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Mudam reflektiert über Kunst als gekauften Dienst
Kultur 1 2 Min. 16.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Mudam reflektiert über Kunst als gekauften Dienst

Adam Linder blickt in fünf Performances auf die ökonomischen Zusammenhänge von Tanz und Geld.

Mudam reflektiert über Kunst als gekauften Dienst

Adam Linder blickt in fünf Performances auf die ökonomischen Zusammenhänge von Tanz und Geld.
Foto: Allie Foraker
Kultur 1 2 Min. 16.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Mudam reflektiert über Kunst als gekauften Dienst

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Fragen über den uns umgebenden Raum aufwerfen und Tanz nicht nur als Kunst, sondern als Dienstleistung begreiflich machen: Im Mudam sind Werke der iranischen Künstlerin Nairy Baghramian und des australischen Choreografen Adam Linder zu erleben.

Die iranische Künstlerin Nairy Baghramian hat mit „Privileged Points“ drei Varianten einer Skulptur geschaffen. Sie sind monumental, geschwungen und scheinen vor und im Mudam vor den Augen des Betrachters zu schmelzen. 

Weder sind es Auftragswerke, noch reichte die Künstlerin Entwürfe ein.


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„Das impliziert immer eine Stelle, an der Korrekturen möglich sind“, erklärt sie. „Man hofft, dass der Künstler noch anpasst, aber eine Skulptur braucht Unsicherheiten.“ 

Baghramian aber will Raum für Mehrdeutigkeit lassen. Daher ist ihre Skulptur im Mudam auch nicht exakt in der Mitte der Halle positioniert.

„Privileged Points“ von Nairy Baghramian scheint vor den Augen der Betrachter zu zerfließen.
„Privileged Points“ von Nairy Baghramian scheint vor den Augen der Betrachter zu zerfließen.
Foto: Chris Karaba

„Sie steht leicht außerhalb des Zentrums, denn sonst hätte das Zentrum schon alle Fragen beantwortet.“ In den drei Skulpturen von Baghramian treffen Tradition und Moderne aufeinander: Die Kunstwerke sind aus Bronzestücken, dem klassischen Stoff für monumentale, bildhauerische Kunst, gegossen und zusammengeschweißt.

Zum Abschluss wurde mit Industriefarbe auf Epoxidharz, dem modernen Schmuck der allgegenwärtigen Industriekultur, bemalt. 

Nairy Baghramian nahm im Jahr 2011 an der 54. Biennale in Venedig und 2017 an der documenta 14 in Kassel teil.
Nairy Baghramian nahm im Jahr 2011 an der 54. Biennale in Venedig und 2017 an der documenta 14 in Kassel teil.
Foto: Chris Karaba

Mit der im Iran geborenen und seit den frühen 80ern in Berlin lebenden Künstlerin hat Mudam-Direktorin Suzanne Cotter bereits während ihrer Amtszeit im Serralves Museum in Porto zusammengearbeitet.

Die Skulptur in der Halle des Mudam ist eine Neuerwerbung, die beiden hinter dem Mudam, vor dem Eingang des Dräi Eechelen, sind Leihgaben. Während die Skulpturen draußen die Wiese der ehemaligen Festung mehr nach einem Museumsareal aussehen lassen, soll die Skulptur im Inneren den Besucher begrüßen.

Tanz als Wirtschaftsprodukt

Der australische Choreograf Adam Linder verfolgt einen anderen Ansatz. Seine fünf Tanzkreationen gehen der Frage nach, welche Bedeutung Performances als wirtschaftliche Dienstleistung haben. 

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„Im Theater findet Tanz in einer formalen Situation statt, der wirtschaftliche Rahmen ist durch Eintrittsgelder und Zeitdauer der Aufführungen festgesetzt“, erklärt Linder, der bereits viel für das Theater choreografiert hat.

Mit den 2014 entstandenen Werken will er die ökonomische Seite der Tanzdarbietung klar herauskehren. „Tänzer sind immer Arbeiter im Dienstleistungssektor, die Theatererlebnisse schaffen.“ Um diese Ausgangsidee der Performances umfassend umzusetzen, hängen daher auch die echten Verträge zwischen Künstler und Kunsthaus an den Wänden des Museums.

Choreografiereigen bis zum 27. Februar

Linder lebt in Los Angeles und bekam dort vor drei Jahren für sein Bühnenstück „Kein Paradiso“ den Mohn Award des Hammer Museums. Dass die Aufführung aller fünf „Full Service“-Performances im Mudam die erste Darbietung der kompletten Serie in Europa ist, ist laut Mudam-Leiterin Cotter „ein Privileg“.

Adam Linder ist für Mudam-Direktorin Suzanne Cotter „einer der interessantesten Choreografen unserer Zeit“.
Adam Linder ist für Mudam-Direktorin Suzanne Cotter „einer der interessantesten Choreografen unserer Zeit“.
Foto: Chris Karaba

Die fünf Darbietungen „Some Cleaning“, „Some Proximity“, „Some Riding“, „Some Strands of Support“ und „Dare to Keep Kids Off Naturalism“ finden zeitlich versetzt und teils überschneidend statt. Inklusive Linder, welcher den Choreographic Service No. 2 und 3 mitbestreitet, treten insgesamt zehn Tänzer auf.

Der Choreografiereigen endet am 27. Februar mit „Dare to Keep Kids Off Naturalism“. Wer alle Performances sehen will, kommt also mehrfach ins Mudam.
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Fünf Performances von „Full Service“ sind im Mudam bis zum 3. März zu sehen, mit einem Pass für 15 Euro erwirbt der Besucher fünf Eintritte. Nairy Baghramians drei Skulpturen „Privileged Points“ werden bis zum 22. September im und um das Museum gezeigt.


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