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Michael Douglas glänzt als altertümlicher Serienheld
Kultur 1 2 Min. 09.12.2018

Michael Douglas glänzt als altertümlicher Serienheld

Mit schwarzem Humor gesegnet: Lisa (Nancy Travis) und Sandy Kominsky (Michael Douglas).

Michael Douglas glänzt als altertümlicher Serienheld

Mit schwarzem Humor gesegnet: Lisa (Nancy Travis) und Sandy Kominsky (Michael Douglas).
Foto: Mike Yarish/Netflix
Kultur 1 2 Min. 09.12.2018

Michael Douglas glänzt als altertümlicher Serienheld

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Es ist eine Mischung von Komödie, Sitcom und Realityshow, mit viel Witz und Humor, vor allem schwarzem, manchmal auch etwas peinlichem, aber doch immer erfrischend unterhaltsamem und in mancher Hinsicht schonungslosem Humor.

Die neue Serie mit Michael Douglas ist eine Mischung von Komödie, Sitcom und Realityshow: "The Kominsky Method" bietet viel Witz und Humor, vor allem schwarzen, manchmal auch etwas peinlichen, aber doch immer erfrischend unterhaltsamen und in mancher Hinsicht schonungslosen Humor. Denn es geht bei aller Ausgelassenheit und Leichtigkeit um ernste Themen, um das Altern, um das Sterben, um Freundschaft, um Trauer und um die nie nachlassende Freude am Leben.

Sandy Kominsky (Michael Douglas) ist ein einst bekannter, aber in die Jahre gekommener Schauspieler, der sich nun mit Schauspielunterricht über Wasser hält. Er versucht seinen Schülern die Balance zwischen täuschend echter Interpretation einer Rolle und dem authentischen Zugang zur Schauspielerei als kreativem und tief empfundenem persönlichen Akt, als, wie er sagt, „Erweiterung des echten Lebens“, zu vermitteln.

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Seine Lektionen handeln von schwindenden Grenzen zwischen Schein und Sein. Und so erscheint denn auch ganz natürlich seine eigene Lebensgeschichte in einem nie völlig durchschaubaren Wechselspiel von Ernst und Komik, Trug und Echtheit, Wissen und Verdrängung.

So „wunderbar altertümlich“ wie Sandy sich in der Rolle des dreimal geschiedenen, schrullig-charmanten Querkopfs, vor allem gegenüber der nicht mehr ganz jungen, aber immer noch attraktiven Lisa (Nancy Travis) gibt, verkörpert er jene Generation, die von den Lebensgewohnheiten und Überzeugungen einer einem neuen, von den sozialen Medien befeuerten und von sexueller (und anderer) Freizügigkeit geprägten Modernismus frönenden Gesellschaft mit dem eigenen Alter konfrontiert wird, und versucht, sich dagegen mit bitterem Humor und beißendem Sarkasmus zu behaupten.

Man fühlt sich wie „Passagiere auf einem langsam sinkenden Schiff “, so beschreibt er sein ganz persönliches Lebensgefühl, in dem sich aber natürlich – hier offenbart sich die augenzwinkernde Botschaft der Serie – eine ganze Generation, wenn nicht mehrere, wiedererkennen.

Ironische und doch bewegende Gesellschaftsstudie

Sandy, sein langjähriger, gerade verwitweter Freund und Ex-Agent Norman Newlander (Alan Arkin), Lisa und Tochter Mindy (Sarah Baker) sind die Figuren einer unterhaltsamen, aber auch ironisch-ernsten und zugleich bewegenden Gesellschaftsstudie, die insbesondere vom großen Format des anspruchsvollen Castings profitiert. Überraschungen würzen dabei eine nie langweilige Geschichte, wie die urplötzlichen Auftritte weiterer (älterer) Hollywood-Größen – Elliott Gould oder Danny DeVito –, und nicht zuletzt fehlt auch nicht die politische Botschaft an ein Trump-Amerika.

Geschickt projiziert der Macher der Serie, Produzent, Autor und Regisseur Chuck Lorre („Two and a Half Men“, „The Big Bang Theory“) die an ähnliche, gelungene Produktionen mit älteren Stars erinnernde Handlung auf zwei erzählerische Ebenen.

Begräbnis als Showerlebnis

Es geht um die Trauerbegleitung von Sandy für seinen Freund Norman nach dem Tod von dessen Frau Eileen (Susan Sullivan), um Sandys Prostataprobleme und Normans komplizierten Umgang mit seiner drogensüchtigen Tochter Phoebe (Lisa Edelstein).

Sprühender Witz und schwarzer Humor sind angesagt, z. B. wenn Eileens Begräbnis zu einem humoristisch-emotionalen Showerlebnis wird, bei dem Patti LaBelle „Lady Marmalade“ zum Besten gibt und Komiker Jay Leno die Trauergesellschaft mit derben Witzen unterhält.

Zugleich wird die Geschichte zum Thema und Anschauungsunterricht der z. T. sehr intensiven Lektionen vor den Schauspielschülern, wobei ein brillanter Michael Douglas die Kominsky-Methode als Anleitung zur schauspielerischen Wahrhaftigkeit, aber auch als Selbstversuch anwendet, um als Senior in der verwirrenden Welt der Jugend zurechtzukommen.
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„The Kominsky Method“ ist als achtteilige Serie mit Folgen à jeweils 25 Minuten auf Netflix abrufbar.


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