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Mick Jagger: "Wir vermissen Charlie sehr!"
Kultur 4 3 Min. 27.09.2021
Erste Show ohne Charlie Watts

Mick Jagger: "Wir vermissen Charlie sehr!"

Gruppenbild mit neuem Mann: Die Rolling Stones mit Steve Jordan (3.v.l.), der statt dem kürzlich verstorbenen Charlie Watts am Schlagzeug sitzt.
Erste Show ohne Charlie Watts

Mick Jagger: "Wir vermissen Charlie sehr!"

Gruppenbild mit neuem Mann: Die Rolling Stones mit Steve Jordan (3.v.l.), der statt dem kürzlich verstorbenen Charlie Watts am Schlagzeug sitzt.
Foto: AFP
Kultur 4 3 Min. 27.09.2021
Erste Show ohne Charlie Watts

Mick Jagger: "Wir vermissen Charlie sehr!"

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Die Rolling Stones setzen ihre "No Filter" Tour vor ausverkauftem Haus in St. Louis fort. Am Schlagzeug sitzt Steve Jordan, einer der renommiertesten Drummer im Popgeschäft - aber zuallererst ein Charlie-Watts-Fan.

Definitiv kein Konzert wie jedes andere, aber eins aus der Kategorie „The Show must go on“: Die Rolling Stones haben am Sonntag ihre wegen der Pandemie unterbrochene „No Filter“-Tour mit einem Auftaktkonzert in St. Louis im US-Staat Missouri fortgesetzt. Und das zum ersten Mal in 59 Jahren Bandgeschichte ohne Charlie Watts - der Drummer war vor gut vier Wochen im Alter von 80 Jahren verstorben. Am Schlagzeug sitzt künftig ein neuer Mann, der aber ein alter Bekannter ist: Steve Jordan war von den Rolling Stones schon vor dem Tourauftakt als Ersatz für Watts benannt worden - damals war noch die Rede von einer Pause aus gesundheitlichen Gründen. 


(FILES) In this file photo taken on November 13, 2012 Charlie Watts of the Rolling Stones arrives at the Ziegfeld Theater to view "Crossfire Hurricane" in New York. - Charlie Watts, drummer with legendary British rock'n'roll band the Rolling Stones, died on August 24, 2021 aged 80, according to a statement from his publicist. (Photo by Don EMMERT / AFP)
Die Stones verlieren ihr Fundament
Charlie Watts war gelebtes Understatement. Ein Musiker, der wusste, was er kann. Und der nicht wollte, was er nicht konnte. Er wird fehlen.

Watts Erbe schwebte selbstverständlich über dem Abend und wird das auch während der ganzen Tour tun: Das Intro, das seine Kollegen auf den riesigen Videoscreens über der leeren Bühne einspielen lassen, ist eine Hommage an ihren Drummer. Fotos von Watts werden gezeigt, akustisch nur mit Trommelschlägen unterlegt. Das sollte nicht der einzige Gänsehautmoment bleiben: Nach den Openern „Street Fighting Man“ und „It's only Rock'n Roll“ fanden sich die drei verbliebenen Stones Mick Jagger (78), Keith Richards (77) und Ronnie Wood (74) in der Bühnenmitte zusammen. 

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Jagger sprach das Offensichtliche aus: „Es ist die erste Tournee, die wir ohne ihn machen. Wir werden ihn so sehr vermissen, auf und neben der Bühne“. Jagger gilt als einer der besten Showmen im Rock'n'Roll-Geschäft, doch diese Worte waren authentisch und die Trauer echt - erkennbar nicht nur daran, dass er während seiner Ansprache die Hand von Keith Richards hielt. Ein „emotionaler Moment“ sei dieses Showintro mit den Bildern von Watts gewesen, so Jagger weiter. 

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Dann schüttelten die Stones mit ihrer „neuen“ Rhythmusgruppe (Bassist Darryl Jones ist seit 1994 dabei) die Trauer ab und spielten „Tumbling Dice“ zu Ehren von Charlie Watts. Es folgt ein Set, wie man es von den Stones erwartet, mit Klassikern wie „Start Me Up“, „Honky Tonk Women“, „Paint it Black“ und „Jumpin' Jack Flash“, natürlich mit „Satisfaction“ als letzter Zugabe. Und mit ein paar Überraschungen, wie zum Beispiel der Premiere der jüngsten Single „Living in a Ghost Town“.  

Wer ist Steve Jordan?

Auch für die Stones mehr als nur ein Sideman: Steve Jordan (M.) gilt als einer der gefragtesten Drummer Amerikas.
Auch für die Stones mehr als nur ein Sideman: Steve Jordan (M.) gilt als einer der gefragtesten Drummer Amerikas.
Foto: AFP

Dass er Charlie Watts jetzt endgültig vertreten soll, hatte er sich vielleicht anders vorgestellt, dass die Wahl der Stones auf ihn fiel, ist allerdings alles andere als überraschend: Steve Jordan, 64, ist bereits seit 1985 Teil der „erweiterten Stones-Familie“. Damals spielte er auf dem Album „Dirty Work“ mehrere Tracks ein, als Watts wegen seiner Alkohol- und Heroinsucht unpässlich war. Ein offensichtlich beeindruckter Keith Richards verließ sich kurz darauf auch bei seinem viel beachteten Soloprojekt „Keith Richards and the X-pensive Winos“ auf Jordans Rhythmusarbeit. 

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Jordan hat sich seine Meriten aber auch durchaus außerhalb des Stones-Stammbaums verdient: Er war Drummer für Stevie Wonder, Eric Clapton und die Hausband der legendären amerikanischen Comedyshow „Saturday Night Live“; man hört ihn zudem auf Alben von Bob Dylan, Bruce Springsteen, Neil Young oder Herbie Hancock. 

Erfolgreicher Produzent 

Als Produzent gewann er mehrere Grammys, darunter einen für John Mayers Album „Continuum“. Seit 2005 ist Jordan Teil des John Mayer Trios, zusammen mit dem Bassisten Pino Palladino, der übrigens eine ganz ähnliche Geschichte wie Jordan zu erzählen hat: Als im Jahr 2002 John Entwistle, der Bassist von The Who, ohne Zweifel eine der ganz großen Legenden und Innovatoren dieses Instruments, am Abend vor dem Auftakt einer US-Tour in einem Hotel in Las Vegas einem Herzinfarkt erlag, stand Palladino zwei Tage später mit The Who auf der Bühne - und tourt seitdem immer noch mit den Briten. 

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Steve Jordan ist also weit mehr als ein Ersatz für Charlie Watts. Dass er aber alles daran setzen wird, sich in das Gesamtbild der Rolling Stones einzufügen, zeigte er in St. Louis unmissverständlich: Das Drumset, mit dem Jordan die Show bestritt, kommt von Watts bevorzugter Marke Gretsch und war ebenso minimalistisch bestückt wie das des Stones-Mitgründers. Auch Jordan wird Charlie vermissen. Doch die Show geht weiter. 

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