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„Mit Sylvia werden wir weiterarbeiten“
Kultur 1 5 Min. 22.04.2018

„Mit Sylvia werden wir weiterarbeiten“

Sylvia Camarda als tanzendes Hologramm.

„Mit Sylvia werden wir weiterarbeiten“

Sylvia Camarda als tanzendes Hologramm.
Foto: Ole Jürgens/Signed Media
Kultur 1 5 Min. 22.04.2018

„Mit Sylvia werden wir weiterarbeiten“

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der Arte-Geschäftsführer, Wolfgang Bergmann, sieht Potenzial im Austausch mit Luxemburg und dem „neuen Gesicht“ Sylvia Camarda, die Protagonistin der Sendung "Move!"

Er ist Geschäftsführer der Arte Deutschland TV GmbH und Arte-Koordinator beim ZDF: Wolfgang Bergmann hat vielen Formaten auf den Weg geholfen. Nach der ersten Staffel von „Move!“ soll die Arbeit nicht nur mit Sylvia Camarda weitergehen.

Herr Bergmann, warum hat es so lange gedauert, bis Arte Luxemburg und seine Persönlichkeiten wie Sylvia Camarda entdeckt hat?

Wir haben weder auf Ort noch Nationalität geachtet, sondern das ist wie immer in der Kunst, im Fernsehen oder im Film erst einmal eine Sache von Begegnungen und künstlerischen Zusammenhängen. Die Tatsache, dass uns das jetzt nach Luxemburg geführt hat, ist natürlich eine doppelte Freude.

Strahlende Gesichter: Sylvia Camarda (l.) und Wolfgang Bergmann im Cercle Cité bei der Vorstellung des Projektes „Move!“.
Strahlende Gesichter: Sylvia Camarda (l.) und Wolfgang Bergmann im Cercle Cité bei der Vorstellung des Projektes „Move!“.
Foto: Chris Karaba

Berechtigt ist diese Frage aber insofern, weil Arte und Luxemburg extrem gut zusammenpassen und wir deshalb sehr intensiv darüber nachdenken, wie wir Arte in Luxemburg bekannter machen können und intensiver zusammenarbeiten können. Ich habe den Besuch unter anderem auch zum Anlass genommen, mit Leuten aus dem Business direkte Gespräche zu führen. Und wir sind guter Hoffnung, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.

Was heißt denn in diesem Fall Zusammenarbeit konkret?

Die Beispiele machen es vor: Mit „Bad Banks“ gab es ja schon eine enge Kooperation und Koproduktion – mit Arte sogar als Urheber in der Entwicklung. „Move!“ schließt sich daran an. Ergebnis ist der Erfolg beider, den wir heute feiern können.

„Move!“ ist doch noch gar nicht ausgestrahlt, aber es ist für Sie jetzt schon ein Erfolg?

Für mich ist es jetzt schon ein Erfolg. Hier sind die Auflösung einer gar nicht einfachen Fragestellung und ein schwieriges Konzept in hervorragender Weise aufgegangen. Und das hat an allererster Stelle mit Sylvia Camarda zu tun.

Wie lautete denn diese Fragestellung?

Es ist ja kein Tanzmagazin, sondern es ging um die Frage, ein Bewegungsscape in unterschiedlichen Aggregatzuständen des Seins zu erstellen. Begriffe, Zustände, Ängste – was tut das mit dem Körper, was tut das mit Bewegung, was tut das mit dem Einzelnen, was tut das mit der Gesellschaft, wie bewegt sich Masse – und das eben im Zusammenhang mit Tanz zu sehen. Ich glaube, dass diese Filme ganz viele Punkte enthalten, die den zeitgenössischen Tanz besser verständlich machen. Es ist eben nicht „l’art pour l’art“, was in verwirrten Köpfen, den Elfenbeintürmen und in dunklen Theatern entsteht; moderner Tanz hat, wie wenige andere Kunstformen, ganz extrem mit dem real existierenden Leben, mit den Befindlichkeiten, mit Zuständen der Gesellschaft und des Einzelnen zu tun.

Und doch wird der zeitgenössische Tanz vielfach abgelehnt ...

Das empfinde ich nicht so. Ich kann das auch nicht bestätigen. Wir haben viele Jahre auf Arte den zeitgenössischen Tanz verfolgt. Ich selbst habe viele Jahre mit Alain Platel, Sasha Waltz und Pina Bausch zusammengearbeitet und eine Vielzahl von Choreografien verfilmt oder Kinofilme wie „Pina“ von Wim Wenders mitinitiiert – und das sind allesamt Publikumserfolge auch bei Arte. Ich erlebe, dass dieses visuelle und kraftvolle Medium zeitgenössischer Tanz ein dankbares Sujet für den Film und das Fernsehen ist. Und ich würde mir viel mehr solcher Arbeiten wünschen. Aber natürlich, und das sieht man ja bei Jan Fabre in der Sendung: Tanz kann auch verstören. Das will Fabre ja auch. Er will Muster zeigen, Gefühle aufbrechen – und deswegen ist er auch umstritten und hat sicher nicht nur Freunde. Aber das gehört zu guter Kunst dazu.

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Wie kann denn „Move!“ dabei helfen, zumindest die Hemmschwelle zu senken?

Ich glaube, in dem es ganz nah bei den Menschen und ihren Alltagserfahrungen anfängt. Indem es erklärt – wie in der Folge „Fließen“ – wie ein Aggregatzustand von Materie, Wasser als wesentlicher Bestandteil unseres Körpers zum Beispiel, unseren Bewegungsapparat und damit den Tanz inspiriert. Ich glaube, das gibt dem Publikum gute Hinweise, wie Arbeiten auf der Bühne zu entschlüsseln sind. Oder denken Sie nur an die Szene, in der der Tango mit Balzszenen aus der Tierwelt in Verbindung gebracht wird. Das sind simple Analogieschnitte, aber natürlich richtig. Sie erzählen etwas, was man auf den ersten Blick begreift. Diese Serie liefert ein Füllhorn von Erkenntnissen, und am Ende des Tages macht sie einfach Spaß.

Was kostet eine Folge „Move!“?

Das sind etwa 45 000 Euro pro Folge. Das kann man aber eben nur darstellen, in dem man eine Sechser-Staffel produziert.

Waren Ihre Eingangsworte bei der Vorpremiere im Luxemburger Cercle Cité quasi schon eine Bestätigung einer neuen Staffel?

Ob das eine zweite Staffel wird, die nahtlos daran anknüpft oder ob wir das modifizieren, haben wir noch nicht entschieden. Was ich gesagt habe – und dazu stehe ich – ist, dass wir in jedem Fall mit Sylvia Camarda weiterarbeiten werden, weil die Zusammenarbeit unglaublichen Spaß gemacht hat und weil sie eine ganz ungewöhnlich talentierte Präsentatorin ist; sie ist ein Unikat. Es gibt niemanden, der eine solche On-Präsenz hat und gleichzeitig über so viele Fähigkeiten verfügt und dazu noch eine kraftvolle Freundlichkeit ausstrahlt. Mit ihrem Ausdruck – ob in mehreren Sprachen oder durch die Bewegung – schafft sie es, Brücken für unser europäisches Publikum zu schlagen. Und das macht sie zu einem außergewöhnlichen Arte-Gesicht.