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Mut und Kraft zu Neuem
Kultur 3 4 Min. 02.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Mut und Kraft zu Neuem

William Cardoso (ob.) darf sich beweisen: Der 26-Jährige kann erstmals eine eigene Choreografie erarbeiten.

Mut und Kraft zu Neuem

William Cardoso (ob.) darf sich beweisen: Der 26-Jährige kann erstmals eine eigene Choreografie erarbeiten.
Foto: Marco Pavone
Kultur 3 4 Min. 02.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Mut und Kraft zu Neuem

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Warum der Werkstatt-Abend „3 du Trois“ mehr als ein Zeichen für das Publikum ist

Die kommende Ausgabe der monatlichen Werkstattveranstaltungen des Tanzzentrums Trois C-L wird zum Mutmacher. Sie ist dabei nicht nur ein Zeichen für das Publikum, besonders für die Künstler selbst ist das eine echte Wegmarke.

Warum? Weil das Trois C-L gleich in mehrerer Hinsicht Türen aufstößt. Hilfe zur Selbsthilfe ist die Devise, ob für ausländische Gäste wie Moritz Ostruschnjak oder inländische Talente wie William Cardoso, der erste Choreografie-Erfahrung sammeln darf. 


Georges Maikel Pires Monteiro‘ „It Gets Better“ überzeugte die Jury des Wettbewerbs mit seinem Ausdruck.
„Dance from Home!“: Getanzte Antworten auf die Krise
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Und bei Rémy Pagard lässt sich schauen, ob sein mit dem Publikumspreis des Wettbewerbs „Dance From Home“ ausgezeichneter Beitrag auch in der Livefassung so gut funktioniert (alle Videos des vom Trois C-L im Covid 19-Lockdown veranstalteten Wettbewerbs sind auf der Webpräsenz des Kulturkanals KUK unter www.kuk.lu abrufbar).

Wer auf Einladung des Trois C-L beim Presse-Mittagessen auf Ostruschnjak und Cardoso im Rahmen ihrer aktuell laufenden Residenzen treffen darf, begegnet zwei Männern, die auf den ersten Blick völlig unterschiedlich wirken. Was sie allerdings eint, ist der passionierte Wille, mit ihrer kreativen Arbeit neue Felder abzustecken, tief in den Zeitgeist einzutauchen und Aspekte mit ihren Choreografien auf ganz unterschiedliche Weisen zu betonen und hervorzuheben, dabei ihre Einsichten neu zu kombinieren, ihnen ein dramaturgisches Konzept zu geben und mit dem Ausdrucksmittel des Körpers in eine besondere künstlerische Form zu fassen.

Moritz Ostruschnjak.
Moritz Ostruschnjak.
Foto: Lex Kleren

Oder wie Bernard Baumgarten, Leiter des Tanzzentrums, betont: Hier werde der Künstler auf die Basis zurückgeworfen und hinterfragt. Zwar könnten Kostüme, Licht, Video und Musik die Aussagen verstärken – aber die grundsätzliche Arbeit müsse immer noch im Tanz und der direkten Umsetzung des Themas mit dem Körper liegen; und obendrauf müsse das wenn nur möglich originell sein.

Drängende Fragen und neue Einsichten

Im direkten Gespräch nehmen beide das nicht als Bürde, sondern als große Chance wahr. Ostruschnjak ist kein neues Gesicht unter den Gästen des Trois C-L. Im Gegenteil. Der sonst in München lebende und arbeitende Künstler hat schon die Möglichkeiten des internationalen Tanz-Netzwerks „Grand Luxe“, zu dem auch das Trois C-L gehört, nutzen können. Und er kommt gerne nach Luxemburg zurück. „So ein Forum zum Arbeiten gibt es in Deutschland nicht. Es hilft sehr, in einer kollegialen Atmosphäre neue Projekte hinterfragen zu können.“

Video: Unstern ist eines der letzten Projekt von Ostruschnjak - ein Fingerzeig für seine neue Arbeit?

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Denn leicht ist sein Thema nicht: Er konfrontiert sich mit gleich zwei Strängen – einerseits mit dem Internet als Medium und den Sprüngen zwischen unterschiedlichen medialen Einflüssen auf den Tanz und andererseits den Tendenzen der deutschen Gesellschaft, in der Radikalisierungen und antidemokratische und rechtspopulistische Haltungen an Zulauf gewinnen. Diese Art Collage zwischen Tanz und gesellschaftlicher Beobachtung – beiderseits starke Reibeflächen in Tiefe und Kontrast – soll im Januar 2021 seine Premiere in München feiern.

William Cardoso betont immer wieder bescheiden, wie besonders es sei, als junger Tänzer schon eine erste eigene Choreografie ausarbeiten zu dürfen: „Freunde aus der Szene würden das auch gerne machen können, aber in ihren Ländern ist das viel schwieriger.“ Scheitern dürfe er sogar – wenn er dadurch hoffentlich etwas lerne, so Baumgarten. Cardoso aber bekommt Rückhalt. Ob von Sarah Baltzinger oder anderen Luxemburger Tänzerinnen und Tänzern, mit denen er schon auf der Bühne stand. In seiner Arbeit „Raum“ geht er auf die Suche in der geheimnisvollen Erfahrung des Schlafens und Träumens; und er hinterfragt diese Phase, in der der Geist eine ganz eigene, kaum kontrollierbare Dynamik entfaltet.

 William Cardoso hier in einer Arbeit mit Jill Crovisier:

Mutmachende Entwicklungen für die Szene beobachtet aber auch Bernard Baumgarten im sich immer stärker abzeichnenden Projekt „Kultur:LX“. Baumgarten sitzt im Verwaltungsrat des Vereins, der das kommende Etablissement Public aufbauen soll und erste Schritte zur Bündelung der Förderaktivitäten aller Kultursparten – bis auf den Film – setzt.


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„Ich finde schon, dass sich bisher alle Sparten gleichberechtigt an dem Projekt, das die Szene sicher verändern wird, beteiligen. Und das allein ist schon ein wichtiger Schritt und der Aufbau des späteren Etablissement Public eine der spannendsten Wegmarken der letzten Jahre.“


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