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Onkel Donalds wunderbare Welt
Kultur 3 Min. 19.06.2014 Aus unserem online-Archiv
Die berühmteste Ente des Planeten wird 80 Jahre alt

Onkel Donalds wunderbare Welt

Donald Duck Disney
Die berühmteste Ente des Planeten wird 80 Jahre alt

Onkel Donalds wunderbare Welt

Donald Duck Disney
(Photo: ©Ehapa-Verlag/Walt Disney)
Kultur 3 Min. 19.06.2014 Aus unserem online-Archiv
Die berühmteste Ente des Planeten wird 80 Jahre alt

Onkel Donalds wunderbare Welt

Am 9. Juni 1934 tauchte Donald Duck erstmals in einem Trickfilm auf

Am 9. Juni 1934 tauchte Donald Duck erstmals in einem Trickfilm auf. Es war der Beginn einer ganz großen Karriere: Am 9. Juni 1934 tauchte im Trickfilm „Die kleine kluge Henne“ eine Ente im Matrosenanzug auf, die schon bald zur erfolgreichsten Comic-Figur der Welt wurde. Entwickelt worden war das Tier mit den allzu menschlichen Eigenschaften von dem Zeichner Carl Barks, der im Auftrag von Walt Disney seiner Micky Maus einen Freund fürs Leben an die Seite stellen wollte. Jetzt wird Donald Duck 80 Jahre alt.

Während Donald in seiner Jugend vor allem in amerikanischen Kinos tingelte, gelang ihm nach dem Krieg der Sprung über den großen Teich. Als einer der ersten Comic-Helden mussten er und seine Neffen Tick, Trick und Track reichlich Prügel einstecken, gehörten sie doch zur viel geschmähten Schmutz- und Schundliteratur. So jedenfalls urteilten Lehrer und Eltern über die Lieblingslektüre des jungen Publikums. Dabei konnte das Micky-Maus-Heft mit einer Frau als Chefredakteurin protzen, die nicht nur ihr Abitur gemacht, sondern auch den Doktor in der Tasche hatte: Erika Fuchs schuf für Entenhausen und Umgebung ein bisher nie gekanntes Sprachkonzept. So wie Luther die Bibel neu übersetzte, so schenkte Erika Fuchs dem Disney-Kosmos eine neue Wirklichkeit. Gelesen wurden die Donald-Geschichten vor allem von den künftigen Intellektuellen der jungen Bundesrepublik, die sich bis heute stolz „Donaldisten“ nennen und damit einem Geheimbund angehören, der so geheim ist, dass er gar nicht existiert.

„Schmarotzer“ und „Schnorrer“

Höchstwahrscheinlich sitzen Donaldisten in der Wirtschaftsredaktion der „FAZ“. Wenn dort ein Artikel über Krisen an der Wall Street mit der Überschrift versehen wird: „Es hört sich an wie fernes Donnergrollen“, so ist dies ein Zitat der „Panzerknacker“ im Angesicht des berstenden Geldspeichers von Onkel Dagobert. Als der TV-Literaturkritiker Denis Scheck gefragt wurde, welche Werke ein Mensch unbedingt gelesen haben sollte, antwortete er: „,Die Odyssee' von Homer, alles von Shakespeare und die von Erika Fuchs übersetzten Donald-Duck-Geschichten.“

Legendär ist auch ein frühes Donald-Abenteuer, in dem die Jungen und Mädchen über die Mechanismen der Marktwirtschaft aufgeklärt wurden. Als nämlich ein Tornado die Milliarden von Onkel Dagobert übers Land verteilte, wurde jeder Bewohner plötzlich zum Millionär und brauchte nicht mehr zu arbeiten. Wie Dagobert es schließlich anstellt, wieder an seinen Zaster zu kommen, ist noch immer genial. Gemessen an der Sprachgewalt der frühen Donald-Hefte, können wir heute getrost von einer allgemeinen Spracharmut sprechen. „Würden Sie die Güte haben, meinen Hut einen Moment zu halten?“, formuliert zum Beispiel Daniel Düsentrieb („Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“). „Das aber ist fatal“, meint Dagobert.

Die deutsche Sprache ist eine der vielseitigsten der Welt. Begriffe wie „Heimweh“ oder „Habseligkeiten“ sind inzwischen aus der Mode gekommen. Beim Donald der frühen Jahre tauchen sie wieder auf, zusammen mit „Schmarotzer“ (Schimpfwort für Gustav Gans) oder „Schnorrer“ (für denselben). Auch Alttestamentarisches ist Donald nicht fremd. Wenn ihn zum Beispiel ein kleines Mädchen bittet, ihre unter eine Dampfwalze geratene Puppe hervorzuholen, sagt er ratlos: „Das könnte höchstens der Riese Goliat.“ Inzwischen denkt sich ein Kollektiv von Zeichnern und Textern die Donald-Geschichten aus, angeführt von dem holländischen Cartoonisten Dean Jippes, der einst das direkte Erbe von Carl Barks angetreten hat. Ihn treibt die Sorge um, dass durch die fortschreitende Digitalisierung der Markt für gedruckte Comics zusammenbrechen könnte. Doch noch lebt Donald. Und ewig soll er leben!

Rainer Holbe