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Premierenkritik: „I like to be in America“
Kultur 19.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Premierenkritik: „I like to be in America“

Premierenkritik: „I like to be in America“

Foto: Marc Wilwert
Kultur 19.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Premierenkritik: „I like to be in America“

„West Side Story“ ist ein zeitloser Klassiker, davon konnte man sich bei der Premiere am 15. Januar 2014 anlässlich des 50. Geburtstages des „Grand Théâtre" in Luxemburg überzeugen.

VON JEAN-LOUIS SCHEFFEN

„West Side Story“ ist ein zeitloser Klassiker, davon konnte man sich bei der Premiere am 15. Januar 2014 anlässlich des 50. Geburtstages des „Grand Théâtre° in Luxemburg überzeugen. Und der anhaltende, begeisterte Applaus zeigte, dass das Publikum sich auch heute noch von dieser modernen Romeo-und-Julia-Geschichte überzeugen lässt.

Wer das Musical als Bühnenproduktion erlebt, nimmt schnell wahr, dass zum Erfolg von „West Side Story“ eben nicht nur die zu Evergreens gewordenen Lieder aus der Feder von Leonard Bernstein beitragen, die zum Teil als richtige Opernarien angelegt sind. Für die Tänze griff Bernstein auf am Cool Jazz  und südamerikanischen Rhythmen inspirierten Kompositionstechniken zurück. Ihre ganze Kraft entwickeln sie aber erst auf der Bühne, in Verbindung mit den Choreographien von Jerome Robbins – eine Art „Sacre du Printemps“ in den Hinterhöfen von New York. Nicht zu vergessen die witzig-frechen und manchmal ätzend-ironischen Songtexte von Stephen Sondheim, die dazu beitragen, dass die Story um Rassismus, Intoleranz und die Ziellosigkeit der jungen Einwanderergeneration nach wie vor sozial relevant ist.

Professionell und engagiert

In der Tournee-Produktion, die in Luxemburg gastiert, werden alle diese Qualitäten deutlich. Professionell und engagiert sind die Darbietungen des vorwiegend jungen Ensembles in den Gesangs- und den hohe Anforderungen stellenden Tanznummern. Das Bühnenbild setzt bewusst auf Stilisierung, wobei das Dekor aus verschiebbaren Hausrückfassaden mit den für New York so typischen Feuertreppen in Verbindung mit projizierten Schwarzweißfotos große Flexibilität erlaubt.

Ist die Bühnenproduktion von „West Side Story“ nun so gut oder nicht so gut wie der gleichnamige Filmklassiker von 1961? Die Frage zu beantworten, wäre müßig: Das Musical begann sein Leben am Broadway, und es live im Theater zu erleben, ist eben nicht vergleichbar mit einem Film, der wohl mehr schauspielerische Nuancen, eine dynamische Bildgestaltung und größeren Realismus ermöglicht, aber nicht die Spontaneität (soweit sie der durchtrainierte Professionalismus einer fast täglich aufgeführten Tournee-Produktion erlaubt) vermitteln.


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