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Mit der "Dame" auf Zeitreise
Nachbildungen der Schmuckstücke an einer Puppe geben eine Eindruck der keltischen Adligen.

Mit der "Dame" auf Zeitreise

Foto: Gerry Huberty
Nachbildungen der Schmuckstücke an einer Puppe geben eine Eindruck der keltischen Adligen.
Kultur 17 3 Min. 12.01.2019

Mit der "Dame" auf Zeitreise

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Die Kleopatra von der Mosel – nein, so weit wollten die Archäologen denn doch nicht gehen. Aber unter dem Titel "Dame von Schengen" bekommt ein Grabfund den perfekten Rahmen für ein historisches Abenteuer.

„Reich mit Schmuck angetan wurde die Dame von Schengen   vor circa 2 500 Jahren im Moseltal beigesetzt. Doch wie sah sie aus? Diese Frage ist Ausgangspunkt für eine spannende Wanderausstellung über einen einzigartigen archäologischen Grabfund. Entdeckt wurde das Grab am Ende des 20. Jahrhunderts im Uferbereich der Mosel zwischen Schengen und Remerschen.“ So markig und mit etwas Pathos beschwören die Macher einen für Laien auf den ersten Blick unspektakulären Fund aus der „Struktur 17 (Inventarnummer RK 1995-30/17)“. 

Im Boden zeigten sich damals lediglich erst ein paar Verfärbungen, dann Tongefäße und dann grünlich-metallische Gegenstände. Alles Organische wie Holz und auch der Körper waren im Boden längst verwittert. Wie sich dank dem Expertenwissen herausstellte, war es dennoch die ungewöhnlichste Bestattung zwischen 500 bis 450 vor Christus in den insgesamt 55 Gräbern aus der späten Bronze- bzw. frühen Eisenzeit, die nach und nach dort entdeckt wurden. 1995 begannen die dreijährigen Grabungen in der Flur „Klosbaam“ zwischen Schengen und Remerschen. 

Großes Puzzle

Wer sich die Details von dem Spezialisten Foni Le Brun-Ricalens, dem Direktor des „Centre national de recherche archéologique“ (CNRA), erklären lässt, merkt schnell, dass diese Rettungsgrabung – bevor die Fläche anderweitig genutzt wurde – auch nur der Anfang eines riesigen Puzzles war. Mehr als 20 Jahre später, und nach vielen eingeholten Einschätzungen und Mithilfen vieler Experten weit über Luxemburg heraus, wird die historische Bedeutung klarer: Zusammen mit Experten wie Rosemarie Cordie, Archäologin von der Uni Trier und Museumsleiterin des Archäologieparks „Belginum“ im Hunsrück konnten die Forschungen als grenzüberschreitendes Projekt rund um das Europäische Kulturerbejahr um die Stücke endlich zum vorläufigen Ende gebracht werden.

Der Status der „Dame“ [in der französischen Fassung „Princesse“] als hochrangige keltische Persönlichkeit wird an dem Bronze- und Eisenringschmuck deutlich. Nicht nur in dessen Formen und den schwer zu verarbeitenden und wertvollen importierten Materialien einer sogenannten Vogelkopffibel, sondern auch anhand der Schläfen- und Halsringe und der Zahl der Armreifen. Auch ein Dreieck, das wohl wie eine Mischung aus funktionaler Halterung für die Kopfbedeckung und Schmuck eingesetzt wurde, fand sich im Grab an der Mosel. 

Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Arbeit: Eine Wanderausstellung, die nicht nur die gefundenen Stücke zeigt, sondern auch die Darstellung der Aufarbeitung stark inszeniert – bis zu Hologrammen, wie die „Dame“ wohl ausgesehen haben könnte und Verweisen zu anderen Forschungen – wie denen zu historischen Textilien und der Metallverarbeitung. Im Erlebnisraum schlüpfen die Besucher quasi in die Haut der Forscher und fügen immer mehr Details zu einem großen Ganzen zusammen. Als erster Ausstellungsort wurde das Naturschutzzentrum „Biodiversum“ – nahe dem einstigen Fundort – gewählt, das auch den historischen Wandel des Naturraums Mosel in seiner Ausstellung thematisiert. 

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Bis zum 14. Februar ist die Ausstellung um die „Dame von Schengen“ im Biodiversum Remerschen (5, Breicherwee) von dienstags bis sonntags, von 10 bis 18 Uhr, zu sehen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Schau. Anmeldungen für die Konferenzen und Ateliers sind unter Tel. 23 60 90 61 oder über biodiversum@anf.etat.lu erbeten.

Hier der Überblick über die Veranstaltungen:
Samstag, 12.1., 14 Uhr: „Les seigneurs des anneaux. Découverte et fabrication de bijoux celtiques“ – Atelier für Kinder ab 6 Jahren, (5 Euro).
Sonntag, 13.1., 11 Uhr: „Bestattungssitten in der Eisenzeit“, Referentin: Rosemarie Cordie (Uni Trier, Archäologiepark Belginum).
Sonntag, 20.1., 11 Uhr: „Antikes Scherbenpuzzle und Rostbrösel – Einblick in die Arbeit eines Restaurators“, Referentin: Claire Wetz (CNRA).
Freitag, 25.1., 19.30 Uhr: „D’Prinzessin vu Schengen an déi südlech Miseler Géigend an der fréier Keltenzäit“, Referentin: Dr. Fabienne Meiers (CNRA, DokuPlus Sarl, Biodiversum).
Sonntag, 3.2., 11 Uhr: „Die Umwelt an der Moselaue um 500 v. Chr“, Führung mit Rainer Schubert (Biodiversum).
Samstag, 9.2., ab 10 Uhr: Finissage – keltisches Mode-Defilé, archeo-technische Vorführungen und Kinderateliers.