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Neue Mediathek trainiert Hirn und Sinne
Kultur 6 4 Min. 04.10.2019

Neue Mediathek trainiert Hirn und Sinne

Eine öffentliche Médiathèque, die wie ein großes, gemütliches Wohnzimmer anmutet.

Neue Mediathek trainiert Hirn und Sinne

Eine öffentliche Médiathèque, die wie ein großes, gemütliches Wohnzimmer anmutet.
Foto: Guy Jallay
Kultur 6 4 Min. 04.10.2019

Neue Mediathek trainiert Hirn und Sinne

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Neu und voll mit Filmen, Musik und Sprachkursen: Die Mediathek im Neubau der BnL bietet neben 20.000 Titeln und drei Sprachkabinen auch einen Musiksaal und eine Virtual-Reality-Station.

Niedrige Couchtische, blauer Teppichboden und Stehlampen, große Ohrensessel, Flachbildfernseher und Kopfhörer. Es sieht gemütlich aus, ein bisschen wie in einem zu groß geratenen Wohnzimmer. Nur eben ein Wohnzimmer mit 20.000 CDs, DVDs, Zeitschriften und mehr. 

Beim Blick in die Regale entpuppt sich die Mediathek in der neu eröffneten Nationalbibliothek aber weniger als Freizeitzimmer denn als Muckibude für die grauen Zellen. Mit verschiedenen Trainingsmöglichkeiten. Neben Zeitschriften und Spielfilm-DVDs finden sich auch Hörbücher, Musik-CDs, Dokumentarfilme, Partituren und Sprachkurse.

„Sprachkurse werden viel ausgeliehen, Luxemburgisch ist besonders gefragt, aber auch Französisch und Englisch“, erklärt Marc Fritz, Leiter der Médiathèque. Für Luxemburgisch stehen pro Stufe, von Anfänger bis Fortgeschrittene, mehr als zehn Exemplare bereit. 

Wer will, kann sich auch andere Weltsprachen, die Sprachen kleinerer Volksgruppen oder exotische oder gar tote Sprachen erschließen: Unter den Kursen in mehr als 95 angebotenen Sprachen finden sich auch Lehrwerke für Mandarin, Russisch, Jiddisch, Esperanto, Latein, Vietnamesisch oder Yoruba.


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In drei kleinen, schalldichten Audiokabinen am Ende des Mediatheksaals können Nutzer die Lern-CDs und -DVDs dann in ein Abspielgerät einlegen und die Übungen laut mitsprechen – ohne dass jemand gestört würde. 

Für gemeinsame Diskussionen stehen in der gesamten Bibliothek elf Gruppenarbeitsräume mit Tisch, PC-Plätzen und einem Touchscreen zur Verfügung, einer davon in der Mediathek. „Wir wollten viele verschiedene Arbeitsräume anbieten, weil jeder Nutzer andere Bedürfnisse hat“, erklärt Fritz.

Noten direkt am Klavier spielen

Mehr Platz im neuen Gebäude macht es auch möglich, 267 Partiturenbücher dauerhaft aus dem Magazin zu holen und für die Benutzer sichtbar in die Regale zu stellen. Aber die Partituren können nicht nur durchforstet, sondern auch direkt vor Ort gespielt werden. 

„Das ist der Musiksaal, schallisoliert, das Klavier wird noch aufgestellt“, deutet Fritz auf den kleinen Saal direkt am Eingang der Mediathek, in den man durch ein Fenster hineinschauen kann. Hier können Pianisten direkt vom Blatt spielen.


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Man hatte zwar auf einen Flügel gehofft, zumal es der Platz hergebe, angeschafft wurde aber ein digitales Klavier. Auch eine Stereoanlage zum lauten Musikhören gehört in den Saal. Benutzer der Mediathek können aber nicht nur Fremdsprachen üben oder am richtigen Anschlag für diese oder jene Partitur feilen. Mittels VR-Headset lassen sich virtuelle Welten erleben. Die Idee, einen Sichtplatz für VR anzubieten, kam von Fritz. „Die Luxemburger Szene ist sehr aktiv und wird sich stärker entwickeln.“

Verschiedene Werke der virtuellen Realität hat Fritz unter anderem auf dem LuxFilmFest gesichtet. Schließlich gab es für das Team noch einen weiteren Grund, VR-Werke ins Programm zu nehmen. „Wir versuchen, alle Bereiche der Luxemburgensia abzudecken.“   

Innerhalb des Angebots, das permanent sein soll, haben luxemburgische Produktionen also Priorität. In der ersten Oktoberwoche geht es bereits los mit dem VR-Film „Forest Lounge“. „Der Film zeigt einen Quadratmeter luxemburgischen Wald gescannt und simuliert die vier Jahreszeiten, das ist beeindruckend“, sagt Fritz.

In puncto CDs schöpft die Mediathek, wie bei den Partituren auch, aus dem Fundus des Cedom. Das 1989 gegründete „Centre d'études et de documentation musicales“ konserviert alle luxemburgischen musikalischen Schriftstücke und verfügt über eine CD-Sammlung mit Werken von Orchestern, Ensembles, Interpreten und Komponisten, die in Luxemburg leben oder gelebt haben.

„Die CDs waren vorher im Gebäude Boulevard Roosevelt nicht so präsent, sondern standen im Untergeschoss.“ Wer sich durch diesen Bestand gehört hat, kann auf einer der, durch die BnL kostenlos zugänglichen, Datenbanken weitermachen. So bietet allein die Naxos-Musikbibliothek 180.000 Alben internationaler Künstler.

13.000 Spielfilme und Dokus zur Wahl

Unter den rund 5.000 DVDs mit fiktionalen Werken haben die Benutzer die Auswahl zwischen Stummfilmen, Klassikern, Festivalstreifen und Autorenfilmen.

In den Regalen stehen aufgereiht Filme von Pedro Almodóvar über Fritz Lang und Lars von Trier bis hin zu Orson Welles.   


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Neugierige, die sich für Dokumentarfilme interessieren, haben die Wahl aus gut 7.000 DVDs. „Dokumentarfilme über Kunst und Architektur sowie Porträts über Regisseure werden viel ausgeliehen“, bilanziert der Mediathek-Leiter. 

Anklang finde die Doku-Abteilung vor allem unter Schülern, Studenten, Lehrern und Professoren, nichtsdestotrotz werden insgesamt mehr Spielfilme ausgeliehen. Auch „Game of Thrones“ und „Narcos“ gehören zum Angebot. „Den Serienbereich haben wir aufgrund der großen Nachfrage in den vergangenen Jahren stark ausgebaut“, erklärt Fritz.

Während es einiges an Neuheiten in der Mediathek zu entdecken gibt, müssen sich die Nutzer an einem Punkt nicht umgewöhnen. Die Ausleihautomaten, an denen sie nun auch Titel der anderen Abteilungen selbst verbuchen können, kennen sie schon seit Ende 2016 – als diese in Form eines Pilotprojektes zuerst in der Mediathek eingeführt wurden.
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Der Musiksaal, der Gruppenarbeitsraum und die Audiokabinen können vor Ort oder online reserviert werden: https://booker.bnl.lu


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