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Neue Serie lässt verliebten Stalker Böses tun
Der eigenbrötlerische Buchhändler Joe Goldberg (Penn Badgley) verliebt sich in die Autorin Guinevere Beck (Elizabeth Lail).

Neue Serie lässt verliebten Stalker Böses tun

Foto: Lifetime/Netflix
Der eigenbrötlerische Buchhändler Joe Goldberg (Penn Badgley) verliebt sich in die Autorin Guinevere Beck (Elizabeth Lail).
Kultur 1 2 Min. 20.01.2019

Neue Serie lässt verliebten Stalker Böses tun

Dating in Zeiten von Smartphone und Tinder – das kann ein veritabler Albtraum sein. Die Serie „You“ führt am Beispiel eines Stalkers die oberflächliche Welt der Sozialen Medien vor und entwirft ein ebenso ironisches wie treffendes Sittengemälde der Jeunesse Dorée im digitalen Zeitalter.

VON KATHRIN KOUTRAKOS - Wer verliebt ist, sagt mitunter Sätze, die leicht von der Zunge gehen und romantisch klingen, die aber – konsequent zu Ende gedacht – eine grauenerregende Dimension bergen. „Ich will nur das Beste für dich“, „Ich würde alles für dich tun“ oder, in schwerwiegenden Fällen: „Ich würde für dich töten“.

Greg Berlanti und Sera Gamble nehmen diese Sätze beim Wort und erzählen mit der Netflix-Serie „You“ eine nervenaufreibende Geschichte über Stalking und obsessive Liebe. Der attraktive, aber seltsam eigenbrötlerische Buchhändler Joe Goldberg (Penn Badgley) verliebt sich Hals über Kopf in Guinevere Beck (Elizabeth Lail), als sie durch seinen Laden schlendert.


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Stück für Stück sammelt er nicht nur jene Informationen ein, die sein Opfer leichtfertig im Internet hinterlässt, sondern fühlt sich auch berufen, das Leben der jungen Schriftstellerin zu „verbessern“: Wer seinem Liebling nicht guttut, wird getötet.

Unerwartete Wendungen

us dieser Anlage entwickeln die zehn virtuos erzählten Folgen der ersten Staffel ein komplexes Beziehungsgeflecht, das immer wieder unerwartete Wendungen nimmt. Die Serie nimmt dabei nicht nur ihre eigenen Genre-Anleihen – die romantische Komödie und den Psychothriller – aufs Korn, sondern auch die Lebenswelt ihrer Rezipienten. Herrlich gezeichnete Figuren haben hier ihren Auftritt, die sogar noch unter Lebensgefahr auf glutenfreier Kost bestehen und in ihren Facebook-Profilen jenen konstruierten Perfektionismus präsentieren, den die Hauptfigur mit Mitteln des Zwangs in der Realität einfordert.

Der Fokus wechselt zwischen der Öffentlichkeit der New Yorker Gesellschaft mit ihren jungen, zumeist reich beerbten Berufsjugendlichen und der latent belächelten, gänzlich analogen Welt der Bücher, in der entgegengesetzte Werte gelten: Wert, Sinn, Relevanz und Langfristigkeit.

Penn Badgley wurde unter anderem durch seine Rolle in "Gossip Girl" bekannt.
Penn Badgley wurde unter anderem durch seine Rolle in "Gossip Girl" bekannt.
Foto: Lifetime/Netflix

Und dann scheint auch immer wieder das echte Leben der echten Leute durch, mit all jenen Hässlichkeiten und Banalitäten, die in der digitalen Selbstdarstellung nicht vorkommen, etwa die drogenabhängige Nachbarin und ihr weitgehend sich selbst überlassener Sohn, dem Joe mit literarischen Klassikern den Weg aus der Wirklichkeit weist.

Zitate für Literaturliebhaber

Überhaupt, die Bücher: Dass der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ein Buchladen ist, wird kein Zufall sein – hier sind echte Literaturliebhaber am Werk. Nicht nur spielt die sinnliche Qualität historischer Bücher eine prominente Rolle, auch wird die Handlung immer wieder von literarischen Zitaten flankiert, die das Seriengeschehen in einen größeren Sinnzusammenhang einbetten. Von Mary Shellys Roman Frankenstein, in dem ebenfalls ein Mann das Beste will und das Schlimmste heraufbeschwört, bis zum Graf von Monte Christo, der den langen Atem erfolgreicher Rache lehrt.

Eine höhere Sinnebene, die den zumeist jungen ZuschauerInnen anscheinend wenig bedeutet. Auf dem Nachrichtendienst Twitter lässt sich aktuell die Diskussion verfolgen, in der Hauptdarsteller Penn Badgley seinen schwärmerischen Fans zunehmend ratlos ins Gewissen redet – sie träumen jetzt nämlich von der bedingungslosen Liebe eines Stalkers als romantische Idee.
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Alle Folgen von „You“ sind auf Netflix abrufbar.


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