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Ohne Jugendliche im Background geht es kaum
Kultur 3 4 Min. 20.11.2019

Ohne Jugendliche im Background geht es kaum

Gute Stimmung beim FFYS 2019: Damit auch die letzte Festivalausgabe reibungslos ablaufen konnte, halfen viele Jugendliche im Hintergrund.

Ohne Jugendliche im Background geht es kaum

Gute Stimmung beim FFYS 2019: Damit auch die letzte Festivalausgabe reibungslos ablaufen konnte, halfen viele Jugendliche im Hintergrund.
Foto: Alain Piron
Kultur 3 4 Min. 20.11.2019

Ohne Jugendliche im Background geht es kaum

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Das Vorurteil, Jugendliche würden sich eher um ihr Smartphone kümmern, als sich für andere zu engagieren und Gemeinschaft zu stiften, entkräften junge Leute wie Samantha (siehe Box) nicht nur durch ihr Engagement als Unicef Youth Ambassadors. Wie sie helfen Hunderte Jugendliche – ob aus ganz individuellem Antrieb heraus oder im Schulterschluss mit anderen in lokalen Vereinen, Jugendhäusern und Pfadfindergruppen.

Insbesondere Luxemburger Open-Air-Musikfestivals waren und sind – wie im Fall von Samantha – oft nicht ohne die Unterstützung von vielen jungen, freiwillig helfenden Händen machbar.   

Das galt gerade für das nicht mehr stattfindende Funky Donkey-Festival der Scouten in Clerf oder das Food For Your Senses, das in diesem Jahr seine letzte Ausgabe feierte und in seinen Spitzenzeiten 2017 bis zu 200 junge Helferinnen und Helfer hatte, die sich hinter die Idee des Festivals stellten, das weit über die Musik hinaus inspirieren wollte, so Organisator Luka Heindrichs. Hier boten Jugendliche auch Workshops für die junge Zielgruppe an. 

Auch das e-Lake, das auf dem Club des Jeunes von Echternach aufbaut, ist ohne Mithilfe der 250 Jugendlichen und jungen Erwachsenen beim Vorbereiten, Aufbau und der Durchführung nicht denkbar. Ihr Lohn als Freiwillige? Die Selbstbestätigung, Verantwortung mitzutragen, das Gefühl von Gemeinschaft und ein Teil davon zu sein – und nicht zuletzt die Freude an der Freude anderer. 

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Samantha setzt sich nicht nur als Unicef-Jugendbotschafterin ein, auch bei dem Food For Your Senses-Festival half sie im Hintergrund.
Samantha setzt sich nicht nur als Unicef-Jugendbotschafterin ein, auch bei dem Food For Your Senses-Festival half sie im Hintergrund.
Foto: Unicef Luxemburg

Beim Festival Koll an Aktioun in Obermartelingen und dem Kolla Festival in Steinfort sind helfende Hände für die nächsten Ausgaben willkommen. Nick Friedl (Koll an Aktioun) und Marie Trussart (Kolla Festival, info@kollafestival.lu) werben aktuell schon um junge Helfer für den Sommer 2020. Bei beiden Festivals – das eine eher ein familienorientierter Sommertreff, das andere jenseits der Musik bemüht um neue Perspektiven über den Austausch kreativer und nachhaltiger Ideen – sind junge Mithelfer eine Selbstverständlichkeit. 

„Und es gibt immer was zu tun. Besondere Voraussetzungen braucht man nicht unbedingt. Wir freuen uns aber auch, wenn Kreative dabei sind – wir machen zum Beispiel die Dekoration komplett selbst. Und dann ist es natürlich toll, wenn man nähen kann oder handwerklich fit ist“, erklärt Marie Trussart. 

Langfristige Bindungen schwieriger

Beide Organisationen merken aber auch, dass die längerfristige Bindung von Jugendlichen ein Problem darstellt. Auch beim Aus für das Food For Your Senses (FFYS) spielte die Übergabe von Verantwortung in neue Hände eine nicht unwichtige Rolle. FFYS-Organisator Luka Heindrichs, der unter anderem auch als Frontmann hinter der Musiklocation „De Gudde Wëllen“ in der Hauptstadt steht, formuliert das so: „Ich denke, man findet schon Leute, die sich für vereinzelte Projekte und die Mithilfe bei einem Festival selbst begeistern lassen. Und diese Hilfe ist Gold wert. Aber es ist schwierig, Leute zu finden, die bereit wären, sich über längere Zeit zu engagieren und Verantwortung dauerhaft zu übernehmen. Und das bekomme ich auch von Kollegen aus der Festival- und Musikszene mitgeteilt.“ 

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Natürlich könne man nicht von einem 16-Jährigen erwarten, schon perfekt als Festivalorganisator zu sein – aber es müsse auch klar sein, dass einige Dinge auch längerfristige Erfahrungen und Lernprozesse benötigen – und sich darauf einzulassen, ist offenbar für viele junge Leute nicht mehr so einfach. Spätestens, wenn private Verantwortungen wie eine eigene Familie und die berufliche Aus- und Weiterbildung zum Teil im Ausland in den Fokus rücken und dadurch die Spielräume für die Mithilfe bei der Organisation enger werden, wird es schwierig. 

Das Koll an Aktioun versuche, durch einen Generationenmix in den vorbereitenden Arbeitsgruppen kontinuierlich Erfahrung weiterzugeben, so Nick Friedl. „Wir haben auch überlegt, eine eigene Bühne von Jugendlichen für Jugendliche organisieren zu lassen. Aber da bräuchte es etwas Begleitung, die wir als Verein so nicht leisten können“, sagt Friedl. Gibt es für die Lösung des Problems weitere Möglichkeiten? Viele Kulturträger nutzen inzwischen das Angebot einer Übereinkunft mit dem Service volontaire national (SVN), der beim Service national de la jeunesse (SNJ) angesiedelt ist. Das hilft, zumindest die längerfristige Bindung zu erleichtern. 

Freiräume sind nötig 

Wer zwischen 16 und 30 Jahren alt und nicht mehr schulpflichtig ist, aber noch keine Ausbildung oder ein Studium begonnen hat, kann sich als Freiwilliger melden. Neben sozialen Organisationen wie dem Roten Kreuz sind auch viele Kulturträger wie die Rotondes, das Tanzzentrum Trois C-L oder das Théâtre National du Luxembourg immer wieder über die Plattform www.volontaires.lu auf der Suche nach Helfern, die sich zwischen drei und zwölf Monaten engagieren. 

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Der Lohn für die Freiwilligen: ein Taschengeld aus der Staatskasse und Unterstützungen bei Aufwendungen wie dem öffentlichen Transport und Spesen – und die Möglichkeit, sich in einem möglichen späteren Berufsfeld umzuschauen. „Insgesamt nehmen circa 450 Jugendliche und junge Erwachsene an den einzelnen Programmen im Jahr teil. Wir zählen in diesem Fall nur die Neuanfänge“, sagt die Verantwortliche für den Bereich beim SNJ, Nathalie Schirtz. „Aber es sind mehr, wenn wir alle laufenden Projekte mitzählen würden – und es werden jährlich mehr. Und das stärkt viele Träger.“ 

Vieles ist also möglich – doch zwischen den Zeilen wird auch spürbar, dass die Gesellschaft an sich bereit sein muss, Jugendlichen jenseits des Karrieredrucks auch Freiräume zum Engagement zu erlauben. Denn letztlich, das zeigt auch das Beispiel von Samantha, gilt es, das Erlernen sozialen Zusammenhalts in die Zukunft zu tragen.



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