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Neu in ZDFneo: "The Interceptor": Ungeschminkte Wahrheit
Grummelnd durch dunkle Abenteuer: Der stets schlecht gelaunte Spezialagent Ash (O. T. Fagbenie) jagt 
die Kleinkriminellen in London.

Neu in ZDFneo: "The Interceptor": Ungeschminkte Wahrheit

Foto: BBC/Des Willie
Grummelnd durch dunkle Abenteuer: Der stets schlecht gelaunte Spezialagent Ash (O. T. Fagbenie) jagt 
die Kleinkriminellen in London.
Kultur 2 2 Min. 03.04.2016

Neu in ZDFneo: "The Interceptor": Ungeschminkte Wahrheit

Zapping-Zeit: Unser TV-Kritiker Pit Thommes hat sich die nun in Deutschland anlaufende BBC-Serie "The Interceptor" angesehen - und würde es kaum mehr wieder tun.

Von Pit Thommes

„London Waterloo Station“ – ein Chaos an Zugreisenden. Hier soll ein unscheinbar wirkender Drogenkurier verhaftet werden; Auftragskiller, Prostituierte und Wirtschaftskriminelle haben diesmal keine Priorität. Der gewitzte Zollbeamte Tommy (Robert Lonsdale) vermasselt jedoch den Zugriff und es bleibt an Spezialagent Ash (O. T. Fagbenie), mit einem kräftigen Sprung den Kleinkriminellen doch noch festzunehmen.

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Der Zuschauer, der nach dieser ersten hölzernen Actionszene nicht abschaltet, wird in den kommenden Folgen mit weiteren Sprüngen – vermutlich sein Markenzeichen – von O. T. Fagbenie belohnt. Denn er ist „The Interceptor“, der Abfangjäger. Als Teil einer Spezialeinheit jagt er die Hintermänner des Drogenhandels und lässt kleine Fische für das große Ganze laufen.

„The Interceptor“ wird von BBC One als düstere Krimi-Serie inszeniert, die die ungeschminkte Wahrheit der organisierten Kriminalität aufzeigen soll. Sie beruht auf den Memoiren des ehemaligen Zollbeamten Cameron Addicott, der darin mit seiner Karriere abrechnet. TV-Serien-Schöpfer Tony Saint hat dafür sogar seine erfolgreiche Action-Serie „Strike Back“ eingestellt. Und eine zweite Staffel wird Mitte 2016 in Großbritannien anlaufen.

Plattitüde und Langeweile

Das deutsche Publikum muss sich zunächst mit den ersten acht Folgen auf ZDFneo begnügen. Der Sender wird einmal mehr seinem Anspruch gerecht, möglichst viele fremdsprachige Serien dem heimischen Publikum zugänglich zu machen.

Nur ist „The Interceptor“ kein wirkliches Vergnügen. Die Dialoge sind sowohl im Originalton als auch in der deutschen Synchronisation gänzlich uninspiriert. Alles klingt ernst und bedrohlich, ein Schema, das sich schnell erschöpft hat.

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Der Zuschauer ist bald über die flachen Witze und die gähnend langweiligen Einzeiler verstimmt. Mithalten kann nur noch die Mimik des Hauptdarsteller O. T. Fagbenie. Die ist stets stinksauer – ob er nun seine Töchter ins Bett schickt, seine Frau ob der Berufsrisiken belügt oder ein paar Verbrecher zusammenschlägt.

Einen überzeugenden Antihelden mimt man so nicht. Natürlich, „das Verbrechen nimmt Ash persönlich“. Völlig klar ist, dass die Spezialeinheit „jemanden mit seinen Fähigkeiten braucht.“ Aber solche Plattitüden fesseln keine Zuschauer an den Bildschirm. Selbst Ashs Team schafft es nicht über Action-Stereotypen hinaus. Die einzige Frau fährt selbstverständlich Motorrad, der männliche Kollege ist zunächst skeptisch, zollt Ash jedoch anschließend Respekt.

Wenig glaubhaft

Derart uninspiriert ist auch die Kameratechnik. Ob die Verfolgungsjagd in „Waterloo Station“ oder auf der Autobahn stattfindet – einen Überblick hat man als Zuschauer selten. Die Schnitte vermitteln frenetischen Aktionismus statt Dringlichkeit und hohes Tempo. Glaubhaft ist dieses Großbritannien abseits von Gartenidylle, Nachmittagstee und Queen nicht. Selbst der Lichtblick „Trevor Eve“, der Hauptdarsteller aus „Shoestring“ und „Waking the Dead“, kann als Oberbösewicht nichts mehr retten.

„The Interceptor“ reiht sich in die zahlreichen Fehlversuche europäischer Fernsehsender ein, mit amerikanischen Produktionen mithalten zu wollen. Die Spannung der Serien aus Übersee rührt eben auch von ausgezeichneten Drehbüchern her. Etwas „24“, „The Wire“ sowie eine Prise „Cold Case“ und „CSI“; die einzig ungeschminkte Wahrheit ist, dass billiger Abklatsch stets als solcher erkennbar bleibt.

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„The Interceptor“, britischer Krimi. Acht Episoden, ab donnerstags, 7. April, um 20.15 Uhr auf ZDFneo.