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Mit Herbert Knebel anarchisch durch die Rente
Uwe Lyko alias Herbert Knebel setzt auch in Marnach auf Spiellust. Wurstfirmen hingegen erteilt er generell Absagen.

Mit Herbert Knebel anarchisch durch die Rente

Foto: Thomas Willemsen
Uwe Lyko alias Herbert Knebel setzt auch in Marnach auf Spiellust. Wurstfirmen hingegen erteilt er generell Absagen.
Kultur 3 4 Min. 15.05.2019

Mit Herbert Knebel anarchisch durch die Rente

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Das Leben schreibt nun mal die besten Witze: Komiker Uwe Lyko verwandelt seine eigene Ungeduld in aberwitzige Geschichten - seine Kunstfigur Herbert Knebel hilft ihm dabei. Am kommenden Samstag tritt Lyko, alias Knebel, im Cube 521 in Marnach auf.

Um schroffe Kommentare und herzliche Seitenhiebe ist Herbert Knebel nie verlegen. Der Rentner aus Essen erklärt sich als anarchischer Trinkhallenphilosoph die Welt, so, wie sie ihm einleuchtet. Und am kommenden Samstag kann das Publikum daran teilhaben, wenn Komiker Uwe Lyko als Opa Knebel mit seinem Soloprogramm „Im Liegen geht's“ im Cube 521 in Marnach auftritt. Lyko hat seine Kunstfigur 1988 zum ersten Mal auf eine Bühne gelassen, als er und andere Komiker die Kabarettgruppe „Herbert Knebels Affentheater“ gegründet haben. 

Uwe Lyko, Ihre Kunstfigur Herbert Knebel spricht Niederrheinisch. Können Bayern und Luxemburger da genauso lachen?
Der Slang, den ich spreche, ist eine Mischung aus Ruhrgebiets- und Niederrheinerdialekt. Aber ja, ich habe mit meinem Dialekt den Vorteil, dass er dem Hochdeutschen noch sehr verwandt ist, bis auf die Einfärbungen mit dat, wat, hömma, kumma und samma. Die Leute aus dem Ruhrgebiet kann man, im Gegensatz zu Niederbayrisch oder Schwäbisch, immer noch sehr gut verstehen. Und die Themen könnten überall spielen.

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Was erwartet das Publikum bei Ihrem Soloprogramm?
Der Knebel ist in erster Linie ein Geschichtenerzähler, nicht der klassische Witze- und Pointentyp. Der Witz ergibt sich aus dem Zusammenhang der Geschichten, weil ich mich in aberwitzige Situationen begebe und ich selbst mein eigener Nährboden für den Witz bin; die eigene Unzulänglichkeit und die eigene Ungeduld sind ein guter Humus für den Knebelhumor.
Das Ganze wird durch die akustische Gitarre von Ozzy Ostermann begleitet, allein seine beiden Soloeinlagen lohnen sich. Er ist ein exzellenter Gitarrist, da gibt es keinen Höflichkeitsapplaus, sondern Johlen und Stampfen. Ich singe auch ein paar Nummern, aber es ist wortlastig.

Ich habe mehr Freiheiten als viele Kollegen. 

Und wie funktioniert die Arbeit mit dem Affentheater?
Wir sind ein Autorenteam von drei Leuten und arbeiten seit 26 Jahren zusammen. Als eingespieltes Team treffen wir uns einmal in der Woche und überlegen. Meistens fällt uns was ein oder einer hat etwas erlebt, das auch gut dem Knebel passiert sein könnte. Da kommt eigentlich immer wat halbwegs witziges raus.


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Sind Sie im Solo konzentrierter oder eher eingeschränkt, weil Ihnen der Sparringspartner fehlt?
Eigentlich ist die Konzentration größer, wenn ich mit dem Affentheater spiele. Weil ich da viel singe, Gitarre und Ukulele spiele, muss ich viele Arrangements im Kopf haben. Bei Ensemblenummern kann man nicht improvisieren, da ist der eine auf das Stichwort des anderen angewiesen.
Wenn ich solo mal einen Hänger habe oder eine Passage überspringe, komme ich allein besser raus, ohne dass es das Publikum merkt. Ich mache es aber nicht mit links, ich muss mich konzentrieren und kompaktere Texte vorher durchgehen, wenn ich länger nicht solo aufgetreten bin.

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Den Knebel haben Sie 1988 erfunden. Wieso ist er so langlebig?
Ja, forever young, äh, old. Wir, also unser Autorenteam, schauen, dass wir zeitgemäß bleiben und neue Themen, die entstehen, in unsere Programme aufnehmen. Als wir anfingen, waren Internet oder E-Bike kein Thema. Zudem haben wir immer viel Musik gemacht, haben vorwiegend Songs aus den 60ern und 70ern gecovert und sind als ziemlich gute Rockband rübergekommen. Das wissen die Leute zu schätzen. Und wir haben nach wie vor große Lust, zu spielen, das überträgt sich von der Bühne ins Publikum.


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Gab es dennoch Momente, in denen Ihnen der Knebel lästig war?
Nein. Ich habe gegenüber vielen anderen Kollegen, die sich spielen, was völlig legitim und keine Kritik ist, den Vorteil, dass ich eine Kunstfigur habe. Ich kann unterschiedliche Musikstile singen, Jazz, Oper, Heavy Metal, das nimmt dem Knebel keiner übel, weil er sich von Anfang an nicht darum gekümmert hat, was für einen Rentner authentisch ist und was nicht. Ich habe mehr Freiheiten als viele Kollegen. Langeweile ist lange nicht in Sicht.

Schaut man auf Youtube nach den beliebtesten Knebel-Clips, taucht zuerst der Sketch über die Warteschlange an der Fleischtheke auf. Wieso gerade dieser?
Das war die Zeit, als uns ein großes Publikum entdeckt hatte. Diese große Euphorie haben wir Mitte der 90er bis Anfang 2000 gespürt. Ich finde die Nummer immer noch gut, spiele sie aber schon seit Jahren nicht mehr. Ich hänge solchen Sachen nicht nach, ich habe viele andere Sketche geschrieben, die ich viel witziger finde. Die Wurstthekenschlange ist die Nummer, die fast jeder kennt. Am Ende bleibt ein harter Kern erhalten und dann pendelt sich das wieder auf das Normalmaß ein. Das ist normal. Das Schlimmste ist, wenn einen irgendwann keiner mehr sehen will.

Für den Witz bin ich mein eigener Nährboden. 

Einmal hängt Knebel in der Warteschleife der Postbank fest. Gab es eine Reaktion von der Bank?
Nein. Nur nach der Wurstschlange hatten sich mehrere Wurstfirmen gemeldet, die mit mir Werbung machen wollten. Aber damit tut man sich keinen Gefallen.

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Was halten Sie eigentlich von der jungen Komikergeneration?
Ich schaue mir Nachwuchskünstler an. Leider ist es oft so, dass der Sketch, der im Fernsehen lief, schon der beste war. Das ist kein Neid, ich lache ja gerne, aber unter den Neuen habe ich noch keinen Comedian entdeckt, den ich toll finde. Ich finde ihre Themen teils zu belanglos und ihre Sketche nicht besonders komisch.

Sie parodieren in der Sendung Mitternachtsspitzen gerne Promis. Haben Sie da einen Liebling?
Ja, aber der ist leider verstorben: Karl Lagerfeld konnte ich unheimlich gut. Im Moment parodiere ich ab und an Annegret Kramp-Karrenbauer. Aber als ich Perücke und Brille aufgesetzt habe, war ich schon entsetzt, wie groß die Ähnlichkeit war.
______
Uwe Lyko, „Im Liegen geht's“, Samstag, 18. Mai, 20 Uhr, im Cube 521, Marnach. Karten (25, 20 oder 12 Euro) unter Tel. 521 521 oder info@cube521.lu.


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