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Netflix: Das war diesmal nix
Kultur 1 2 Min. 27.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Netflix: Das war diesmal nix

Das Ermittlerpaar Kurt Grimmer (Felix Kramer / r.) und Erol Birkan (Fahri Yardim) ermitteln in einem Mordfall und geraten dabei ins Visier des organisierten Verbrechens.

Netflix: Das war diesmal nix

Das Ermittlerpaar Kurt Grimmer (Felix Kramer / r.) und Erol Birkan (Fahri Yardim) ermitteln in einem Mordfall und geraten dabei ins Visier des organisierten Verbrechens.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 27.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Netflix: Das war diesmal nix

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Die Netflix-Serie "Dogs of Berlin" zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Hauptstadt - und das insgesamt viel zu dick und trashig aufgetragen.

Die  Geschichte beginnt zwischen Plattenbauten. Eine Leiche wird hinter einer Hecke entdeckt. Der Tote ist nicht irgendwer – er war Fußballer, ein guter sogar: Der Superstar der Deutschen Nationalmannschaft Orkan Erdem. Nun muss sich das ungleiche Ermittlerpaar Kurt Grimmer (Felix Kramer) und Erol Birkan (Fahri Yardim) mit dem Fall beschäftigen. Während sich die Ermittler einen Weg durch einen Sumpf von kriminellen Clans, Neonazis und sozialem Elend bahnen, werden sie auch selbst zur Zielscheibe.

Auf dem Papier klingt der Plot nach dem Setting einer klassischen Krimiserie. Nach wenigen Minuten zeigt sich aber: klassisch will „Dogs of Berlin“ nicht sein. Das könnte gut sein, ist es aber nicht. Serienmacher Christian Alvart, der auch bereits die Nick Tschiller Tatorte mit Til Schweiger zu verantworten hat, neigt zu Übertreibungen, lässt die Serie ins Trash-Genre entgleisen.

Hölzern und eindimensional

Die Devise lautet: Hauptsache, heftig. Dabei sind aber nicht das viele Blut, die Drogen oder die verrohte Sprache das Problem. Der Haken dabei: es steckt nichts dahinter . Das führen einem auch die hölzernen Dialoge und die eindimensionale Figurenzeichnung immer wieder vor Augen.

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So auch die Rolle des Erol Birkan, einem homosexuellen Türken. Das könnte eigentlich als Teil des gesellschaftlichen Fortschritts gewertet werden – die sexuelle Ausrichtung dient aber nur dazu, die Figur abzugrenzen. Birkan wird beschimpft, diskriminiert und verprügelt. Damit will Christian Alvart aber keine Gesellschaftskritik üben. Denn andere, ganz alltägliche Aspekte werden in der Serie einfach verschwiegen. Derweil seinem Partner Kurt Grimmer mehrmals lange und detaillierte Sexszenen auf dem Bildschirm gegönnt werden, darf Birkan seinen Lebensgefährten nicht einmal zur Begrüßung umarmen – geschweige denn küssen.

Mit dem dicken Pinsel inszeniert

Überhaupt fällt es schwer, mit den Hauptfiguren mitzufiebern. Die sind nämlich alles andere als sympathisch – besonders Kurt Grimmer. Er ist ein ganzer Kerl, oder will das zumindest sein. Er betrügt nicht nur seine Frau, mit der er zwei kleine Kinder hat, sondern hat auch massenhafte Spielschulden. Dabei schreckt der ehemalige Neonazi auch nicht davor zurück, sich das Gesetz zurechtzubiegen, um seine eigene Haut zu retten. Aber auch Birkan ist kein Vorzeigepolizist. So hat er etwa keine Skrupel, einen Jugendlichen zu zwingen einen kriminellen, türkischen Clan zu bespitzeln.

Im Laufe der Folgen überschlagen sich die Ereignisse. Nebenhandlungen werden erzählt: Nationalspieler werden erpresst, zwei Banden bekämpfen sich, Neonazis trinken viel Bier und verprügeln Menschen.

Als Zuschauer wird man anfangs von der Action mitgerissen. Die Bilder sind aufwendig gefilmt, die Kamerafahrten dramatisch. Spätestens nach drei Folgen beschleicht einen aber das Gefühl, dass die Handlung sich im Kreis dreht. Die zweite deutsche Netflix-Serie nach „Dark“ überzeugt nicht. Ihr Hang zum Trashigen wird ihr ganz klar zum Verhängnis.

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Alle zehn Folgen sind auf Netflix aufrufbar.