Premiere für das Jazzfestival "Reset"

„Das sind alles Top-Musiker“

Musik-Achter auf dem Weg zum Ziel: In den Proben raufen sich die Jazzerinnen und Jazzer aus ganz Europa zusammen. Trotz ganz unterschiedlicher Hintergründe klingen schon die ersten gemeinsamen Versuche von Veronika Harcsa, Myrddin De Cauter, Jan Brauer, Daniel Herskedal, Pit Dahm, Luzia Von Wyl, Airelle Besson und Tineke Postma (v.l.n.r.) vielversprechend.
Musik-Achter auf dem Weg zum Ziel: In den Proben raufen sich die Jazzerinnen und Jazzer aus ganz Europa zusammen. Trotz ganz unterschiedlicher Hintergründe klingen schon die ersten gemeinsamen Versuche von Veronika Harcsa, Myrddin De Cauter, Jan Brauer, Daniel Herskedal, Pit Dahm, Luzia Von Wyl, Airelle Besson und Tineke Postma (v.l.n.r.) vielversprechend.
Foto: Gerry Huberty

Von Daniel Conrad

Wahnsinn, dass das schon so klingt. Beim Probenbesuch in Neimënster wird klar, dass das Konzept des neuen Jazzfestivals „Reset“ zwar Herausforderungen, aber auch besondere Chancen bereithält. Und das ist auch für das Publikum ein Gewinn.

Pit Dahm ist der Luxemburger im Team
Pit Dahm ist der Luxemburger im Team
Foto: Gerry Huberty

 „Wir kommen schon aus ganz unterschiedlichen Musikwelten, aber das macht jetzt die Besonderheit aus. Man merkt, dass Pascal Schumacher ein recht gutes Augenmerk dafür hatte, wer in diese Runde passt – und das zeigt sich eben auch in den Proben: Das sind alles Top-Musiker“, sagt der Luxemburger Schlagzeuger Pit Dahm. Erstaunlich wirkt das Urteil nur knapp einen Tag nach dem ersten Kennenlernen. Seit Montag probt die zusammengewürfelte Truppe aus ganz Europa für drei Jazzabende.

Der Norweger Daniel Herskedal entlockt aus der Tuba eine ungewohnte Klangbreite.
Der Norweger Daniel Herskedal entlockt aus der Tuba eine ungewohnte Klangbreite.
Foto: Gerry Huberty

Die acht Musiker, die für das erste „Reset“-Festival des Kulturzentrums Neimënster vom Team um Pascal Schumacher, ausgewählt wurden, haben kaum etwas voneinander gewusst oder schon einmal miteinander gespielt – wie auch der deutsche Kandidat in der Runde, Jan Brauer, betont.

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Dabei kann der zum Beispiel mit seinem Trio „BrandtBrauerFrick“ als einer „der“ Innovatoren aus der Berliner Szene auf echte, weltweite Erfolge verweisen. Er ist aber kein klassischer Jazzer, sondern eher ein Spezialist für elektronische Musik, der auf der Probenbühne im Saal Krieps umringt von allerlei Technik und Kabeln schon ungewohnt wirkt.

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An seinem Beispiel wird klar: Hier brechen Musiker ein Stück weit aus ihren gewohnten Mustern aus; sie wagen etwas – und genau darauf kam es dem künstlerischen Festivalleiter Schumacher an. Dann spielt der Belgier Myrrdin de Cauter nicht wie sonst seine Flamenco-Gitarre, sondern eben Klarinette im Bläsersatz.

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Doch wie soll letztlich daraus in nur ein paar wenigen Tagen etwas entstehen, mit dem alle zufrieden sind und das auf der Bühne aufgeht? Es wird jedenfalls gearbeitet – mit konzentrierter Gelassenheit, die nur Musiker ausstrahlen, die selbstsicher genug mit solchen neuen Begegnungen umgehen können.

Und schon bei der Anspielprobe des Stücks „Tick-Tock“, das die Schweizer Pianistin Luzia Von Wayl für die Runde einfach mal mitgebracht hat, zeigt sich, dass zwar schon schnell ein toller Sound zusammenkommt, aber dass sich zum Beispiel Jan Brauer zurückhält.

Die Schweizerin Luzia van Wyl hört am Klavier genau hin, ob die anderen Mitmusiker in ihr Stück "Tick-Tock" richtig hineinfinden.
Die Schweizerin Luzia van Wyl hört am Klavier genau hin, ob die anderen Mitmusiker in ihr Stück "Tick-Tock" richtig hineinfinden.
Foto Gerry Huberty


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Hat er einfach nicht die Durchsetzungskraft und wird ausgebootet? „Nein, das wird für Jan noch eine lange Nacht. Er muss seinen Part noch programmieren“, sagt Pit Dahm. Wie? Programmieren? „Ich erarbeite so genannte Klangpatterns, also elektronisch erzeugte Klangsequenzen“, hilft er ganz Unkundigen auf die Sprünge. „Ich musste das auch schon in der Runde erklären, wie ich dann arbeite, damit wir uns da auch abstimmen können“, verrät Brauer. Allerdings passt auch er sich etwas an. „Ich habe mir noch schnell ein kleines Midi-Keyboard besorgt, mit dem ich auch nicht programmierte Klänge einspielen kann.“

Intensiver Austausch unter Profis


In Frankreich hat sie schon längst einen großen Stellenwert in der Jazzszene: Airelle Besson zeigt auf der Trompete, was sie kann.
In Frankreich hat sie schon längst einen großen Stellenwert in der Jazzszene: Airelle Besson zeigt auf der Trompete, was sie kann.
Foto: Gerry Huberty

So hört er jetzt, ganz am Anfang dennoch eher zu und sucht danach, was er daraus letztlich an Klangsequenzen aus seinen Synthesizern, Sequenzern und Drumboxes oder mit Klangfiltern am Mischpult erzeugen kann. „Aber das geht eben erst nach der Probe“, sagt er.

Ganz alleine muss er sicher nicht tüfteln, die anderen werden ihm bestimmt noch Gesellschaft leisten. Alle übernachten in den nahen Gästezimmern der Abtei, Räume zum separaten Üben stehen bereit – und Spezialisten wie der Tontechniker und Sounddesigner Joachim Olaya, der für die richtige Abmischung des gemeinsamen Klangs sorgen soll. Es wird gemeinsam gegessen und sich ausgetauscht – auch das ist bewusster Teil dieses Treffens.

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Am Donnerstag, dem 11. Januar, steht schon der erste Testfall für das musikalische Gelingen dieses Experiments an. In kleinen Teilbesetzungen präsentieren sich die Acht bei einem Wandelkonzert. Es geht von der Brasserie Wenzel in der Abtei von 19.30 Uhr an zu Hörstationen in nahe gelegene Cafés. „Meine Duopartnerin ist die Sängerin Veronika Harcsa. Und schon in unserer ersten gemeinsamen Probe haben wir ausgetestet, was wir mit Stimme und Schlagzeug eigentlich machen können, was wirken könnte“, sagt Pit Dahm.

Aber fehlt da nicht Harmonie und klangliche Breite? „Veronika arbeitet mit einer Loop-Machine, mit der sie ihre Stimme aufnehmen und wieder einspielen kann. So entstehen Klanggerüste, die mich schon in den Proben überrascht haben.“ 

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Morgen Abend folgt dann das große Konzert im Saal Krieps mit allen Acht und am Samstag steht eine Jam-Session in der Brasserie Wenzel an – und sollte das alles wie schon die Proben klingen, könnte das neue Festivalmodell ein neues Highlight im Jazz-Terminkalender werden.

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Alle Details und Reservierungsmöglichkeiten zu den Abenden des Festivals finden sich unter:

www.neimenster.lu