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„Petit Prince“: Vor 75 Jahren starb Antoine de Saint-Exupéry
Kultur 2 3 Min. 31.07.2019

„Petit Prince“: Vor 75 Jahren starb Antoine de Saint-Exupéry

Im April 1943 veröffentlichte der US-Verlag Reynal & Hitchcock die Erzählung „Le Petit Prince“ zeitgleich auf Englisch und Französisch.

„Petit Prince“: Vor 75 Jahren starb Antoine de Saint-Exupéry

Im April 1943 veröffentlichte der US-Verlag Reynal & Hitchcock die Erzählung „Le Petit Prince“ zeitgleich auf Englisch und Französisch.
Foto: Gallimard
Kultur 2 3 Min. 31.07.2019

„Petit Prince“: Vor 75 Jahren starb Antoine de Saint-Exupéry

Ein Pilot mit Friedensanliegen: Antoine de Saint-Exupérys Botschaft ist heute, 75 Jahre nach seinem Tod, aktueller denn je.

(KNA) - „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“: Diese Sätze sind nicht nur Literaturkennern vertraut. „Le Petit Prince“, der die weisen Worte spricht, hat mit seiner Geschichte über Freundschaft und Vertrauen schon Generationen von Menschen verzaubert. Erst vor vier Jahren brachte ein animierter 3D-Film das Geschehen wieder einmal in die Kinosäle, zuvor gab es u. a. 2011 eine Serien-Adaptierung an der das Luxemburger Produktionshaus Fabrique d'images beteiligt war. Die literarische Vorlage bleibt zeitlos – ihr Erfinder starb vor 75 Jahren, am 31. Juli 1944.

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Antoine de Saint-Exupéry, geboren am 29. Juni 1900 in Lyon, war französischer Berufspilot – und schrieb eher nebenbei. Dennoch war er schon zu Lebzeiten als Autor anerkannt. Bereits als Jugendlicher war er fasziniert vom Fliegen, im Wehrdienst wurde er zum Flugzeugmechaniker ausgebildet. Völlig mittellos begann er im Anschluss als Pilot bei Rundflügen über Paris zu arbeiten, 1925 verfasste er die Novelle „L'Aviateur“. In den Folgejahren verfolgte er beide Karrieren parallel. Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, kehrte Saint-Exupéry von einer Reise zu seinem amerikanischen Verleger zurück.

Er wurde eingezogen und war zunächst als Ausbilder, später bei Aufklärungsflügen tätig. In dieser Funktion erlebte er den Blitzangriff der Deutschen auf Nordostfrankreich mit. Ende 1940 reiste er erneut nach New York und verarbeitete die Kriegserlebnisse in „Pilote de guerre“ (1942) – einem Buch, das die Deutschen bald auf den Index setzen sollten.

100 Millionen verkaufter Exemplare

Im April 1943 veröffentlichte der US-Verlag Reynal & Hitchcock die Erzählung „Le Petit Prince“ zeitgleich auf Englisch und Französisch. Der französische Verlag Gallimard, bei dem Saint-Exupéry unter Vertrag stand, klagte – und verlegte zwei Jahre später, nach dem Tod des Autors, eine erste Auflage für Frankreich. Inzwischen wurde das Buch in 180 Sprachen übersetzt. Mit rund 100 Millionen Exemplaren gehört es zu den meistverkauften nichtreligiösen Werken der Weltliteratur.

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Der Text enthält autobiografische Spuren des Autors. Der Erzähler, der der Titelfigur nach einer Notlandung in der Sahara begegnet, ist selbst Pilot. Der kleine Prinz unterdessen sehnt sich nach seiner Rose, die er zu spät als solche erkannt hat – ein Symbol für Saint-Exupérys Frau, die er in Frankreich zurückgelassen hatte.


Kleiner Prinz, großer Sammler
Jean-Marc Probst ist es zu verdanken, dass „Le Petit Prince“ fast alle Sprachen der Welt spricht.

Insgesamt wurde das Buch als Kritik an Egoismus und Konsumstreben gelesen – und als Plädoyer für Fantasie, für das Festhalten an Mitmenschlichkeit und dem kindlich-unverstellten Blick auf die Welt.

Der Prinz und die Bibel

Die philosophischen Alltagsbetrachtungen des kleinen Prinzen werden so oft in christlichen Gottesdiensten zitiert, dass sie schon als „fünftes Evangelium“ bespöttelt wurden. Zeitgenossen versuchen das Werk immer wieder neu zu durchdringen. Der Vatikan-Experte Enzo Romeo zum Beispiel, der den Stoff 2015 neu ins Italienische übersetzte und mit Kommentaren zu biblischen Bezügen versah.

Neugierig bleiben, das Sehen und Fragen immer wieder neu lernen: In der heutigen, oft als hektisch und reizüberflutet beschriebenen Zeit streben danach viele Menschen. Manche Aussagen des kleinen Prinzen scheinen zukunftsweisender denn je, zum Beispiel: „Wenn man seine Morgentoilette beendet hat, muss man sich ebenso sorgfältig an die Toilette des Planeten machen.“ Inzwischen ist der kleine Prinz der Star eines eigenen Themenparks im Elsass, ein Asteroid ist nach seinem Heimatstern benannt, Theater und Museen widmen sich dem Stoff.

Sein Erfinder erlebte diesen Erfolg nicht mehr mit. Saint-Exupéry kehrte von seinem letzten Aufklärungsflug im Juli 1944 nicht zurück; ein Suizid des schwer depressiven Schriftstellers wurde ebenso wenig ausgeschlossen wie ein Abschuss oder ein technischer Defekt. Auch sein erfolgreichstes Buch endet traurig, der kleine Prinz verschwindet. Doch seine Botschaft bleibt: Am Ende steht die Bitte des Erzählers an seine Leser, weiter nach dem kleinen Prinzen zu suchen.