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Neuer Krimi um Koch Xavier Kieffer: Genießer und „Wirtschaftsfuzzi“
Kultur 5 Min. 07.04.2012 Aus unserem online-Archiv

Neuer Krimi um Koch Xavier Kieffer: Genießer und „Wirtschaftsfuzzi“

Auf Streifzug am Knuedler: Autor Tom Hillenbrand sammelt auf seinen Kurztripps nach Luxemburg immer wieder neues Lokalkolorit für seine Krimis.

Neuer Krimi um Koch Xavier Kieffer: Genießer und „Wirtschaftsfuzzi“

Auf Streifzug am Knuedler: Autor Tom Hillenbrand sammelt auf seinen Kurztripps nach Luxemburg immer wieder neues Lokalkolorit für seine Krimis.
Foto: Charles Caratini
Kultur 5 Min. 07.04.2012 Aus unserem online-Archiv

Neuer Krimi um Koch Xavier Kieffer: Genießer und „Wirtschaftsfuzzi“

Platz drei auf der Bestsellerliste des Jahres 2011: Der deutsche Autor Tom Hillenbrand hat mit „Teufelsfrucht – Ein kulinarischer Krimi“ offensichtlich den Nerv der Luxemburger Leser getroffen. Sein Ermittler ist kein Polizist, sondern der unfreiwillig zum Detektiv berufene Koch Xavier Kieffer.

(dco) - Platz drei auf der Bestsellerliste des Jahres 2011: Der deutsche Autor Tom Hillenbrand hat mit „Teufelsfrucht – Ein kulinarischer Krimi“ offensichtlich den Nerv der Luxemburger Leser getroffen. Sein Ermittler ist kein Polizist, sondern der unfreiwillig zum Detektiv berufene Koch Xavier Kieffer.

Und der gerät schon wieder unverhofft in einen Mord. In „Rotes Gold“ macht sich der Luxemburger in seinem zweiten Fall auf die Suche nach dem Mörder eines Sushi-Meisters und verstrickt sich immer mehr in das Geschäft rund um den Thunfisch – dem „roten Gold“ insbesondere der asiatischen Küche. Mit den Mitteln des Krimis schaut der ehemalige Wirtschaftsredakteur so hinter die Machenschaften in der Gastronomie.

Herr Hillenbrand, Sie haben doch wohl nur deswegen einen kriminalisierenden Luxemburger Koch erfunden, um die Visiten bei Sterneköchen und exklusiven Lebensmittelproduzenten mit „Recherchezwecken“ begründen zu können...

Sie haben recht (lacht). Jedenfalls gilt nach einer Recherchereise erst einmal wieder „Wasser statt Wein“. Ich war halt immer schon kein Kostverächter, bin aber auch zum Glück immer sportlich aktiv. Das teile ich übrigens mit meinem Helden Xavier Kieffer. Auch der genießt gerne, aber war in seiner Jugend auch immer sehr sportlich, was ihm in der ein oder anderen Situation hilft.

Dennoch muten Sie Ihrer Hauptfigur viel zu. Einerseits ist Xavier Kieffer der gemütliche, leicht übergewichtige Restaurantbetreiber, der sich im Stadtteil Grund sein genügsames Nest geschaffen hat, andererseits blasen Sie ihn zum weltgewandten, James-Bond-haften Aufklärer mit besten Chancen selbst bei jüngeren Frauen und sportlichen Fähigkeiten auf.

Ja, er hat beides. Er bricht auf alle Fälle aus seinem gewohnten Umfeld auf – welche Richtung das letztlich geht, weiß ich auch noch nicht. Man kann zwar den Plot genau planen, aber Kieffer entwickelt sich unwillkürlich mit.

In „Rotes Gold“ wird er schon wieder überraschend mit einer Leiche konfrontiert.

Na, für einem Kommissar oder Privatdetektiv ist das schon leichter, über eine Leiche zu stolpern – der verdient ja auch sein Geld damit. Bei einer Figur wie Kieffer muss man sich immer etwas Neues einfallen lassen und dem Charakter auch die Motivation geben, sich einzumischen, statt einfach nur die Police Grand-Ducale anzurufen und wieder an seinen Herd zu gehen. Das macht das Ganze aber auch reizvoller. Pater Brown oder Miss Marple fallen auch ständig Leichen vor die Füße.

Es geht im zweiten Band um den Raubbau am Thunfisch – wollen Sie die Leser mit erhobenem Zeigefinger belehren?

Letztlich muss das jeder für sich entscheiden. Eine industrielle Lebensmittelproduktion wirft immer Probleme auf. Wenn jetzt alle sagen würden, wir essen jetzt keinen Thunfisch mehr, sondern Forelle, dann werden wir in zehn Jahren ähnliche Probleme haben, was genauso schrecklich wäre. Es ist wichtig, auf die Bestände zu achten und Sorten wie den „Bluefin“ nicht zu überfischen. Wenn sich eine Milliarde Menschen so auf ein Lebensmittel einschießt, kann das nur Probleme verursachen und das versuche ich zu zeigen.

Die Rezensionen zum ersten Band haben Ihnen vorgeworfen, mehr Wirtschaftsjournalist als Literat zu sein ...

Deswegen schreiben Journalisten ja auch immer Krimis, weil sie sich an Fakten orientieren können. Gleich mit einem großen literarischen Sittengemälde anzufangen, wäre wohl sofort zum Scheitern verurteilt. Ich versuche jedes Buch ein klein bisschen besser zu machen. Es ist ein Krimi, der von Beschreibungen wie den Kochvorgängen und Wissen aus dem Hintergrund lebt. Und der braucht eine nüchterne Sprache, dass es nicht zu blumig wird. Ich bin natürlich auch ein „Wirtschaftsfuzzi“, der sich seit Jahren mit diesen Themen beschäftigt.

Haben Sie sich eigentlich durch die Buchhandlungen gewühlt, um herauszufinden, wo es denn noch keine bekannte regionale Spürnase gibt, um dann einfach das Strickmuster anderer zu variieren ...

Also erstens ist es ja überhaupt kein Regionalkrimi. Xavier Kieffer „ermittelt“ ja nicht ausschließlich in Luxemburg. Zweitens kam erst die Idee für die Story, dann so eine ganz vage für eine Figur und schließlich die Frage, wo man den Typen hinsetzen könnte. Dass er Koch, irgendwie frankophil sein und sich aber auch in anderen Ländern souverän bewegen können muss, war klar. Luxemburg, das Elsass oder das Saarland eigneten sich. Dazu kam aber auch, dass der Deutsche über Luxemburg eigentlich überhaupt nichts weiß. Bei den Regionalkrimis werden für die Leser oft Klischees bedient, die ihnen schon bekannt sind. Und die Klischees über Luxemburg sind zumindest den meisten Deutschen nicht bekannt.

Esch schildern Sie als Arbeitermoloch, Echternach als Perle an der Sauer – Klischees aus Reiseführern?

Also zum einen lese ich die Luxemburger Zeitungen sehr genau und ich bekomme viele Infos über Twitter und Co. wie zum Beispiel von der Luxemburger Polizei. Das sauge ich mir alles rein. Es gibt zwar gute Reiseführer, aber die ersetzen auch nicht die Recherche vor Ort. Auf meinen Recherche-Kurztrips fünf bis sechsmal im Jahr dokumentiere ich viel mit der Kamera, um mich später an die Details zu erinnern. Ich habe dazu eine Luxemburger Testleserin, die sich das alles nochmals überprüft.

Planen Sie nach dem Erfolg schon einen dritten Band, oder warten Sie erst den Verkauf des zweiten ab?

Ich war mir sicher, dass die Mischung anspricht. Aber dass ich hier mit dem ersten Band in Luxemburg auf der Bestsellerliste gelandet bin, hat mich schon gefreut – aber auch, dass „Teufelsfrucht“ in Deutschland angenommen wurde und wir bei über 50 000 Exemplaren liegen. Daher würde ich schon noch gerne ein weiteres schreiben. Es ist definitiv noch Leben in den Figuren, dass sich eine Fortsetzung lohnt. Aber ich bin noch auf der Suche nach der richtigen Idee.

Die Premierenlesung zum neuen Band „Rotes Gold“ findet am Dienstag, dem 17. April, um 18.30 Uhr im Rahmen der „Mardis littéraires“ im Cercle Cité (Eingang: 3, rue Genistre) statt. Eintritt frei, Anmeldung unter Tel. 47 96-27 32 oder per E-Mail unter der Adresse bibliotheque@vdl.lu, „Rotes Gold“, Kiepenheuer & Witsch, 350 S., ISBN 978-3-462-04412-6, 9,40 Euro.