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Mit Dakota durch die Welt
Kultur 5 4 Min. 21.07.2018

Mit Dakota durch die Welt

Als "visual storyteller" bereist  Ann Sophie Lindström mit Kamera und Begleiter in Spe - Pony Dakota - die Welt.

Mit Dakota durch die Welt

Als "visual storyteller" bereist Ann Sophie Lindström mit Kamera und Begleiter in Spe - Pony Dakota - die Welt.
Foto: Guy Wolff
Kultur 5 4 Min. 21.07.2018

Mit Dakota durch die Welt

Sarah ROCK
Sarah ROCK
Sie pendelt zwischen Luxemburg, Hannover und den USA – ständiger Begleiter ist ihr Plüsch-Pony Dakota. „Es hat sogar einen eigenen Hashtag auf Instagram und ist in vielen meiner Bilder zu sehen“, erklärt die junge Fotografin Ann Sophie Lindström begeistert.

Bilder sagen mehr als tausend Worte – das beweist auch Fotografin und Filmemacherin Ann Sophie Lindström. Dass die World Press Foundation auf ihr Talent aufmerksam wurde und sie in ihr „6x6 Global Talent Program“ aufnahm, ist also keine große Überraschung. Immerhin vereint das „Talent Program“ sechs noch unbekannte Fotografen aus sechs verschiedenen Teilen der Welt und stellt ihre Bilder einem weltweiten Publikum vor. Lindström selbst fiel allerdings aus allen Wolken: „Ich war gerade zurück aus New York und intensiv damit beschäftigt, vom klassischen Reitsattel auf den Western-Stil umzusteigen. Als das dann keineswegs so lief, wie ich wollte, bin ich einfach nochmals in aller Ruhe mit meinem Pferd spazieren gegangen, habe meine Mails durchgesehen und die Nachricht entdeckt. Ich musste vor Freude so laut schreien, dass sogar mein Pferd erschrocken ist.“


Als „visuel storyteller“ reist Lindström, die auch für das „Luxemburger Wort“ als freie Mitarbeiterin unterwegs ist, durch die Welt, blickt hinter die Kulissen von vergessenen Schicksalen oder verkannten Gemeinschaften. Ihre Leidenschaft für Pferde trieb sie in die Cowboy-Szene. Für ihre letzten Projekte war sie in den USA unterwegs: Vor allem ihr neuester Dokumentarfilm „The Bitter with the Sweet“, in dem sie das Cowboy-Paar Ricky und Gretchen in Nord Philadelphia in ihrem rauen Alltag begleitet, liegt ihr am Herzen.

Meist entstehen meine Projekte durch Zufall, gründen auf kleinen Geschichten, die sich aus Gesprächen und Begegnungen im Alltag ergeben. Bei solchen Projekten kommt man den Menschen dann auch sehr nahe. Ich interessiere mich für die Leute, im Gegenzug erfahren sie aber auch viel über mich. Wichtig bleibt der Austausch. Viele sind der Meinung, ein Fotojournalist sollte möglichst unsichtbar sein – das funktioniert nicht. Die Leute sollen mich mit meiner Kamera akzeptieren. Wenn sie erst daran gewöhnt sind, wird ihr Verhalten natürlich und ungezwungen.“ Dass die Menschen sich vor Ann Sophie Lindströms Linse wohlfühlen und auf ihr Können vertrauen, beweist die Intimität, die sowohl ihre Filme als auch ihre Fotos vermitteln. Auf keinen Fall wolle sie Inszenierungen schaffen, wirft Lindström ein, doch sie gibt zu, dass ihre eigenen Bilder sie an Renaissancemalerei erinnerten– „Ich finde meine Fotos sehr sauber, schlicht, mit besonderen aber geordneten Lichtverhältnissen. Auch bei der Darstellung der Tiere in meinen Bildern denke ich an Gemälde aus dieser Zeit. Ich habe zu Hause keine Fotografien an der Wand – nur Renaissancebilder und Tiermotive.

Ein Bild – eine Geschichte: In ihrem Film „The Bitter with the Sweet“ begleitet Ann Sophie Lindström das Paar Ricky und Gretchen selbst in vertrauten und intimen Momenten.
Ein Bild – eine Geschichte: In ihrem Film „The Bitter with the Sweet“ begleitet Ann Sophie Lindström das Paar Ricky und Gretchen selbst in vertrauten und intimen Momenten.
Ann Sophie Lindström

Nähe und Vertrauen

„Eigentlich habe ich bei Ricky und Gretchen in „The Bitter and the Sweet“ mit einer Fotostrecke angefangen, habe dann aber bemerkt, dass die Geschichte der beiden besser als Film funktioniert. Der Unterschied ist, dass man sich beim Fotografieren mit den Leuten unterhalten kann, beim Filmen nimmt man stattdessen längere Sequenzen auf, kann die Kamera nicht einfach spontan weglegen und nimmt das Gespräch zwangsläufig mit auf. Aber gerade am Anfang eines Projektes wollen die Menschen noch quatschen, um sich besser kennenzulernen. Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass es allgemein einfacher ist, mit Fotos anzufangen und dann zum Filmen überzugehen.“ Aus dem Dokumentarfilm „The Bitter with the Sweet“ solle zudem noch ein Film mit Spielfilmlänge werden, die Geschichte wäre längst nicht abgeschlossen.

Lindström scheinen die Motive für ihre Projekte wortwörtlich zuzufliegen – und irgendwie haben sie immer mit Tieren zu tun. Ihre nächste Arbeit berichtet über die sogenannten „Pidgeon Flyers“ in New York – eine Subkultur, in der Menschen Tauben auf ihren Dachterrassen horten und sie dann zu einer Art „Taubenwettfliegen“ ausbilden. „Das Projekt reizt mich jetzt schon seit zwei Jahren“, gibt Lindström schmunzelnd zu.

Der Blick hinter die Kulissen

Der jungen Fotografin ist es wichtig, nach der Recherche stets an Ort und Stelle herauszufinden, was sie wirklich aufnehmen will und wer Teil des Projektes wird: „Nach der Recherche reise ich zu den Leuten, über die ich gelesen habe, aber meistens trifft man dann wieder andere, die noch nicht dokumentiert wurden, aber trotzdem interessant sind – oder sogar noch spannender“, erklärt Lindström, „für Projekte folge ich stets einer Idee – was danach passiert, kann man nicht planen. Meistens kommt es ganz anders als gedacht. Das Schlüsselwort heißt: Flexibilität. Wenn ein Foto nicht gleich gelingt, muss man eben Geduld aufbringen oder zum Ort zurückkehren.“

Die junge Fotografin spielt bereits mit Ideen zu ihrem nächsten Projekt.
Die junge Fotografin spielt bereits mit Ideen zu ihrem nächsten Projekt.
Foto: Guy Wolff

Mit dem Fotografieren hat Ann Sophie Lindström angefangen, als sie elf Jahre alt war – mit ganz einfachen Urlaubsfotos. „Mein Vater hat mir dann seine alte Spiegelreflexkamera überlassen. Ich habe daraufhin begonnen, mich nicht nur für die Fotos, sondern auch für die Technik, die Kamera an sich zu interessieren. Es reichte mir nicht mehr, einfach nur eine Taste zu bedienen. Kurz darauf habe ich Fotografie-Workshops an der Kunstakademie in Trier besucht, in denen man die Bilder selbst entwickeln und drucken konnte. Das hat mir richtig Spaß gemacht. Ich glaube, das war auch der Moment, in dem ich beschlossen habe, Fotografie zu studieren.“ Welchen Weg sie denn sonst gewählt hätte? „Wahrscheinlich wäre ich Hundetrainerin geworden“, gibt Lindström lachend zu.

Obwohl es Fotografen gibt, die als Quereinsteiger zu ihrem Beruf finden, sei ein fachbezogenes Studium für die Entwicklung der Technik und die Vernetzung wichtig, erklärt Lindström. „Während meines Studiums in Hannover habe ich Lehrende kennengelernt, die selbst im Beruf waren und nicht nur die Technik erklärten, sondern das Umfeld genau kannten und uns interessante Praktika, wie zum Beispiel bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, vermittelt haben. So konnte man sich früh ein Netzwerk aufbauen.“

Lindström leistet nun auch selbst Vernetzungsarbeit und ist seit Kurzem aktives Mitglied des internationalen „Bombay Flying Club“-Teams, einem jungen Fotografen- und Filmemacherkollektiv, das Projekte betreut und begleitet.


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