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„Parasite" als tragikomischer und tiefschwarzer Sozialthriller
Kultur 1 2 Min. 14.09.2019

„Parasite" als tragikomischer und tiefschwarzer Sozialthriller

Die Hochglanz-Welt von Mrs. Park (Cho Yeo-jeong) gerät durch vier neue, scheinbar freundliche Hausangestellte aus den Fugen.

„Parasite" als tragikomischer und tiefschwarzer Sozialthriller

Die Hochglanz-Welt von Mrs. Park (Cho Yeo-jeong) gerät durch vier neue, scheinbar freundliche Hausangestellte aus den Fugen.
Foto: Koch Media
Kultur 1 2 Min. 14.09.2019

„Parasite" als tragikomischer und tiefschwarzer Sozialthriller

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
„Parasite“ ist sarkastisch, unverschämt und traurig - und war der Jury von Cannes in diesem Jahr die Goldene Palme wert. Die südkoreanische Thriller-Tragikomödie von Bong Joon-ho („The Host", „Okja“) jagt den Zuschauer durch die Höllen von Armut und Reichtum.

Die Familie Park ist reich und naiv. Die kann man reinlegen und gutes Geld aus ihnen quetschen, damit mal ordentliches Essen auf den Tisch kommt. Mit diesem Plan und einem gefälschten Diplom stellt sich der junge, arme Ki-woo (Choi Woo-shik) bei besagten Luxusgeschöpfen als Hauslehrer vor.

Nach und nach schleust sich auch der Rest seiner Familie, Schwester, Mutter und Vater, unter falscher Identität als Hausangestellte ein. Echte Chauffeure und Gouvernanten stören da natürlich.

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In „Parasite“ (Gisaenchung) lässt der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho („Okja“) für die durchtriebenen und doch sympathischen Betrüger anfangs alles wie am Schnürchen laufen. Es macht unverschämte Freude zuzuschauen, wie diese cleveren Underdogs die reichen Filterblasenorchideen manipulieren und, dank ihrer Tätigkeiten im Hause Park, im Luxus leben. Tagsüber.

Von Blut und Mitleid

Nachts kehren sie in ihre schäbige, feuchte Kellerwohnung zurück, in der sie Wifi schnorren und deren modrigen Geruch sie langsam annehmen. Ein Gestank, über den die feinen Parks die Näschen rümpfen. Soziale Ungleichheit lässt sich kaum prägnanter gegenüberstellen. 

So weit, so gut. Doch dann geht eine atemlose Serie von Überraschungen nieder, wodurch sich die Geschichte völlig dreht, beschleunigt und ihren Ton ändert.


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Die Schadenfreude über Bord zu werfen und mehr auf tragikomische und thrillerhafte Elemente zu setzen, hätte auch schiefgehen und unglaubwürdig wirken können. Nicht aber bei Bong Joon-ho. Er nutzt seine Twists gekonnt, um den Zuschauer in Zweifel zu stürzen. Während dieser sich noch fragt, ob er sich gruseln oder Mitleid empfinden soll, fließt auch schon das erste Blut.

Thriller mit viel Sarkasmus

Elegant zeichnet der Regisseur mit Fingerspitzengefühl fast nebenbei zwei grundverschiedene Milieus. Deren Gewächse weiß er sowohl durch den Kakao zu ziehen, kann aber auch Empathie für ihre sehr fragwürdigen Entscheidungen auslösen. Am Ende muss der Zuschauer seine Moralvorstellungen zu Arm und Reich neu abklopfen und bekommt in diesem tragischen und sarkastischen Sozialkino auch noch einen bedrückenden Thriller geliefert. 

Nah dran, erlebt er die Figuren in Momenten, in denen sie hinter ihrer abgeklärten oder hysterischen Maske unerwartet menschlich erscheinen. Schließlich hat Bong Joon-ho ein feines Gespür, den dafür dramaturgisch richtigen Moment zu finden und diesen subtil auszuloten. Und so werden Skrupellose plötzlich zerbrechlich und Einfache tiefgründig.


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Stilistisch stark getragen wird der Film durch die intensive Arbeit des Kameramanns Hong Kyung-pyo: Er filmt vor allem in Close-ups und Halbtotalen und verstärkt somit die Auflösung der beiden gesellschaftlichen Blöcke. Der Titel „Parasite“ lässt sich auf mehr als eine Seite projizieren.

Doch das eigentlich menschlich Tragische und moralisch Verstörende hebt sich Bong Joon-ho, wie sollte es nach dieser Achterbahn auch anders sein, für einen ganz besonderen Moment auf.


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