Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Pierre Brice: Winnetou ist ein wichtiger Teil meines Lebens
Kultur 3 Min. 30.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Pierre Brice: Winnetou ist ein wichtiger Teil meines Lebens

Winnetou und Old Shatterhand im Kampf gegen weiße Verbrecher.

Pierre Brice: Winnetou ist ein wichtiger Teil meines Lebens

Winnetou und Old Shatterhand im Kampf gegen weiße Verbrecher.
Kultur 3 Min. 30.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Pierre Brice: Winnetou ist ein wichtiger Teil meines Lebens

Pierre Brice und Winnetou: Selten wurde ein Schauspieler so mit einer Rolle identifiziert wie der Franzose. Der 83-Jährige hat zwischen 1962 und 1968 in elf Karl-May-Filmen den Apachenhäuptling gespielt.

Dann tauschte er die Leinwand gegen die Bühne ein und ließ die indianische Heldenfigur auf Karl-May-Festspielen wie in Bad Segeberg und Elspe weiterleben. Der Franzose verdankt dem Lieblingsindianer der Deutschen seine Karriere, auch wenn er die Winnetou-Filme stets als etwas naiv empfand, wie er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa gestand.

Die Rolle hat Sie ein Leben lang begleitet. Eigentlich kann man sich als Schauspieler nichts Schöneres wünschen. Gleichzeitig kamen Sie von diesem Indianerimage nie mehr los. Haben Sie das bereut?

„Es stimmt, jeder Schauspieler wünscht sich, Erfolg zu haben. Mit Winnetou habe ich einen enormen Erfolg gehabt, mein Publikum ist treu und immer noch da. Sogar schon in der dritten Generation. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite habe ich vor Winnetou viele andere Rollen gespielt, auch Mörder. Meine Karriere kam in Italien gerade ins Rollen und plötzlich hat sich durch Winnetou mein Leben komplett geändert. Ich bin sicher, dass ich meine Karriere weiter verfolgt hätte - wie sie verlaufen wäre, kann ich nicht sagen.“

In Deutschland hat Sie Ihre Rolle zum Star gemacht, während in Frankreich die Winnetou-Filme nicht auf dieselbe Begeisterung gestoßen sind. Haben Sie das als Franzose sehr bedauert?

„In Frankreich war und ist Karl May nicht bekannt. Dort gab es andere Helden, „Die drei Musketiere“ zum Beispiel von Alexandre Dumas. Das ist der eine Grund.“

Und der andere?

„Ein zweiter ist vielleicht der, dass sich die Deutschen nach dem Krieg sehr nach ein bisschen Romantik und Werten, für die Winnetou und die Karl-May-Filme stehen, gesehnt haben: Friede, Freiheit, Menschenwürde. Die Winnetou-Filme waren ja schon ein bisschen naiv, aber die Deutschen waren offen dafür. Übrigens genauso wie Länder weiter im Osten, die damalige Tschechoslowakei beispielsweise. Dort waren und sind die Filme enorm erfolgreich, ich bekomme sehr viel Post aus Tschechien und der Slowakei.“

Kann man von einem Phänomen Pierre Brice sprechen?

„Das ist eine sehr interessante Frage - aber die sollten andere beantworten, nicht ich.“

Sie standen 1998, vor mehr als zehn Jahren, zuletzt in der Rolle als Winnetou vor der Kamera. Würden Sie gerne noch einmal, und sei es auch nur für einen Abend, in Ihre Lebensrolle schlüpfen?

Brice: „Winnetou ist ein wichtiger Teil meines Lebens und ich habe der Rolle viel zu verdanken. Aber ich bin jetzt 83 Jahre, da stellt sich mir die Frage nicht mehr.“

Was hat Ihnen bei dieser Rolle am meisten Spaß gemacht?

„Das Arbeiten in Jugoslawien hat viel Spaß gemacht. Durch die Winnetou-Filme habe ich meine Liebe zu Pferden und zum Reiten entdeckt. Trotzdem waren die Dreharbeiten schon hart, wir haben ja zum Teil mehrere Filme im Jahr gedreht. Und die Straßen vom Hotel zu den Sets waren furchtbar; wir sind manchmal mehrere Stunden über ausgefahrene Wege oder quer durch die Landschaft gefahren.“

Und was hat am wenigsten Spaß gemacht?

„Ich habe mich mit fast all meinen Kollegen sehr gut verstanden, besonders mit meinem Freund Lex Barker. Mit Stewart Granger hingegen war es schwer, ich bin überhaupt nicht mit ihm zurechtgekommen.“

Nach dem Filmtod Winnetous erweckten Sie den Lieblingsindianer der Deutschen auf den Karl-May-Freilichtbühnen wieder zum Leben. Welche Bedeutung hatte die Arbeit auf der Bühne für Sie?

„Als ich Winnetou später in Elspe und in Bad Segeberg gespielt hatte, hatte ich die Möglichkeit, mehr über Werte zu sprechen, die ich mein ganzes Leben lang verteidigt hatte. Das war mir sehr wichtig.“