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Netflix-Serie "Cursed": Frau kann nicht immer alles retten
Kultur 2 3 Min. 16.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Netflix-Serie "Cursed": Frau kann nicht immer alles retten

Der „Held“ dieser Artus-Saga ist eine sie: Nimue (Katherine Langford) durchlebt mit ihrem magischen Schwert (Excalibur) so manches – auch blutiges – Abenteuer auf ihrem Weg zu Magier Merlin. Das Wasser spielt dabei gleich mehrfach eine wichtige Rolle.

Netflix-Serie "Cursed": Frau kann nicht immer alles retten

Der „Held“ dieser Artus-Saga ist eine sie: Nimue (Katherine Langford) durchlebt mit ihrem magischen Schwert (Excalibur) so manches – auch blutiges – Abenteuer auf ihrem Weg zu Magier Merlin. Das Wasser spielt dabei gleich mehrfach eine wichtige Rolle.
COURTESY OF NETFLIX
Kultur 2 3 Min. 16.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Netflix-Serie "Cursed": Frau kann nicht immer alles retten

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Gibt es etwas Ärgerlicheres, als im 21. Jahrhundert den Part der Frau in einem Heldenepos auf die Rolle der holden Maid zu reduzieren? Und wie! Nämlich, sie geradezu als Alibi zu missbrauchen - so wie in der Neuauflage der Artus-Saga bei Netflix, "Cursed".

Ein halbgebackenes, ausgiebig an „Game of Thrones“ und „The Lord of the Rings“ inspiriertes und von politisch korrekten Plattitüden nur so strotzendes Drehbuch soll als feministisch und demnach modern verkaufen werden – so versucht sich „Cursed“ im Reboot des Artus-Epos - und scheitert an seinen guten Vorsätzen. Und trotzdem schaut man immer weiter. Wieso eigentlich?

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Kaum hat die junge Fey Nimue (Katherine Langford, bekannt aus „13 Reasons Why“), bei einem Überfall der roten Priester ihr Heim (das sie als regelrechter Paria sowieso nie mochte) verloren, muss sie sich auf den abenteuerlichen Weg zu Magier Merlin (Gustaf Skarsgård als unterhaltsamer Trunkenbold) begeben, um den letzten Wunsch der ermordeten Mutter zu erfüllen und das magische Schwert Excalibur zu ihm zu bringen.

Dabei ist nicht nur der fanatische Ordensanführer Vater Carden (Peter Mullan) ein gefährlicher Gegenspieler, auch die unheimlichen und schwer kontrollierbaren Kräfte, die in der jungen Frau erwachen, und ihr wenig verlässlicher Verbündeter Arthur (Devon Terrell) erweisen sich als nicht wirklich hilfreich ...


Zu behaupten, dass General Mark Naird (Steve Carell, M.) es nicht leicht mit seiner "Space Force" hat, wäre schamlose Untertreibung.
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Gute Geschichte, aber... 

Gute Geschichten überdauern nicht nur die Zeit, sie überstehen auch noch die ungeschicktesten Hände, die sie anpacken bzw. trotz bester Absichten derart misshandeln. Die Saga des Königs Arthur und seines magischen Schwertes Excalibur ist genau so eine Geschichte.

Geradezu unverwüstlich sind sie, die Originale – die legendären Könige Uther Pendragon und Arthur, die edlen Ritter seiner Tafelrunde, der wohlwollende Magier Merlin und mal böse, mal gute Zauberinnen wie Nimue, Morgana und die Lady of the Lake – und ihre Geschichte, die alle Zutaten des Heldenepos vereint: große Gefühle und spannende Abenteuer.

...eine lahme Umsetzung

Besser gut kopiert, als schlecht erfunden, dürften sich auch Frank Miller und Tom Wheeler bei der Serien-Adaptierung ihrer parallel dazu entwickelten Graphic Novel-Idee gesagt haben. 


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Es ist dann auch nicht die Wahl der weiblichen Perspektive auf das Epos und die Frischzellenkur durch eine radikale Zeitgeist-Infusion, die so ziemlich alle aktuellen Themen zu fassen versucht, sondern die erzählerisch inkonsequente Ungleichheit mit der sie zusammengebracht werden, die „Cursed“ wie ein Fluch belegt.

Klischees? Check, check, check, ...!  

Als ob es ein von Wikipedia veröffentlichtes Handbuch der Politischen Korrektheit durchgeht, hakt das Drehbuch alle möglichen Themen eines nach dem andern ab: Der „Held“ ist eine Frau (Genderdebatte: check!), Arthur ist schwarz (Rassismusdebatte: check!), Nimue verliebt sich in den gesellschaftlichen Außenseiter Arthur (Teenie-Romanze mitsamt Kitsch- und Klischeefaktor: check!), Arthurs Schwester Morgana liebt eine Ordensschwester (LGBT-Aspekt: check!), das Naturvolk der Fae wird von den Menschen bedroht und vernichtet (Ökologie: check!), ein Inquisitions-mäßig herumwütender Priesterorden in blutroten Kutten zieht mit Kreuz, Schwert und Scheiterhaufen durchs Land (Religionsfanatismus:  check!) ...

All diese wichtigen gesellschaftlichen gar politischen Aspekte haben eine feinsinnigere Verarbeitung verdient, stattdessen sind sie nur Vorwand für eine Fantasy-Story, die sich in ihrer Bildsprache und Ästhetik schamlos bei „Game of Thrones“ und „The Lord of the Rings“ bedient, und dabei „kindergerecht“ mit „blutrünstig“ reimen lässt, was überhaupt nicht passt.

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Plattitüden, die trotzdem fesseln

Die Plattitüden häufen sich soweit an, bis am Ende die Emotionen des Zuschauers nicht mehr mit der Handlung ausschlagen, sondern regelrecht zur Flatline verkommen. Und doch sieht man auch dann noch munter weiter zu ...

Warum? Einfach, auch wenn dieses Abrattern im Akkord beschwerlich ist, hat „Cursed“ auch seine unterhaltsamen Momente und ist letztlich einfach zu sorgfältig gemacht, um nur so abzuspringen: Wer so mundgerecht portioniert, vermeidet jegliche Anstrengung beim Zuschauen. 

Und dann ist man einfach zu neugierig zu erfahren, was „Cursed“ als nächstes auftischt und verspürt stets Mitgefühl mit der armen Besetzung, die so dürftiges Material für ihre Figurenzeichnung bekommen hat.


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Dass in Produktion-Design, Kostüme und Effekte viel Geld investiert wurde, ist unschwer zu erkennen. Doch umgekehrt heiligen die Mittel hier nicht den Zweck, sondern machen das Ganze wenn schon nicht gut, zumindest erträglich. 

Erfolg dank Corona?

Dazu kommt dann auch ein anderer Aktualitätsaspekt der „Cursed“ zuspielt – nämlich, dass die Ausnahmesituation der Lockdown-Nachwehen den kasernierten Seriengucker wohl auch etwas nachsichtiger in Sachen Anspruch gemacht hat. Leichte Kost fürs Pandemie-geschundene Gemüt kommt da einfach gelegen: Nichts gelernt, aber schön abgelenkt!

Der Legende nach soll der mythologische König Arthur zurückkehren, wenn Britannien ihn am Ärgsten braucht. Sagen wir so: Trotz Corona und Brexit ist es scheinbar noch nicht soweit...

Alle zehn der zwischen 48 und 59 Minuten langen Folgen der ersten Staffel von „Cursed“ sind auf der Streamingplattform Netflix abrufbar. 

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