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Neue Doku von Julie Schroell
Kultur 6 2 3 Min. 16.01.2020

Neue Doku von Julie Schroell

Julie Schroells Protagonisten hatten beim Dreh offensichtlich Spaß.

Neue Doku von Julie Schroell

Julie Schroells Protagonisten hatten beim Dreh offensichtlich Spaß.
Foto: Julie Schroell
Kultur 6 2 3 Min. 16.01.2020

Neue Doku von Julie Schroell

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
In „De Bauereblues“ machte sie sich durch die Landstriche Luxemburgs und fühlte den aussterbenden Landwirten auf den Zahn: Julie Schroell. Ihre jüngste Dokumentation, „Cuentos del rio“ („Raconte-moi le fleuve“ oder in etwa: „Flussgeschichten“), entstand unter schwierigen Bedingungen und mit viel Zeitaufwand in Nicaragua.
Foto: Calach Films

Es ist eine Arbeit zwischen den harten Realitäten um Nicaraguas Armut und der großen Kraft der (Bild-)Poesie geworden. Ab dem 16 Januar zeigt sie den Streifen beim Prager Film Award, für dessen Wettbewerb er ausgewählt wurde. 

Foto: Calach Films

Julie Schroell, machen Sie es sich bei Ihrem neuen Projekt nicht zu einfach? Einfach ein bisschen Kamera auf Theater spielende Kinder draufhalten, die von besseren Tagen träumen – und das im Kontrast zu dem Großprojekt der Reichen und Mächtigen, dem Nicaragua-Kanal ... 

Im Gegenteil. Dieser 90-minütige Film ist der schwerste, den ich je gemacht habe. Ohne die Unterstützung von Filmemachern vor Ort mit jahrzehntelanger Erfahrung wäre schon allein die Drehgenehmigung fast unmöglich gewesen. Die politische Situation ist schwierig; ohne viel Vertrauen zu den Menschen aufzubauen, geht gar nichts. Und die Vorstellungen von Zeit, Abläufen und Logistik sind einfach anders. Allein mit Ausrüstung an einen Ort zu kommen, ist schon eine Herausforderung und mit viel Aufwand verbunden. Man wird dort schnell krank, das Material geht wegen der Feuchtigkeit kaputt. Letztlich wurden es Jahre, bis es so abgeschlossen werden konnte. 

Aber inhaltlich droht er ein Klischee abzubilden: „arme Kinder gegen böse Industrielle und Politiker“ ... 

Ich gebe zu, dass ich diesem fast schon mythischen Kanalprojekt – es gab bisher 72 Versuche und alle sind gescheitert – und seinen Kontrasten auf die Spur kommen wollte. Spannend war aber vor Ort letztlich nicht die scheinbar ähnliche Geschichte – „Großprojekt nutzt arme Menschen aus mit dem Versprechen auf Arbeitsplätze und Wohlstand in einer strukturschwachen Region; und letztlich profitieren nur wenige, aber der Lebensraum Tausender und die Umwelt ist zerstört“ – einzufangen und erneut ins Kino zu bringen. 

Julie Schroell
Julie Schroell
Foto: Emil Hengen

Sondern? 

Ich bin in den Dörfern am Río San Juan unterwegs gewesen und bin den Menschen und 500 Jahren Geschichte, die sie oft kaum selbst kennen, dort sehr nahe gekommen. Neben der Armut und dem Wegzug vieler ins reichere Costa Rica in der Nachbarschaft gibt es kaum Bildungschancen und Möglichkeiten, sich mit der eigenen Identität zu beschäftigen. Ich wollte wissen, wie dieses Kanalprojekt die Menschen und ihre Lebensart geprägt hat – unabhängig davon, dass es bisher nicht realisiert worden ist. Es schwebt über den Menschen, die enteignet oder umgesiedelt werden können. Reale Folgen hat es schon: Durch die Hintertür des Kanalprojekts wird für ausländische Investoren ein Zugang zu Land und Ressourcen geschaffen – und das führte auch zu Protesten gegen die Diktatur von Daniel Ortega. 

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Und die Kinder, die Sie stark in den Fokus rücken?

In dem Dorf El Castillo bin ich auf die dortige Bibliothek gestoßen – und auf ein Jugend-Theaterprojekt und den Lehrer Yemn. Es war für mich klar, diesen Ort und Yemns Bemühungen um kulturelle Ausbildung und Gedankenfreiheit unbedingt zeigen zu müssen – und ich bin lange dort geblieben. So dokumentiere ich dann das Entstehen eines gemeinsam initiierten Projekts um die Geschichte der Region, bei dem die Kinder spielerisch und poetisch darin eintauchen. Und andererseits zeige ich die Geschichten der Familien, in denen die Kinder leben. 

Foto: Calach Films

Warum hat Sie das so gepackt und warum wollten Sie das europäischen Kinogängern mit so viel Engagement vermitteln?

Seit ich einen Bericht über die Fußball-WM in Brasilien gemacht habe, bin ich begeistert von dem Kontinent und wollte auch unbedingt etwas zur politischen und soziokulturellen Situation machen. Ich finde es toll, dem Kinopublikum diese Welt in Nicaragua, einem der ärmsten Länder der Welt, auf der Leinwand zeigen zu können. Die Botschaft, dass es wichtig ist, die eigene Geschichte zu kennen und Chancen auf Bildung zu haben, ist ganz universell. Leider hat Yemn aufgrund von Drohungen und Repressalien des Regimes inzwischen mit seiner Frau das Land verlassen müssen. 

Foto: Calach Films

Spontan erinnern die Darstellung der Kinder in den Masken und Ihre Bildsprache an Pol Cruchten ... 

Die Fantasie- und Traumwelt der Kinder wollte ich unbedingt zeigen. Sie leben sehr abgeschirmt vom Rest der Welt. Mythisches und Spiritualität haben einen hohen Stellenwert. Und zugegeben: Ich bin Pol Cruchten unter den Luxemburger Filmemachern wohl näher als anderen.

Foto: Calach Films

Den Film nun in Prag zeigen zu können ...

 ... ist toll! Es ist inzwischen das vierte Festival, das ihn aufgenommen hat. Und das Feedback zeigt mir, dass er sehr gut geworden und die lange Mühe wert ist. Der Markt ist leider für dieses Genre von langen kreativen Dokumentarfilmen nicht einfach und es hilft ihn gerade in so einem Umfeld zeigen zu können. 

Und wann werden die Luxemburger ihn sehen können?

Ich hoffe, dass es bald soweit ist. Optionen gibt es auf jeden Fall schon. 



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