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Neimënster wird zur Experimentierstube für Pol Belardi
Kultur 5 3 Min. 17.04.2021

Neimënster wird zur Experimentierstube für Pol Belardi

Pol Belardi gilt als Ausnahmetalent unter den Musikern.

Neimënster wird zur Experimentierstube für Pol Belardi

Pol Belardi gilt als Ausnahmetalent unter den Musikern.
Foto Luc Deflorenne
Kultur 5 3 Min. 17.04.2021

Neimënster wird zur Experimentierstube für Pol Belardi

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Mit dem Residenzstart im Kulturzentrum eröffnen sich für den Jazzer neue Möglichkeiten.

Ein kleines Paradies hat sich da für Pol Belardi aufgetan. Er darf eine zweijährige Residenz – unter anderem mit Mitteln aus dem Sonderfond von „Neistart Lëtzebuerg“ – im Kulturzentrum Neimënster antreten. „So insgesamt werden es innerhalb von zwei Jahren etwa 150 Tage sein, die ich hier arbeiten werde. Und das mit unglaublichem Support aller Abteilungen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen – ob Technik oder Marketing. Das ist für mich als Musiker in dieser Form in Luxemburg absolutes Neuland“, sagt er.

Im eigens eingerichteten Atelier: Pol Belardi darf in Neimënster experimentieren.
Im eigens eingerichteten Atelier: Pol Belardi darf in Neimënster experimentieren.
Foto: Luc Deflorenne

Belardi ist kein Neuling, aber als Multiinstrumentalist, Komponist und Arrangeur unter den nachgewachsenen Jazzern herausstechend. Das zeigt sich nicht nur in den Einladungen, in verschiedensten Combos mitzuspielen, sondern auch in der Unterschiedlichkeit und Bandbreite der eigenen Projekte.

Scheinbar hat jemand wie er doch schon längst alles ausgetestet, was er immer schon einmal machen wollte. Das Gegenteil aber ist offenbar der Fall. Hier in dem von Neimënster eigens eingerichteten und akustisch perfektionierten Raum will und darf er forschen – und genau das war auch das Ziel dieser längerfristigen Engagements, die die Kulturpolitik auf den Druck der Szene als Karriereentwicklungsmöglichkeiten immer mehr forciert.

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Die Corona-Sonderhilfen wurden dann auch zum Teil schon so grundsätzlich vom Kulturministerium eingerichtet. Dazu kommen Mittel eben von Neimënster und auch von der Stadt Luxemburg. Ganz davon ab, dass sich Neimënster, so lassen sich Statements von Leiterin Ainhoa Achutegui in den letzten Jahren zusammenfassen, mit der Form der Residenzen als Unterstützung immer deutlicher auch unter den Kulturzentren herausheben will. Die inzwischen abgeschlossene Residenz der Tänzerin Anne-Mareike Hess ist da ein Beispiel.

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„Es fühlt sich einerseits wie ein Büro an, in das ich immer wieder punktuell fahren kann, um kreativ zu arbeiten. Ich kann dazu alle möglichen Technikkomponenten von Neimënster wie Monitorboxen anfragen. Und andererseits kann ich sogar auf die Appartements der Abtei länger zurückgreifen, wenn ich wie in den Ferien jetzt, in denen andere Engagements und Lehrtätigkeiten ruhen, arbeiten möchte. Und ich kann auch Experten und Helfer einladen, um mich zu unterstützen und einen kreativen Austausch zu haben. So entstehen quasi zeitliche und räumliche Inseln, die ich auch nutzen möchte. Es sind ja auch noch andere Künstlerinnen und Künstler hier. Man begegnet sich fast automatisch. Und es ist auch gut und oft sehr hilfreich, wenn man mal Sachen verbalisiert, sie im Dialog mit anderen hinterfragt – anstatt ganz isoliert zu sein.“

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Zwischen viel Freiraum und selbst gemachtem Druck

Wer mit Belardi spricht, merkt, wie viel Dank da mitschwingt und dass er sich diesem großen Entgegenkommen und Vertrauen in seine Arbeit als würdig erweisen will. Die ersten Tage habe er sich deswegen schon auch selbst unter Druck gesetzt, gibt er zu. Das bewusste Scheitern, um daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln, ist aber auch Teil des Konzepts. „Letztlich soll der Kreativität entspannt Raum gegeben werden“, sagt Belardi.

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Ein echtes Scheitern kommt für den Jazzer nicht in Frage, eher ein sehr bewusstes Wegwerfen von Ideen in verschiedenen Phasen.


Interview Pol Belardi, Crauthem, le 07 Mars 2017. Photo: Chris Karaba
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Kein Stillstand, immer weiter, immer neue Projekte: Jazzer Pol Belardi kämpft um mehr Aufmerksamkeit für seine Arbeit – auch wenn er dabei fast bedingungslos an seine Grenzen geht.

„Ich hab mir verschiedene Rahmen gesetzt. Erst möchte ich mal ein Repertoire für ein Solo erarbeiten; und die Challenge ist, dass ich nachher allein auf der Bühne sein werde. Das ist das Ziel der ersten Phase, weil ich das noch nie gemacht habe. Davor habe ich schon Respekt, weil das eine ganz andere Herangehensweise ist, als die, in der ich sonst arbeite. Ich arbeite ja sonst viel mit anderen zusammen. Ganz allein zu spielen und zum Beispiel auch zu singen – das ist eine komplett andere Richtung. Auch stilistisch will ich einiges ausprobieren. Und dann in der zweiten Phase, das ist auch quasi der Abschluss der Residenz, will ich das zu einem großen Projekt mit fast schon orchestraler Besetzung ausbauen. Das ist der bisherige Plan.“

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Melancholische Nuancen seien in diesen ersten Tagen zum Vorschein gekommen – und anderseits „fast schon discoartige Electronic Beats, zwei Nummern für Klaviertrio“, sagt Belardi, als wenn das selbstverständlich wäre. Ich habe einfach mal versucht im Moment zu sein und genau das auf Band zu bringen, worauf ich gerade Lust hatte.“

Pol Belardi -  hier am Bass -  soll bewusst Freiraum für die Kreativität bekommen.
Pol Belardi - hier am Bass - soll bewusst Freiraum für die Kreativität bekommen.
Foto: Luc Deflorenne

Ein Zufall ist, dass ein im letzten Jahr abgesagter Auftritt von Belardi – diesmal als Bassist mit dem Gitarristen Yuri Rhodenborgh, dem Saxofonisten Pierre Cocq-Amann, Jérome Klein am Klavier und Pit Dahm am Schlagzeug, genau jetzt in Neimënster nachgeholt wird. An diesem Sonntag, dem 18 April, wird um 11 Uhr nicht nur vor Ort gespielt, sondern die 60-minütige Session über Facebook, YouTube und dem Kulturkanal Kuk übertragen. Und wer weiß? Vielleicht ist da ja schon ein neuer Einfluss bei Belardi spürbar. Thema ist: „Pol Belardi’s Childhood Memories – Gaming Soundtrack Revisited“.


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POL BELARDI'S URBAN VOYAGE - Belval