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Offener Brief von Enrico Lunghi: "Traurig, aber ohne Bedauern"
Er sei stolz auf das in acht Jahren erreichte, so Enrico Lunghi.

Offener Brief von Enrico Lunghi: "Traurig, aber ohne Bedauern"

Foto: Lex Kleren
Er sei stolz auf das in acht Jahren erreichte, so Enrico Lunghi.
Kultur 2 Min. 29.12.2016

Offener Brief von Enrico Lunghi: "Traurig, aber ohne Bedauern"

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Der Mudam-Chef tritt ab. Nicht ohne sich in einem offenen Brief für die Unterstützung in der RTL-Affäre zu bedanken - und Anzeige gegen Unbekannt zu stellen.

(tom) - Der scheidende Direktor des Mudam, Enrico Lunghi, hat sich in einem offenen Brief noch einmal zu seinem Rücktritt aufgrund der "Interview-Affäre" aus dem Herbst 2016 geäußert.

Im Oktober hatte der 53-jährige die RTL-Mitarbeiterin Sophie Schram während eines Interviews vor laufender Kamera verbal und körperlich angegriffen. RTL sendete den Beitrag, der für großes Aufsehen sorgte und sich danach zu einer Angelegenheit auswuchs, die, je nach Perspektive als "Affäre Lunghi", "RTL-Affäre" oder "Interview-Affäre" bezeichnet wurde. Im Verlauf reichte Lunghi seine Kündigung beim Mudam zum Jahresende ein und RTL setzte das Sendeformat "De Nol op de Kapp" komplett ab. 

Der offene Brief könnte also als Schlussstrich gesehen werden, hätte Lunghi nicht bereits frühzeitig angekündigt, "gegen die Urheber dieser Verleumdung" rechtlich vorgehen zu wollen. Nach Informationen des Radiosenders 100,7 hat er genau das auch getan: Lunghi soll bereits am vergangenen Freitag Klage gegen Unbekannt eingereicht haben. Ein Ende ist also noch nicht in Sicht.

An Freunde - und nicht an alle Journalisten

Bereits in der Anrede seines Briefs lässt der Absender keinen Zweifel daran, wie dieser Brief gedacht ist: Enrico Lunghi richtet sich "an meine Freunde; an alle, die mich unterstützt haben; an diejenigen Journalisten, die ihrem Beruf Ehre machen". Es gibt also nach seiner Sicht offensichtlich auch Journalisten, die ihrem Beruf keine Ehre machen, und die arbeiten aller Wahrscheinlichkeit nach beim Fernsehen. Denn schon nach den herzlichen Dankesworten an all jene, die ihn nach der Ausstrahlung der Sendung "Den Nol op de Kapp" im Oktober unterstützt haben, fährt Lunghi fort: Die Sendung  vom 3. Oktober sei "infam und unredlich" ("ignoble et  malhonnête") gewesen.

Es geht offensichtlich um eine Klarstellung: "Ich möchte, dass alle wissen, dass ich gerichtliche Schritte gegen die Urheber dieser Gemeinheit ("infamie") eingeleitet habe, nicht um mich zu rächen, sondern um meine Ehre wieder herzustellen." Und das sei nicht nur persönlich, sondern gesamtgesellschaftlich zu sehen: "Es geht dabei um die Zukunft unserer Gesellschaft, in der wir frei und in Würde leben wollen."

Lunghi verlasse das Mudam "in großer Traurigkeit, aber ohne Bedauern". Und er sei froh über und stolz auf das, was er in den vergangenen acht Jahren mit seinem Team erreicht habe - nämlich, aus dem Mudam mit bescheidenen Mitteln ein Referenz-Museum für zeitgenössische Kunst auf der internationalen Landkarte zu machen.

Zum Abschluss dankt Lunghi Jacques Santer und Paul Reiles für ihre fortwährende Unterstützung und versichert, dass er versuchen werde, der Kulturszene des Landes weiterhin in anderer Funktion zu dienen. Er werde seinen Weg weiter in Begleitung der Kunst gehen, so der bildgewaltige letzte Satz.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, RTL habe die Zusammenarbeit mit Sophie Schram beendet. Frau Schram, die bisher nicht für eine ausführlichere Stellungnahme zu Verfügung stand, dementiert diese Information.

Der offene Brief im Original:


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