, u. a. in renommierten ausländischen Zeitungen, einen Namen gemacht. Dabei haben sich seine anfangs stärker dokumentarischen Reiseberichte zu fiktionalen Miniaturen entwickelt, in denen eine Poetik des Schauens und des Augenblicks die Subjektivität des Betrachters in den Mittelpunkt stellt. Immer wieder überrascht er mit einem unerwarteten Blick auf fremde Welten, die stets in ihrer Alterität weiterbestehen. Zudem hat Georges Hausemer Werke aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, der Science-Fiction und anderer literarischer Genres ins Deutsche und Luxemburgische übersetzt. Hervorzuheben sind vor allem seine Übertragungen von Emmanuel Bove, Felicitas Hoppe und Roger Manderscheid.“



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